Eitan M. Gurari, Bing, Typographie-FAQ, Korrekturzeichen, Carbon Emacs und AUCTeX, Aquamacs, Kile 2.1 beta, TeXMaker 1.9.2, LyX 1.6.3, Donald E. Knuth, Chaosradio Express, UK TeX FAQ v3.19, LaTeX3, TUG 2009, TeX Live 2009, biblatex, KOMA-Script, deutsche Trennmuster, BibDesk, grid, Detexify, DTK 2/2009, Zeitschriftenbeitrag

Der Entwickler des Konverters TeX4ht Eitan M. Gurari ist am 22. Juni 2009 im Alter von 62 Jahren verstorben. Gurari war ursprünglich Physiker. Er schloß sein Studium 1971 am Israel Institute of Technology ab und wandte sich dann der Informatik zu. 1982 kam er an die Ohio State University, wo er bis zuletzt als Professor tätig war.

Im Nachruf der Universität heißt es zutreffend zu TeX4ht:

His creation, the TeX4ht system, has been widely used worldwide in the scientific community for publishing research papers on the Internet and is generally considered to be the best application to translate LaTeX into other formats. He often received emails from users praising and appreciating the various software systems he had single-handedly built.

TeX4ht war ursprünglich als Konverter von LaTeX nach HTML entworfen worden. Die klassische Beschreibung findet man im LaTeX Web Companion (S. 155–194), dessen Co-Autor Gurari 1999 war, gemeinsam mit Michel Goossens, Sebastian Rahtz, Ross Moore und Robert Sutor. Das Programm wurde danach ganz wesentlich erweitert. Schon längst ist es ein Konverter von LaTeX nach diversen XML-Formaten. Neben XHTML und MathML können auch DocBook und TEI sowie OpenDocument (ODT) erzeugt werden, eine Arbeit, die, wie Gurari einmal schrieb, sehr aufwendig gewesen sei. TeX4ht schlägt damit eine äußerst wichtige Brücke zwischen der LaTeX-Welt und XML sowie der Welt der Office-Textverarbeitungen.

Eitan Gurari las comp.text.tex regelmäßig, und er half immer schnell weiter, wenn Anwender Fragen zu TeX4ht stellten oder von Problemen berichteten. Er war ausgesprochen hilfsbereit und sehr darum bemüht, Bugs so bald wie möglich auszubügeln.

Nach den etwas enttäuschenden ersten Eindrücken von der neuen Suchmaschine Wolfram|Alpha, habe ich natürlich auch Microsofts Live-Search in neuem Gewand getestet. Bing bietet vor allem malerische Hintergrundphotos auf der Startseite, kann aber nicht zwischen „LaTeX“ und „Latex“ unterscheiden. Nach der Eingabe von „LaTeX“ geht es in den Suchergebnissen kreuz und quer zwischen dem LaTeX-Artikel in Wikipedia, „Latex-Yvonne“ et al. und den Websites von Herstellern medizinischer Latex-Artikel hin- und her, was ganz sicherlich nicht sonderlich hilfreich ist, wenn man nach Weiterführendem zum Textsatz sucht.

Die FAQ der Newsgroup de.etc.sprache.deutsch enthält auch einen Abschnitt zur Typographie deutschsprachiger Texte – vielleicht eine hilfreiche Ergänzung zu Christoph Biers typokurz oder zu Georg Verweyens Seiten zu „Typographie und LaTeX“.

Eine Übersicht zu den Korrekturzeichen nach DIN 16511 gibt es bei cleverprinting (PDF-Datei).

Der Entwickler des Carbon Emacs, einer Emacs-Distribution für Mac OS X, Seiji Zenitani, stellt einen Fix bereit für alle Anwender, die Probleme mit den Icons der Symbolleisten und mit den Tastenkürzeln bei AUCTeX haben sollten.

David Reitter hat Version 1.8 seines Aquamacs Emacs veröffentlicht. Das Changelog enthält eine Reihe von Bugfixes und Änderungen bei der Bedienung, die auf mich aber eher den Eindruck von größtenteils überflüssiger Spielereien machen und die mich jedenfalls nicht von meinem gewohnten Carbon Emacs abbringen werden. Wer gerne an der cutting edge lebt, kann bereits den nightly build von Version 2.0dev herunterladen. Hier hat sich im Vergleich zu füheren Versionen schon mehr getan. Insbesondere baut Aquamacs 2.0 auf dem neuen Emacs 23 auf, eine neue Version, die viele Neuerungen mit sich bringt, vor allem (siehe unter „Future versions“) eine verbesserte Unicode-Unterstützung.

Von zwei weiteren Editoren gibt es neue Versionen: Kile 2.1 beta wurde veröffentlicht, und TeXMaker 1.9.2 ist freigegeben worden.

LyX 1.6.3 ist am 4. Juni 2009 veröffentlicht worden. Vorkompilierte Binaries für Windows, Cygwin und Mac OX X (Universal) können vom FTP-Server des Projekts heruntergeladen werden. Es handelt sich um einen Maintenance-Release, der außer größerer Stabilität zwei weitere Vorteile bietet: Der Konverter tex2lyx, der für den Import von LaTeX-Dokumenten in LyX benötigt wird, ist nun in der Lage, Dateien in allen Kodierungen zu lesen, die von LaTeX unterstützt werden. Außerdem wurde die Geschwindigkeit beim Bearbeiten von mehrteiligen Projekten aus Haupt- und Teildokumenten wesentlich verbessert. Vorwiegend optische Änderungen ergeben sich bei der Kompilierung von LyX gegen Qt 4.5.

Donald E. Knuth hat im April 2009 einen Brief an die Präsidentin des Europäischen Patentamts in München geschrieben, in dem er sich gegen Softwarepatente ausspricht.

Basically I remain convinced that the patent policy most fair and most suitable for the world will regard mathematical ideas (such as algorithms) to be not subject to proprietary patent rights. For example, it would be terrible if somebody were to have a patent on an integer, like say 1009, so that nobody would be able to use that number “with further technical effect” without paying for a license. Although many software patents have unfortunately already been granted in the past, I hope that this practice will not continue in future. If Europe leads the way in this, I expect many Americans would want to emigrate so that they could continue to innovate in peace

Er bekräftigt damit seine Ansicht, die er bereits 1994 zur Praxis der Softwarepatentierung in den USA geäußert hatte:

For example, I developed software called TeX that is now used to produce more than 90% of all books and journals in mathematics and physics and to produce hundreds of thousands of technical reports in all scientific disciplines. If software patents had been commonplace in 1980, I would not have been able to create such a system, nor would I probably have ever thought of doing it, nor can I imagine anyone else doing so.

In der Anlage überreicht Knuth seine damalige Stellungnahme sowie die Mitschrift einer Vorlesung, die er im Jahre 2001 in München gehalten hatte (All questions answered, in: Notices of the AMS, March 2002, 318, 324).

Außerdem fand ich das Video eines etwa einstündigen Vortrags, den Knuth am 16. März 2009 in der Reihe Authors@Google zum Thema Glaube und Wissenschaft gehalten hatte. Er pflegt schon einen sehr feinen sense of humour.

Und wer noch nicht wußte, wie Knuth einst seine Diss schrieb, sollte unbedingt diese Schilderung lesen (Quelle).

Tim Pritlove hat die neueste Folge Nr. 127 seines Podcasts „Chaosradio Express“ TeX gewidmet: „TeX und LaTeX. Das perfektionistische Satzsystem setzt auch heute noch den Maßstab für digitalen Schriftsatz“. Es ist wohl ein Geburtstagsgeschenk zum diesjährigen 15. Geburtstag von LaTeX2e.

Tim Pritlove unterhält sich zwei Stunden lang mit DANTE-Gründungsmitglied und CTAN-Maintainer Joachim Schrod

… über den historischen Ursprung von TeX und seinen technischen Aufbau. Zur Sprache kommen unter anderem die Person Donald Knuth und sein Perfektionismus, das Prinzip der TeX-Makrosprache, warum digitale Gummibänder der Schlüssel zum Schriftsatz sind, TeX und Schriftarten, die Funktionalität von LaTeX, sonstige TeX-Werkzeuge und Editoren und Stammtische und Konferenzen.

Sie sprechen also eigentlich über alles. Wahrscheinlich gibt es bis auf weiteres keine Quelle, bei der man in derselben Zeit genausoviel Informationen zum Thema erhält. Die ganze Saga aus erster Hand. Joachim Schrod schrieb dazu auf TeX-D-L:

Das Interview war ohne Vorgaben, Vorbereitung und ohne Fragenkatalog. Sozusagen als „Kaminzimmergespräch“. Dementsprechend ist auch alles, was ich gesagt habe, ohne Unterlagen oder Nachsehen spontan geäußert worden. Die Länge und das Format ist offensichtlich ein Markenzeichen von Tim’s Podcasts.

Zur Ergänzung gibt es übrigens CRE 080 zur Typographie.

Robin Fairbairns hat Version 3.19 seiner UK TeX FAQ online gestellt. Weil die Überarbeitung der FAQ von DANTE leider wieder ins Stocken geraten ist, handelt es sich dabei weiterhin um die derzeit aktuellste Quelle von Informationen rund um TeX & Friends, deren Lektüre jedem TeX-Anwender uneingeschränkt zu empfehlen ist. Damit das auch in Zukunft so bleibt, möchte Robin Fairbairns seine FAQ langfristig auf eine neue Plattform umziehen, um die Mitarbeit anderer Autoren zu ermöglichen. Er lädt alle dazu ein, sich bei ihm zu melden, die hieran mitarbeiten möchten.

Das LaTeX-Projekt hat die LaTeX3 News Nr. 2 veröffentlicht, um über den Fortgang der Entwicklung zu berichten. Die Überarbeitung des Pakets expl3 ist weitgehend abgeschlossen. Es soll noch geringfügige Änderungen geben, die aber keine größeren Auswirkungen mehr auf die Funktion des Pakets im ganzen haben werden. Es ist bereits auf CTAN verfügbar und wird in TeX Live 2009 enthalten sein. Zukünftige Updates sollen nicht mehr ausschließlich auf der Projekthomepage, sondern auch auf CTAN veröffentlicht werden. Das bedeutet, daß man den neuesten Code nicht mehr per SVN auschecken muß. Es wird ab jetzt fortlaufend Pakete für TeX Live und MiKTeX geben, die man über den TeX Live Manager bzw. über den MiKTeX Package Manager jeweils auf den neuesten Stand halten kann. LaTeX2e ist dementsprechend eingefroren worden. Die Projektmitglieder arbeiten nur noch an LaTeX3. Morten Høgholm wird auf der TUG 2009 zum Stand von LaTeX3 referieren. Neuigkeiten über das Projekt werden nun auch über einen RSS-Feed angekündigt.

Die Tagung TUG 2009 in Notre Dame im Staate Indiana in den USA steht mithin vor der Tür. Sie wird vom 29. bis 31. Juli 2009 stattfinden. Das Programm der Konferenz ist nun bekanntgegeben worden.

Die Veröffentlichung von TeX Live 2009 wird noch etwas auf sich warten lassen. Die Vorabtests haben begonnen, an denen sich jeder Interessierte beteiligen kann.

TeX Live 2009 wird wahrscheinlich Version 0.9 des Pakets biblatex von Philip Lehman enthalten und kann somit per TeX Live Manager installiert werden. Bisher war es nicht Bestandteil der TeX-Distribution, weil es noch als experimentell galt, obwohl es schon seit längerem von vielen Anwendern zur Literaturverwaltung genutzt wurde.

Für KOMA-Script gibt es nun auch lco-Dateien zum Schreiben französischer, japanischer und amerikanischer Briefe. Eine Übersicht über die derzeit im KOMA-Script-Projekt verfügbaren Dateien findet man übrigens hier, darunter auch meine Briefvorlage für scrlttr2. Man beachte die Navigationsleiste im linken Seitenrand.

Stephan Henning hat v0.20 RC1 der neuen deutschsprachigen Trennmuster veröffentlicht. Sie können mit babel und hyphsubst verwendet werden.

BibDesk 1.3.21 ist veröffentlicht worden und kann von der neugestalteten Projekt-Homepage heruntergeladen werden. Auf Sourceforge gibt es nun auch ein BibDesk-Wiki.

Zum registerhaltigen Satz gibt es das neue Paket grid von River Valley Technologies. Es dient speziell zum Abgleichen bei zweispaltigen Layouts und ist „noch sehr am Anfang“. Markus Kohm hatte schon vor einiger Zeit gridset veröffentlicht (ohne Support).

Auf ein schönes neues Tool weist Joseph Wright hin: Daniel Kirsch hat eine interaktive Webanwendung geschrieben, mit der man (La)TeX-Symbole auffinden kann. Man zeichnet mit der Maus im Browser das Zeichen, das man setzen möchte, in groben Zügen in ein Feld, und das im Hintergrund werkelnde Skript schlägt daraufhin ein oder mehrere (La)TeX-Symbole vor, auf die man zurückgreifen kann. Es heißt, das System werde umso besser, je öfter es benutzt werde, es sei also „lernfähig“. Eine schöne und geniale Alternative zu Scott Pakins Comprehensive LaTeX symbol list

Die TeXnische Komödie DTK 2/2009 wurde zu Beginn des Monats Juni an die Mitglieder von DANTE versandt. Die Beiträge drehen sich diesmal vorwiegend um die Neuerungen, die in der letzten Ausgabe von TeX Live eingetreten sind. Da sich insoweit nicht viel ändern wird, gelten sie auch für TeX Live 2009. Norbert Preining beschreibt ausführlich den Installer und den TeX Live Manager. Rolf Niepraschk schreibt über die Installation von TeX Live unter Linux. Und Stefan Kottwitz beschreibt die Installation von Ubuntu Linux auf einem Asus Eee PC S101 als Dual-Boot-System: Der Pinguin muß sich dabei die Festplatte mit Windows XP teilen. Sebastian Krüger faßt die vorhergehende DANTE-Tagung in Wien zusammen, und Herbert Voß beschreibt, wie man Farbabbildungen in Graustufen wandeln kann. Uwe Ziegenhagen stellt die derzeit verfügbaren Ansätze vor, um Wörter in LaTeX-Dokumenten zu zählen.

Leider war bei der Herstellung der Zeitschrift ein Malheur passiert: Versehentlich wurde mein Beitrag zu den neuen Paketen auf CTAN aus der vorhergehenden Ausgabe erneut gedruckt. Es soll aber nichts verlorengehen: Die Übersicht über die seit der DTK 1/2009 auf CTAN neu hinzugekommenen Pakete wird in der nächsten Ausgabe nachgereicht.

Zum Schluß wieder ein Hinweis in eigener Sache. In c’t 14/2009 habe ich auf Seite 59 die Oberfläche SimpleTeX4ht von Yves Gesnel kurz vorgestellt.

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