Greta Grotesk

Eine Schriftart ist nach Greta Thunberg benannt worden, die Greta Grotesk von Tal Shab, herunterzuladen aus Google Drive.

Der Name der Schrift ist nicht satirisch zu verstehen, sondern ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Grotesk-Schrift handelt, also um eine Schriftart mit gleicher Strichstärke ohne Serifen. Sie ist an das Schriftbild angelehnt, das man von Greta Thunbergs handbeschrifteten Transparenten und Plakaten kennt. Genaugenommen ist es also ein Handschriften-Font. Leider hat die Schriftart – zumindest in der derzeitigen Fassung – keine Umlaute, also kann man damit den Slogan SKOLSTREJK FÖR KLIMATET nicht korrekt setzen… via t3n.

Der Beitrag wurde im Vergleich zu einer früheren Fassung geringfügig ergänzt um Erläuterungen zur Bezeichnung der erwähnten Schriftart.

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Bibliothek des Gutenberg-Museums in Hebis recherchierbar

Das Börsenblatt weist heute darauf hin, dass die Bibliothek des Gutenberg-Museums nun einen neuen OPAC erhalten habe und dass der gesamte Bestand der Bibliothek nunmehr auch über den Hessischen Verbundkatalog Hebis recherchierbar sei. Die Titel werden in Hebis in der Bestandsinfo unter „Mainz, Stadtbibliothek und Gutenberg-Museum“ nachgewiesen.

Das Gutenberg-Museum in Mainz betreibt eine Bibliothek zur Buch-, Druck- und Schriftgeschichte mit rund 91.000 Bänden und etwa 50 laufend gehaltenen Zeitschriften. Die Migration auf die neue Plattform hat zwei Jahre benötigt, ist zum größten Teil vollzogen und wird bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

(via TeX-D-L/de.comp.text.tex/InetBib)

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Aquamacs unter neuer Leitung

Gestern notierte ich nur kurz, dass Aquamacs 3.5 freigegeben worden ist. Aquamacs ist eine Distribution des freien Editors Emacs für macOS, die eine Reihe von nützlichen Erweiterungen fertig vorkonfiguriert enthält und außerdem die üblichen Keybindings aus macOS mitbringt. Wer diese nicht nutzen möchte, sondern einen Emacs sucht, wie er ihn von anderen Plattformen her kennt, kann das sehr leicht zurückbiegen. Keine Sorge vor Emacs-Lisp: Als ich vor einigen Jahren mein System von Grund auf neu aufbaute, war Aquamacs die Anwendung, die als erstes einsatzbereit war. Ich mache fast alles, was ich mache, in Aquamacs mit org-mode und LaTeX. (Den Rest mache ich in LibreOffice, wenn es dafür gute Gründe gibt.)

Eine weitere Meldung lief in der darauffolgenden Nacht über die Mailinglisten: Der Entwickler von Aquamacs David Reitter, der Aquamacs erdacht und seit 2003 betrieben hatte, hat das Projekt verlassen. Es ist ein Abschied aus persönlichen Gründen. Viel ist passiert seitdem, es sah schon mal düster aus, was die Zukunft von Aquamacs anging, aber nach der Modernisierung durch den Umzug auf GitHub im Jahr 2015 wurden Schritt für Schritt Hindernisse aus dem Weg geschafft, die auch andere freie Softwareprojekte für den Mac zunehmend behindern. Im Falle von Aquamacs ging es um die Integration gnutls, die notwendig geworden war, weil die Unterstützung für openssl in macOS aus Emacs entfernt worden war. Diese steuerte Win Treese bei, der auch das Projekt insgesamt übernommen hat. Ich danke David für seine Mühe über die vielen Jahre hinweg, und ich hoffe, Aquamacs bleibt den Mac-Anwendern noch lange erhalten.

A propos Mac und Freie Software: Bei der gerade zuende gegangenen TUG 2019 berichtete Dick Koch über die Großen Veränderungen bei MacTeX, von denen die Anwender möglichst nichts bemerken sollten. Von den Hürden, die Apple den Entwicklern zunehmend in den Weg stellt, die die Vorteile, die Unix eigentlich für freie Lösungen bieten sollte, immer mehr schwinden lassen. Notarization und hardened runtimes machen es auch zunehmend schwerer, eine so komplexe Distribution wie MacTeX bereitzustellen. Wer es nicht glaubt, der lese Dicks Bericht. Die Probleme bei der Entwicklung des freien PDF-Viewers Skim, der auf PDFkit aufsetzt, möge man auf dessen Mailingliste nachvollziehen. Nicht schön. Das ständige Hase-und-Igel-Spiel durch jährliche System-Upgrades (früher gabs das alle zwei bis drei Jahre) erzeugt einen erheblichen Druck und tut ein übriges. Auch andere Projekte sind betroffen. Vor zwei Wochen kompilierte Poppler zum ersten Mal nicht bei meinen MacPorts unter High Sierra. Es könnte sein, dass die Zeiten, zu denen macOS eine gute Wahl für den Einsatz freier Software war, vorbei sind und der Wechsel zu Linux ernsthaft in Betracht kommt.

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Aquamacs 3.5 Nightly Build

David Reitter bittet um Tests des Nightly Build von Aquamacs 3.5. Neu im Vergleich zur vorhergehenden Version ist die Integration von gnutls 3.6.8. Sie war notwendig geworden, weil die Unterstützung für openssl in macOS aus Emacs entfernt worden war. Aquamacs 3.5 setzt deshalb mindestens Mac OS X El Capitan voraus. Den Code zur Integration von gnutls in Aquamacs steuerte Win Treese bei. Außerdem gab es Updates der vielen ergänzenden Pakete, die in in Aquamacs integriert sind. Aquamacs 3.5 beruht auf Emacs 25, also nicht auf der allerneusten Version von Emacs, sondern auf der vorletzten.

Die Entwickler weisen darauf hin, dass unter macOS Mojave ein Problem beim Öffnen der Menüs auftreten könne. Wer doppelt klicken muss, damit sich ein Drop-Down-Menü öffnet, sollte in den Systemeinstellungen bei den Bedienhilfen Aquamacs ausdrücklich freischalten. Ich kann das nicht selbst testen, weil ich noch nie mit der neuesten Version von macOS gearbeitet habe, also auch derzeit nicht. Mir fiel unter macOS High Sierra auf, dass Text beim fortlaufenden Eintippen manchmal am Zeilenanfang kurz ausgeblendet wird und dann wieder erscheint, als wäre nichts gewesen… das ist etwas merkwürdig.

Der Nightly Build ist nicht signiert. Um alles, was damit zusammenhängt, kümmert sich David Reitter später.

Zur Erinnerung: Wer möchte, dass sich Aquamacs so verhält, wie man es von einem Emacs gewöhnt ist, kann ihm das sehr leicht beibringen.

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Der Nachlass von Jan Tschichold wird digitalisiert

Die Erben des Typografen Jan Tschichold haben dessen Nachlass als Schenkung an das Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gegeben.

Die Deutsche Nationalbibliothek hat in einer Pressemitteilung vom 13. Juni 2019 bekanntgegeben, dass die Digitalisierung des Nachlasses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werde. Die Digitalisate sollen nach entsprechender Erschließung über die Deutsche Digitale Bibliothek online frei abrufbar sein:

Nachlass Jan Tschichold wird mit DFG-Förderung digitalisiert

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses von Jan Tschichold. Der Nachlass befindet sich im Deutschen Buch- und Schriftmuseum (DBSM) der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig. In einem achtzehnmonatigen Projekt werden ausgewählte Teile des Nachlasses digitalisiert und erschlossen. Das Projekt wird mit circa 110.000 Euro gefördert. Die Digitalisate werden mit Normdaten versehen und über das Portal der DNB weltweit im Netz zugänglich gemacht. Gleichzeitig werden die Materialien unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt inhaltlich erschlossen. Noch nie war ein so tiefer und einfacher Blick in die Werkstatt Tschicholds möglich. Zum Abschluss des Projektes wird eine Buchpublikation und eine Tagung die Ergebnisse zusammenfassen.

Jan Tschichold war einer der bedeutendsten Typografen und Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts. Er wirkte im Umfeld des Bauhauses und gilt dort als Stichwortgeber für die sogenannte Neue oder Konstruktive Typografie. Nach dem zweiten Weltkrieg orientierte er sich zunehmend an traditionellen Vorbildern und veröffentliche zahlreiche typografiehistorische Werke und Lehrbücher zur Schriftgestaltung.

Die Erben Jan Tschicholds schenkten dem DBSM den Nachlass, damit er für Forschung und Lehre dauerhaft zur Verfügung steht. In den letzten Jahren gehörte er zu den meistgenutzten Nachlässen des Museums. Je mehr Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Künstler und Künstlerinnen und Studierende den Nachlass vor Ort sichten, desto stärker wird er aber auch in Mitleidenschaft gezogen. Die Digitalisierung ist ein guter Weg, um vielen Menschen einen Einblick in den Nachlass zu ermöglichen und ihn dabei bestmöglich zu schonen. Dabei ist es besonders wichtig, die Digitalisate mit treffenden Beschreibungen (sogenannten Metadaten) anzureichern, damit Nutzerinnen und Nutzer genau das finden können, was sie suchen. Nach der Digitalisierung werden die Daten Teil der Deutschen Digitalen Bibliothek und von Europeana, dem europäischen digitalen Kulturportal.

Noch bis zum 6. September 2019 ist in Leipzig die Ausstellung „Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograf?“ zu sehen. Die Ausstellung, zu der der Wallstein-Verlag eine reich bebilderte Publikation veröffentlicht hat, rekonstruiert an einer Auswahl der interessantesten Stücke aus dem Nachlass den Lebens- und Schaffensweg Tschicholds.

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TeX Live 2019

Zugegeben, ich bin etwas spät dran in diesem Jahr mit dem Upgrade, aber sooo viel Neues hat sich bei TeX Live 2019 im Vergleich zu 2018 ja nun auch wieder nicht ergeben. Jedenfalls nichts, was mich beträfe.

Die New-Features-Seite zu MacTeX liest sich betont entspannt und besteht zu einem großen Teil aus Hinweisen, die auf Neuigkeiten bis ins Jahr 2010 zurückgehen.

In diesem Jahr hatte ich leider an den Pretests nicht teilnehmen können. Das Setup lief klaglos durch, und bisher sind mir auch noch keine Probleme aufgefallen. Seit heute Morgen sind auch die ersten neuen Pakete auf dem CTAN-Mirror meines Vertrauens verfügbar.

Mein Dank geht an die Kolleg/inn/en, die die neue Version auch in diesem Jahr erstellt haben.

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„Moderne am Main 1919–1933“ im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

In der Ausstellung „Moderne am Main 1919–1933“, die vergangene Woche im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main zum Baushausjahr eröffnet worden ist, ist auch viel Neue Typografie und Vorarbeiten bzw. künstlerisches Umfeld zu sehen – wer also Gelegenheit hat, nach Frankfurt zu kommen, möge sich die Schau nicht entgehen lassen. Der kleinformatige, aber dicke Katalog ist auch schön gemacht und mit informativen Texten versehen. Leider muss man viel Wissen mitbringen, um die Zusammenhänge zwischen den Ausstellungsstücken und dem Hintergrund herzustellen, in der Ausstellung gibt es nur kurze Wandtexte, und der Katalog liegt leider auch nicht aus – ich habe das beim Gehen angeprangert, und das Museum verspricht Besserung. Wir haben etwas gewikipediat, um unsere Lücken zu füllen, und das ging gut.

Moderne am Main 1919–1933. Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Kuratiert von Grit Weber, Annika Sellmann, Klaus Klemp und Matthias Wagner K. Bis 14. April 2019. Katalog: 29 Euro.

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TeX: A branch of desktop publishing evolution

Die letzte und die folgende Ausgabe der IEEE Annals of the History of Computing widmen sich der Geschichte des Desktop Publishings. Darin auch ein zweiteiliger Aufsatz zur Geschichte von TeX:

Ergänzende Materialien findet man auf der Website der TeX Users Group.

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TeX-Tagungen 2019

Die Ankündigungen zu drei TeX-Tagungen sind hereingekommen:

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Some TeX Developments, TeX und GitHub, Org-mode 9.2, MediaWiki2LaTeX, Variable Fonts

Das neue TeX-Jahr beginnt mit einem Glückwunsch an Joseph Wright: Nachdem bereits TeX & Friends auf sein Zehnjähriges zurückgeblickt hatte, ist es heute auch für Some TeX Developments soweit, wie wir nebenan lesen.

Das Beispiel zeigt: Die teXnische Blogosphäre hat sich etabliert, auch wenn die Abrufzahlen im Vergleich eher niedrig sind, leisten doch auch die Blogs einen wertvollen Beitrag zur Information und zur Dokumentation über die Mitgliederzeitschriften und die Webforen hinaus.

Joseph Wright hat aber auch noch einmal bekanntgegeben, dass er sein Blog von WordPress auf GitHub Pages umgestellt habe. Dementsprechend liegt der RSS-Feed nun unter https://www.texdev.net/feed.xml, und das eigentliche Blog liegt nicht da, sondern dort. Etwas verwirrend. Aber: Der Trend zu kommentarlosen Blogs hält also an, ich bin nicht der einzige, der es so macht. Und auch der Trend zu Blogs mit statischen Seiten ist ungebrochen.

Bleibt nur zu hoffen, dass es den TeX-Projekten mal nicht auf die Füße fallen wird, dass man in der Zeit ab 2018 so sehr auf GitHub gesetzt hatte. Nach dem LaTeX Project und der englischen TeX-FAQ nun also auch Blogs. Dezentralisierung wäre angesagt.

Der auch von TeX-Anwendern häufig verwendete Org-mode beispielsweise betreibt sein eigenes Git-Repositorium. Zwischen den Jahren wurde Version 9.2 veröffentlicht, die ggf. einige Änderungen in der Konfiguration erforderlich macht. – Beim 35C3 hat es eine Assembly von Karl Voit zu Org-mode gegeben – kein Video, aber die Gliederung zum Vortrag ist veröffentlicht worden, wie sich das halt so gehört für einen Talk zu einem Outliner.

Über MediaWiki2LaTeX hatte ich zuerst (und zuletzt) 2013 geschrieben. Dirk Hünninger hat sein Projekt jetzt in einer neuen Version auf WMFLabs bereitgestellt. Man kann damit nicht nur Seiten aus Wikimedia-Projekten, sondern beliebige MediaWiki-Seiten online nach PDF, EPUB oder ODT wandeln. Der LaTeX-Quelltext kann gezippt heruntergeladen werden. Das Projekt steht unter einer GPL-Lizenz und steht nicht auf GitHub, sondern auf Sourceforge zur Verfügung.

Zum Schluss ein Hinweis auf einen Beitrag zur Typografie: Christoph Zillgens erklärt in t3n , was es mit Variablen Fonts auf sich hat, ein neues OpenType-Feature, das man in der deutschsprachigen Wikipedia noch vergebens sucht, nur die englische und die russische haben dazu einen Artikel. Und natürlich das Typolexikon von Wolfgang Beinert. Seit Ende 2018 sollten demnach alle relevanten Webbrowser Variable Fonts unterstützen, so dass man sie demnächst wohl denn auch häufiger sehen wird.

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