TeX Live 2014 eingefroren

Nach einer Vorankündigung am 10. April 2015 hat Karl Berry vergangene Nacht bekanntgegeben, daß er die Updates für TeX Live 2014 eingefroren habe. Abgesehen von chktex und Asymptote ständen alle Binaries zum Testen bereit.

Der Plan für TeX Live 2015 sieht den Public Release für Mai/Juni 2015 vor, auf jeden Fall rechtzeitig vor der Tagung TUG 2015, die vom 20. bis 22. Juli in Darmstadt stattfinden wird.

Update: Karl Berry hat am 17. April 2015 darauf hingewiesen, daß die Pretests begonnen hätten.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | Hinterlasse einen Kommentar

Emacs, LaTeX, LibreOffice und Zotero

Emacs ist ein Projekt, das sich, wie man so sagt, „in aktiver Entwicklung befindet“. In meinem Fall, auf dem Mac, ist es der Aquamacs, der mit etwas Hilfe aus dem EmacsWiki schnell an die Gepflogenheiten von GNU Emacs angepaßt werden kann. Von allen Programmen, die ich beim Neuaufbau meines Systems vergangenen Oktober installiert habe, war der Aquamacs derjenige, der am schnellsten einsatzbereit war. Man darf gespannt sein, ob die Anstöße von Eric S. Raymond für ein neues Interface für die Online-Hilfe und die Dokumentation von Emacs fruchten werden – ich glaube es nicht wirklich, denn die Gemeinde wirkt auf mich am Ende zu „beharrlich“.

Langfristig frage ich mich natürlich, wie es weitergeht mit dem Schreiben auf dem Mac. Nachdem mein Workflow seit 2000 ganz auf Emacs plus LaTeX eingestellt war, waren mir erste Zweifel an der Zukunftsfähigkeit dieser Lösung gekommen, als selbst der Linux-Fanboy Michael Kofler sich 2013 von LaTeX abgewandt hatte. Auch wenn derzeit viel experimentiert wird, was die Konvertierung von LaTeX nach EPUB und anderen Web- und Reader-Formaten angeht, so zeigt sich doch immer mehr, daß LaTeX von einem Austausch- zu einem Zielformat geworden ist. Man konvertiert nach LaTeX, um einen Text schließlich für die Ausgabe in ein PDF sauber zu setzen. Dabei kann dann auch gezaubert werden, was das Layout angeht. Aber man schreibt einen Text zunehmend in Formaten wie Markdown oder – wenn es kein reiner Texteditor sein soll – in LibreOffice, das mit ODT ein flexibles XML-Format nativ ausgibt, aus dem man dann entweder mit Pandoc oder mit dem gerade in Version 1.4 neu aufgelegten Writer2LaTeX zu LaTeX gelangt.

Für ein Buchprojekt, das mich bis auf weiteres beschäftigt, habe ich mich gerade für die Kombination LibreOffice und Zotero entschieden. Obwohl die Zotero-Extension für LibreOffice auf dem Mac bis auf weiteres nicht tut, was sie soll. Weil noch nicht einmal Drag & Drop in den Writer hinein funktionieren, muß TextEdit als Umweg dienen, was aber nicht weiter schlimm ist, denn die Fundstellen, die auf diese Weise aus Zotero zu exportieren sind, halten sich in sehr engen Grenzen. Als Zitierstil verwende ich eine deutsche Anpassung für Chicago, die ich irgendwann einmal in dem riesigen Fundus im Web via citationstyles.org gefunden hatte. Die Literaturdatenbank von LibreOffice ist übrigens völlig unbrauchbar. Punkt.

Nota bene: LibreOffice 4.4 kann man bedienen, ohne irgendetwas von Input-Encodings und Font-Encodings oder was weiß ich auch immer wissen zu müssen. Die Lösung ist, pardon, gut genug für diesen Zweck, und einen direkten Export nach EPUB gibt es auch, er ist Teil von Writer2XHTML, dem Schwesterprojekt von Writer2LaTeX. Nur eines ist sicher: Am Ende des Projekts wird es ein mit LaTeX gesetztes PDF und ein EPUB geben, und ich werde darüber berichten, was ich dabei erlebt habe, insbesondere im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen mit LaTeX und Co. bei größeren Projekten.

Vorwegschicken kann ich, daß LibreOffice schon jetzt einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt. Nach dem großen Aufräumen, das – in der Fastenzeit muß man es erwähnen – seit Version 4 sogar die beliebten und traditionellen Eastereggs erfaßt hat, und mehreren Umstellungen in der API ist auch immer wieder mal eine praktische Extension auf der Strecke geblieben, weil die Entwickler sie nicht angepaßt haben. Solche Erfahrungen waren schon vor längerem der Grund, mich von Firefox abzuwenden. Bei LibreOffice betraf das zuletzt auch den Wiki Publisher, mit dem man Writer-Dokumente nach MediaWiki exportieren konnte. Er fehlt auf unbestimmte Zeit in der Version für den Mac. Und auch das Vorlagenarchiv wurde kräftig entrümpelt. Höherwertige Vorlagen für LibreOffice findet man derzeit vor allem über die LibreOffice Box, die ehemalige PrOOo-Box.

Natürlich werde ich auch weiter mit LaTeX schreiben. Meine Briefvorlage ist, mit erprobtem Workflow, weiter in Gebrauch und wird, sobald ich Zeit dazu finde, ganz bestimmt auch einmal an das aktuelle KOMA-Script angepaßt. Bis dahin muß ich, wie seit einem guten Jahr schon, mit einer alten Version von KOMA-Script schreiben, denn meine Vorlage funktioniert mit dem aktuellen KOMA nicht mehr, und ich komme einfach nicht dazu, den Fehler zu suchen. An der Stelle möchte ich aber auch gerne bei LaTeX bleiben, denn LibreOffice ist für mich nur ein Tool, um Text einzugeben und in ein bestimmtes Dateiformat zu bringen; der Textsatz überzeugt mich weiterhin gar nicht. Und auch meine Präsentationen erstelle ich natürlich immer noch mit Beamer. – War doch klar, oder? ;)

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | 4 Kommentare

Writer2LaTeX lebt

Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Release von LibreOffice 4 und gut vier Jahre nach der Veröffentlichung von Writer2LaTeX 1.1.5 hat Henrik Just die neue Version 1.2.1 von Writer2LaTeX freigegeben, in der die Dialoge des Exportfilters in der aktuellen Version wieder funktionieren sollen. Die neue Version ist von Sourceforge herunterzuladen. Vorausgesetzt wird mindestens Java 5. Wer es also testen möchte, probiere die neue Version mit einem LibreOffice 4 aus. Extensions für LibreOffice und Apache OpenOffice stehen in den jeweiligen Repositorien derzeit noch nicht bereit, werden der Ankündigung auf Sourceforge zufolge aber sicherlich auch dort bald folgen. So lange muß man aber nicht warten, denn alle Erweiterungen werden über Sourceforge mitverteilt. Die ebenfalls zu empfehlende Ergänzung Writer2xhtml gibt es als separate Extension.

Derzeit setze ich weiterhin LibreOffice 3 ein, weil Writer2LaTeX bisher nicht mit LibO 4 funktionieren wollte. Da ich derzeit mitten in einem laufenden Projekt keine Gelegenheit habe, LibreOffice und Writer2LaTeX upzudaten, kann ich die neue Version leider jetzt nicht ausprobieren, sondern gebe die frohe Kunde nur weiter.

Die nächste Entwicklerversion Writer2LaTeX 1.3.1 alpha ist ebenfalls herunterzuladen. Sie läuft allerdings unter Java 7 und ist, wie jede Alpha-Version, nicht für den produktiven Einsatz geeignet, sondern lädt die Wagemutigen zum Testen ein. Die weitere Roadmap verspricht neue Features. Vorschläge sind willkommen.

Für die Weiterentwicklung seines Exportfilters bin ich Henrik Just sehr dankbar. Er ist ein wichtiges Tool geworden, das LaTeX für die Anwender der Büro-Textverarbeitungen erschließt und uns hilft, Texte aus diesen Formaten zu konvertieren, um sie ordentlich zu setzen.

Der Auszug des Kapitels „Fremdformate umwandeln“ aus der zweiten Auflage von „LaTeX. Das Praxisbuch“ von Elke und Michael Niedermair steht übrigens weiterhin zum Download zur Verfügung. Darin wird der Einsatz von Writer2LaTeX ausführlich und gut nachvollziehbar beschrieben.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten

Zurück zum TeX Catalogue

Zugegeben: Ich habe ein schlechtes Gewissen, denn ich habe mein Baby, den Topic Index zum TeX Catalogue, schon lange vernachlässigt – viel zu lange, denn ich mag ihn ja eigentlich immer noch sehr. Obwohl ihm mit ctan.org schon seit längerem eine starke Konkurrenz erwachsen ist. Die Suchmaschine dort funktioniert eigentlich sehr schön, Gerd Neugebauer hat erst gestern ein Update eingespielt, und natürlich ist sie viel aktueller und mächtiger als meine händisch gepflegte Liste – wenn man die richtigen Begriffe kennt, nach denen man suchen muß. Und das ist oft nicht der Fall. Für einen thematischen Einstieg halte ich deshalb gerade für Benutzer, die Englisch nicht als Muttersprache sprechen – und das dürften die allermeisten sein –, den Catalogue für unverzichtbar. Nicht weil er auf Deutsch wäre, denn das ist bekanntlich nicht der Fall, sondern weil er tatsächlich Themen präsentiert und die ganze Vielfalt der Pakete rund um TeX and Friends im sachlichen Zusammenhang erschließt. Das dürfte nicht nur für Anfänger hilfreich sein, denn bei der CTAN-Suche sind nach wie vor auch immer wieder Pakete unter den Ergebnissen, die aus ganz anderen Bereichen als dem gesuchten stammen. So ist das eben bei einer Volltextsuche ohne Empfehlungssystem im Hintergrund.

Deshalb habe ich damit begonnen, den Topic Index Schritt für Schritt zu aktualisieren – unter anderem mithilfe der Suche des CTAN-Portals. ;) Und das ist durchaus sehr interessant, denn ich war nun schon mehrere Jahre nicht mehr dazu gekommen, Updates einzuarbeiten, so daß da eine Menge liegengeblieben ist. Natürlich weiß ich das, denn ich habe ja kontinuierlich in der DTK über die „Neuen Pakete auf CTAN“ berichtet. Aber ich hatte es nicht geschafft, die neuen Pakete parallel dazu im Catalogue einzupflegen. Außerdem gibt es, wie ich gerade wieder selbst feststellen mußte, immer wieder Pakete, die auf CTAN installiert oder erneuert werden, ohne daß es dazu eine Ankündigung gäbe.

Ich gelobe Besserung, was mein Engagement angeht, und habe mir vorgenommen, mich im neuen Jahr wieder mehr der TeX-Dokumentation zuzuwenden. Nach der Erstellung des neuen Abschnitts über Registerhaltigkeit und Raster mit LaTeX habe ich nun noch die Teile zu Fußnoten, Endnoten und Randnotizen sowie zu BibLaTeX aktualisiert. Es ist ein Anfang.

Jetzt tritt aber erst einmal wieder eine Unterbrechung ein, denn ich bin nach Diktat verreist und verabschiede mich in die Winterpause.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | Ein Kommentar

Eine Einführung zu LuaLaTeX

Wenn man sich in LuaTeX einarbeiten möchte, gibt es außer dem Buch von Herbert Voß weiterhin nur die kleine Einführung von Manuel Péguorié-Gonnard „A Guide to LuaLaTeX“, lualatex-doc. Zu Weihnachten 2011 hatte ich mir vorgenommen, sie auf Deutsch zu übersetzen. Damals war mir aber etwas dazwischengekommen, und so ließ ich es sein, behielt das Vorhaben aber seitdem die ganze Zeit über auf meiner Liste.

Weihnachten 2013 bot sich Gelegenheit zu einem neuen Anlauf. Fünfzehn Seiten auf Deutsch zu übertragen, schien mir diesmal machbar. Dabei hätte ein Aufsatz für die DTK herauskommen können. Ich begann ganz von vorn und schloß das Projekt nach vier Tagen ab – um erst danach zu entdecken, daß mir zwischenzeitlich jemand zuvorgekommen war. Erst als ich vorsorglich im TeX Catalogue nachschaute, ob es noch Pakete gebe, die ich in dem Abschnitt zu LuaTeX im Topic Index ergänzen könnte, stieß ich auf lualatex-doc-de von Christine Römer aus dem vergangenen Sommer. Das Paket war mir entgangen, weil es nicht auf der CTAN-Announce-Mailingliste angekündigt worden war. Deshalb hatte es auch nicht in meine Kolumne zu den „Neuen Paketen auf CTAN“ in der DTK Eingang gefunden.

Sehr schade, also. Die Arbeit hätte ich mir sparen können – und doch nicht, denn jede Übersetzung hat ihre Vorzüge und Schwächen. Deshalb möchte ich meinen Text doch zugänglich machen und habe ihn zwar nicht auf CTAN (denn dort gibt es ja schon ein Paket „lualatex-doc-de“), sondern auf meine private Website gestellt. Dort findet man nun also

Die Übersetzung steht, wie das englische Original, unter der GFDL.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | Ein Kommentar

Kontonummern setzen

Bei meinem Kurs zur Digitalen Typographie an der VHS habe ich für den praktischen Teil zur Detailtypographie unter anderem auf Christoph Biers knappe Einführung typokurz zurückgegriffen, die in ihrer heutigen Fassung vor ziemlich genau vier Jahren aus einer intensiven Diskussion in der Newsgroup de.comp.text.tex hervorgegangen war – die erste Version datiert gar aus dem Jahr 2005 (meine Güte, wie die Zeit vergeht! ;).

Gibt es seitdem Neues? Ja, die Angabe von Kontonummern wird derzeit von dem Schema Kontonummer, Bankleitzahl auf die IBAN-Notation umgestellt, und die Banken haben BIC-Codes erhalten. Wir erinnern uns: Seither war es üblich, Kontonummern von hinten nach vorne in Dreiergruppen zu gliedern, während Bankleitzahlen von vorne nach hinten in Dreiergruppen gegliedert werden – zwischen den Gruppen jeweils ein enger Zwischenraum.

Natürlich wird über IBAN-Nummern und BIC-Codes in den einschlägigen Foren diskutiert, denn sie sind deutlich schwerer handhabbar als die alten Kontonummern und die BLZ. Offenbar sind sie nicht für Menschen gemacht worden, sondern für Computer: Viel zu lang sind sie, so lang, daß man sich sogar Gedanken darüber gemacht hat, ob man sie auf einem Briefbogen trennen dürfe (sic!). Sperrig sind sie, nicht selbsterklärend – mit einem Wort: Sie sind europäisch.

Empfohlen wird derzeit die Gliederung der IBAN in Vierergruppen von vorne. Dabei scheint mir aber ein enger Zwischenraum, wie ich ihn bisher bei Kontonummer/BLZ verwendet hatte, zu eng. Die lange, sperrige Nummer braucht eine stärkere Untergliederung, damit man sie besser erfassen kann, um sie von einer Rechnung abzuschreiben und in ein Überweisungsformular zu übertragen. Der Blick geht mehrfach hin und her, das Auge muß sich dabei an mehreren Punkten sicher orientieren können. Deshalb verwende ich hier ausnahmsweise normal breite Zwischenräume.

Anders als in dem im vorigen Absatz verlinkten Beitrag behauptet, wird der BIC-Code aber üblicherweise nicht getrennt. Es ist einfach ein alphanumerisches Kürzel für die Bank, das aus 8–11 Zeichen besteht.

DE12 3456 7890 1234 5678 90
HELADEF1822

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | Ein Kommentar

KOMA-Script und CTAN

Markus Kohm hat in seinem Blog darauf hingewiesen, daß er die neue Version 3.13 von KOMA-Script, die er am 19. Dezember 2013 veröffentlicht hat, nicht mehr selbst auf CTAN hochladen werde. Das Paket kann weiterhin von BerliOS bezogen werden, wo das Projekt gehostet wird. Dort ist ein TDS.ZIP verfügbar, das direkt in jeden TDS-konformen texmf-Baum entpackt werden kann.

Als Grund für sein Zögern, CTAN weiterhin direkt zu beliefern, nennt Markus Kohm die Wünsche der CTAN-Maintainer und die vielen Nachfragen nach dem letzten Upload. Man möchte dort keine TDS-Archive mehr haben, der „CTAN-Bürokratismus“ habe ihn verdrießlich gemacht, MiKTeX bediene sich direkt auf BerliOS, während TeX Live (und MacTeX) ausschließlich auf CTAN zugriffen.

Sein Blogpost ist die (sehr lesenswerte) Geschichte eines engagierten Entwicklers, der immer zum Support bereitstand. Das kommt auch in der umfangreichen und gehaltvollen Anwenderdokumentation zum Ausdruck. Markus Kohm hatte auch mir zur Veröffentlichung meiner Diss bereitwillig für Fragen zur Verfügung gestanden, und dafür war und bin ich ihm dankbar. Bei der weiten Verbreitung von KOMA-Script ist es zudem gut nachvollziehbar, daß der Support für ihn mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist und daß er überhaupt für Entwicklung und Veröffentlichung einen möglichst effizienten Weg sucht. Das schließt den Upload auf CTAN ein.

Dem Streit geht ein Vorspiel voraus. Schon im Jahr 2008/2009 hatte es ähnliche Meinungsverschiedenheiten gegeben. Es gab auch böses Blut damals, aber die genauen Interna werden in so einem Fall ja nicht vollständig bekannt.

Es sollte aber jedenfalls klar sein, daß KOMA-Script in vielfacher Hinsicht ein Sonderfall ist: Es gibt kaum ein Paket, das so bedeutsam ist für europäische LaTeX-Anwender, und es gibt kaum ein Paket, das so komplex zusammengesetzt ist, was sich auch auf den Installationsprozeß auswirkt.

Es wäre jedenfalls sehr wünschenswert, hier eine Lösung zu finden, denn – nachdem Markus Kohm schon einmal angedeutet hatte, daß er selbst eigentlich keinen Bedarf mehr an einer Weiterentwicklung habe – steht nun die Entwicklung überhaupt für ihn zur Disposition, denn wenn KOMA-Script nur noch auf BerliOS verfügbar wäre, so daß es keine offiziellen Releases mehr gäbe, käme das, da muß ich ihm Recht geben, faktisch einer Einstellung der Entwicklung gleich. Und das wäre ein sehr großer Verlust für LaTeX, der unbedingt vermieden werden sollte.

Update 27. Dezember 2013: Mittlerweile steht die neue Version von KOMA-Script auf CTAN zur Verfügung. Außerdem gibt es ein „neues“ Paket koma-script-obsolete, das die Klassen und Pakete enthält, die schon seit längerem nicht mehr unterstützt werden.

Update 29. Dezember 2013: Markus Kohm hat heute in seinem Blog bekanntgegeben, daß er zur Verteilung von KOMA-Script testweise ein experimentelles TeX-Live-Repositorium anbietet. Die Verwendung erfolgt ausdrücklich auf eigene Gefahr. Hintergrund ist, daß TeX Live über mehrere Repositories aktuell gehalten werden kann. Dagegen spricht erst einmal natürlich nichts, denn das ist eine elegante Lösung, um das zentrale Update via CTAN zu umgehen und selbständig Releases veröffentlichen zu können, die über den gewohnten TeX-Live-Manager tlmgr eingespielt werden können. Mir persönlich würde aber das Entpacken des TDS.ZIP-Archivs in meinen lokalen texmf-Baum völlig ausreichen, zumal ich sowieso nur etwa alle drei Monate Updates von MacTeX fahre.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten

Registerhaltigkeit und Raster mit LaTeX

Beim zweiten Durchlauf meines Kurses zur Digitalen Typographie an der VHS Frankfurt am Main habe ich endlich einmal Gelegenheit gefunden, mich etwas mit dem Thema „Gestaltungsraster und LaTeX“ zu beschäftigen.

Natürlich kann man das ignorieren und ganz formidabel mit LaTeX arbeiten, ohne sich um die allgegenwärtigen Raster in unseren Büchern und Zeitschriften zu kümmern. Registerhaltigkeit ist modern und man hat sich an sie gewöhnt, sie ist aber bis heute mit LaTeX kaum zu erreichen. Sie ist m. E. allerdings auch nicht unbedingt anzustreben. Wenn man die zweispaltig gesetzten juristischen Fachzeitschriften des Erich Schmidt Verlags und des Verlags C. H. Beck miteinander vergleicht, zeigt sich, daß man auch eine Bleiwüste mit vielen Zwischenüberschriften und noch viel mehr Fußnoten sehr gut ohne Einhaltung eines Grundlinien- oder sonstigen Rasters setzen kann. C. H. Beck verfährt so. Auf mich wirkt das lebendiger. Die über vier Spalten ausgebreitete Präzision bei der Plazierung von Zeilen, Bildern und Tabellen wirkt leicht etwas tot und erscheint mir eher einfallslos und mechanisch, technokratisch, starr.

Und trotzdem vermisse ich ein Raster bzw. Registerhaltigkeit auch beim Arbeiten mit LaTeX manchmal, seitdem ich Scribus und sein Vorbild Adobe InDesign näher kennengelernt habe. Es gibt Aufgaben, die ich derzeit nicht ohne weiteres mit LaTeX angehen würde, weil ich dazu lieber ein Raster im Hintergrund habe, auf das bezogen ich Rahmen plazieren und anschließend mit Text und Bildern füllen kann. Und ConTeXt, das oft als Alternative zu LaTeX für den registerhaltigen Satz genannt wird, erscheint mir wegen der Einarbeitung eher als Overkill.

In einem neuen Abschnitt im Topic Index zum TeX Catalogue habe ich einige Pakete zusammengetragen, die so ein grid ermöglichen oder unterstützen sollen – entweder indem sie die Positionierung von Text oder Grafik auf dem Blatt innerhalb eines Koordinatensystems ermöglichen oder indem sie sonst Raster als Hilfen zur Orientierung auf der Seite oder – allgemeiner – bei Kolumnen bereitstellen. Sie lohnen ganz sicherlich einen kritischen Blick, und ich werde sie mir in den nächsten Monaten näher anschauen.

Mein Typographie-Kurs an der VHS Frankfurt ist übrigens sehr frei angelegt und damit unabhängig von der Software. LaTeX wird neben den gängigen Textverarbeitungen und DTP-Lösungen berücksichtigt. TeX steht auf den Rechnern im Schulungsraum bisher leider nicht zur Verfügung. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten privat und beruflich mit den kommerziellen Programmen, so daß etwa eine Demonstration mit LibreOffice für sie oft der erste Kontakt mit freier Software überhaupt ist. Die meisten reagieren darauf mit neugierigen Fragen, und natürlich wäre es schön, dem einen oder der anderen den Blick zu weiten nicht nur für die Typographie, sondern auch für hochwertige Alternativen zu Microsoft und Adobe. Die nächsten Termine für den Kurs sind Ende März/Anfang April und Ende Juni 2014.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | 2 Kommentare

TeX im Jahr 2013

Dreimal Blitzlicht auf die TeX-Szene am Ende des Jahres 2013:

Auf der Mac-OS-X-Liste diskutiert man heute über TeX auf dem iPad. Es gebe da eine App, die sich aber noch in Entwicklung befinde, heißt es aus berufenem Munde. Sie funktioniere mit einer externen Tastatur, wenn es auch keine Shortcuts gebe, uns im übrigen gelte: Well, it needed some memory increase to get the german lshort compiled, but the author answers questions and will make reasonable modifications on request. Nun kann man sich fragen, was jemand dazu bringe, mit dem iPad zu teXen, denn das ist – ohne Tastatur! – eine Hardware, die gerade nicht zum Schreiben, nicht zum Arbeiten, nicht zum Erstellen von Inhalten, also nicht für den kreativen Einsatz bei Texten, sondern zum bloßen Konsumieren der App Stores konzipiert worden ist. Das ist auch der Grund, weshalb ich mit Tablets nichts anfangen kann. Aber man sieht immerhin, daß TeX hier – ebenso wie im Bereich des E-Publishing – hinter der übrigen Entwicklung ganz offenbar hinterherhinkt, denn der Bedarf bei den Benutzern ist durchaus vorhanden, aber die Programme sind nicht da. Daran hat sich seit 2011 nichts geändert. Und auch wenn Tablets nur etwa zehn Prozent der Benutzer betrifft: TeX ist auf den mobilen Plattformen so gut wie abwesend, sonst gäbe es solche Diskussionen nicht.

Die (englische) zweite Auflage des LaTeX-Begleiters ist vor kurzem als E-Book erschienen. Clemens Niederberger hat eine gehaltvolle Rezension dazu geschrieben. Wenn man bedenkt, daß schon einige gestandene LaTeX-Benutzer aufgegeben haben bei dem Versuch, ihre Quellen mit vertretbarem Aufwand nach EPUB zu konvertieren, muß es eine Aufgabe von geradezu herkulischem Ausmaß gewesen sein, das bei den komplexen Quellen des LaTeX-Begleiters zu bewerkstelligen, denn Pearson (man erinnert sich: der Verlag, der zu Anfang des Jahres aus dem IT-Bereich weitestgehend ausgestiegen war) bietet das Buch als Bundle in den DRM-freien Formaten PDF und EPUB sowie als MOBI gleichzeitig an. Bis zum Januar 2014 beträgt der Preis mit dem Code LATEXT2013 US$ 14,99, danach US$ 29,99. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen, es ist für mich persönlich aber nur ein nice to have neben dem schön gesetzten Buch-Buch zum Nachschlagen beim Arbeiten. Diese Neuausgabe war ganz sicherlich das literarische Ereignis zum Abschluß des TeX-Jahrs 2013, aber außerhalb der Blogs, der Webforen und der gerade in der Auslieferung befindlichen TeXnischen Komödie fand es keinerlei Resonanz in den Medien, auch nicht in dem Teil der Presse, der sich bisher immer mal wieder für TeX erwärmen konnte.

„Die TeX-Entwicklung ist schneller geworden“, schrieb mir ein Kollege, als ich ihn auf das besagte E-Book hinwies. Und in den Kommentaren zur Besprechung des LC2 als E-Book hieß es: „Es wäre aber noch besser gewesen, wenn man diese Einrichtung mit einer Überarbeitung verbunden hätte. Es ist m.E. nämlich nicht so, dass sich in den letzten Jahren, da nichts verändert hat. In meiner deutschen Ausgabe ‚Der LaTeX Begleiter‘ wird beispielsweise bibtex breit dargestellt. Es ist ja nun durch biblatex weitgehend obsolet geworden.“ Ist das wirklich so? Ich gebe es zu: Ich habe immer mal wieder damit gespielt, aber ich habe letztlich keine der neueren Entwicklungen aus den letzten sechs, sieben Jahren in meinen persönlichen Workflow übernommen. Weder XeTeX noch LuaTeX haben Fragen beantwortet, die ich gestellt hatte. Ich brauche sie nicht. Latin1 reicht mir als Kodierung für meine Texte weiterhin völlig aus. Und ich bin auch BibTeX treu geblieben, wenn ich es denn mal brauche. Geht es nur mir so? Auch an anderen Stellen sehe ich eine gewisse Zielerreichung. Markus Kohm etwa schrieb im Juli in seinem Blog, es gebe nun schon seit über einem Jahr keine neue Version mehr von KOMA-Script, weil er selbst dafür keinen Bedarf mehr habe. (La)TeX hat einen gewissen Stand der Entwicklung erreicht, und auch seine Benutzer haben ihren Weg gefunden, damit zu arbeiten. Man richtet sich ein, und es ist gut so. Es funktioniert ja auch praktisch alles. Ist der LaTeX-Begleiter also „veraltet“? Alles, was er enthält, ist weiterhin auch für diejenigen, die XeTeX oder LuaTeX benutzen, relevant. Und BibTeX ist ein stabiles Werkzeug, wenn auch die weitere Entwicklung von BiblaTeX (idealerweise mit Biber zu verwenden) nach einer Zeit der Ungewißheit seit 2012 gesichert scheint. Von dem ursprünglichen Entwickler des Pakets Philipp Lehman fehlt leider offenbar weiter jede Spur.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten | 5 Kommentare

MediaWiki to LaTeX

Dirk Hünniger hat am 18. November 2013 auf der Mailingliste TeX-D-L seinen neuen Online-Konverter mediawiki2latex angekündigt, mit dem man sich Wikipedia-Artikel direkt als ein schön gesetztes PDF ausgegeben lassen kann. Im Hintergrund arbeitet das Textsatzsystem LaTeX, das PDF wird mithilfe des Treibers xdvipdfmx erzeugt. So wird aus jedem Wikipedia-Artikel ein sorgsam gesetztes Paper einschließlich Inhaltsverzeichnis, Autorenliste und GNU-Lizenztexten – eine Alternative zur Buchfunktion, die auf den Wikimedia-Projekten seit längerem bereitsteht. Der Benutzer hat schon für zahlreiche Bücher auf Wikibooks PDF-Versionen zum Download erstellt, die dort lokal verfügbar sind.

Zuerst in: Wikipedia:Kurier, 18. November 2013.

Veröffentlicht unter Neuigkeiten