Die Zukunft von Aquamacs

David Reitter hat auf Nachfrage Auskunft über die weitere Entwicklung von Aquamacs gegeben, der – seit der Einstellung von Carbon Emacs – einzigen zurzeit verfügbaren Emacs-Distribution für den Mac. Aquamacs enthält viele nützliche zusätzliche Pakete, unter anderem auch AUCTeX, und wurde weitgehend an die Bedienoberfläche von OS X angepaßt, was sicherlich nicht jedermanns Zustimmung gefunden hat – mit einigen Befehlen in der .emacs wird daraus aber wieder ein ziemlich normaler Emacs. So war der Aquamacs nach meinem sehr kurzfristig erzwungenen Umzug auf einen neuen Mac vor einem Jahr trotz des kryptischen Lisp-Codes tatsächlich dasjenige Programm, das am schnellsten von allen für den produktiven Einsatz zu konfigurieren war.

Der letzte Release von Aquamacs datiert weiterhin vom November 2014, so daß sich die Frage stellte, ob die Distribution noch aktiv weiterentwickelt werde. David Reitters Auskunft ist vor allem deswegen interessant, weil sie einen Einblick in die Perspektiven und in die Größenordnung gibt, in der ein freies Softwareprojekt wie Aquamacs im Bereich TeX derzeit zu betreiben ist.

David Reitter schreibt, Aquamacs habe heute etwa 14.000 Benutzer. Auch wenn Spenden für Aquamacs nach wie vor sehr willkommen seien, werde ein so kleines Projekt doch niemals aus den damit zu erzielenden Einnahmen je einen Software-Entwickler bezahlen können, um es wesentlich voranzubringen – denn dafür wären etwa 140.000 US-Dollar pro Jahr zu veranschlagen. Es sei auch nicht ganz einfach, einen wohlgesonnenen Entwickler zu finden, der mit dem Mac, mit dem Emacs, mit C und Lisp gleichermaßen vertraut wäre. Die zukünftige Finanzierung von Aquamacs sehe er daher am ehesten in einer Weiterführung als Forschungsprojekt und in der Förderung durch wissenschaftliche oder sonstige Stiftungen. Eine Schlußfolgerung, die übrigens nicht weiter überraschend ist, denn auch die hier wiedergegebene Diskussion trug sich unter Wissenschaftlern zu, wie die E-Mail-Signaturen zeigen. Eine Anbindung des Projekts an den akademischen Betrieb, wo auch LaTeX weiterhin am meisten eingesetzt wird, ist daher naheliegend.

Neuerungen bei Emacs seien seit dem letzten Release nicht mehr in Aquamacs eingearbeitet worden, weil Emacs seine Git-Codebase geändert habe. Trotz vielfacher Hilfe durch Eric S. Raymond, sei es bisher aber noch nicht möglich gewesen, die Aquamacs-History zu übertragen, die nach Möglichkeit erhalten bleiben solle.

Wer Aquamacs unterstützen möchte, kann das per Kreditkarte, Paypal, Banküberweisung oder in Form von Bitcoin tun.

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