Emacs, LaTeX, LibreOffice und Zotero

Emacs ist ein Projekt, das sich, wie man so sagt, „in aktiver Entwicklung befindet“. In meinem Fall, auf dem Mac, ist es der Aquamacs, der mit etwas Hilfe aus dem EmacsWiki schnell an die Gepflogenheiten von GNU Emacs angepaßt werden kann. Von allen Programmen, die ich beim Neuaufbau meines Systems vergangenen Oktober installiert habe, war der Aquamacs derjenige, der am schnellsten einsatzbereit war. Man darf gespannt sein, ob die Anstöße von Eric S. Raymond für ein neues Interface für die Online-Hilfe und die Dokumentation von Emacs fruchten werden – ich glaube es nicht wirklich, denn die Gemeinde wirkt auf mich am Ende zu „beharrlich“.

Langfristig frage ich mich natürlich, wie es weitergeht mit dem Schreiben auf dem Mac. Nachdem mein Workflow seit 2000 ganz auf Emacs plus LaTeX eingestellt war, waren mir erste Zweifel an der Zukunftsfähigkeit dieser Lösung gekommen, als selbst der Linux-Fanboy Michael Kofler sich 2013 von LaTeX abgewandt hatte. Auch wenn derzeit viel experimentiert wird, was die Konvertierung von LaTeX nach EPUB und anderen Web- und Reader-Formaten angeht, so zeigt sich doch immer mehr, daß LaTeX von einem Austausch- zu einem Zielformat geworden ist. Man konvertiert nach LaTeX, um einen Text schließlich für die Ausgabe in ein PDF sauber zu setzen. Dabei kann dann auch gezaubert werden, was das Layout angeht. Aber man schreibt einen Text zunehmend in Formaten wie Markdown oder – wenn es kein reiner Texteditor sein soll – in LibreOffice, das mit ODT ein flexibles XML-Format nativ ausgibt, aus dem man dann entweder mit Pandoc oder mit dem gerade in Version 1.4 neu aufgelegten Writer2LaTeX zu LaTeX gelangt.

Für ein Buchprojekt, das mich bis auf weiteres beschäftigt, habe ich mich gerade für die Kombination LibreOffice und Zotero entschieden. Obwohl die Zotero-Extension für LibreOffice auf dem Mac bis auf weiteres nicht tut, was sie soll. Weil noch nicht einmal Drag & Drop in den Writer hinein funktionieren, muß TextEdit als Umweg dienen, was aber nicht weiter schlimm ist, denn die Fundstellen, die auf diese Weise aus Zotero zu exportieren sind, halten sich in sehr engen Grenzen. Als Zitierstil verwende ich eine deutsche Anpassung für Chicago, die ich irgendwann einmal in dem riesigen Fundus im Web via citationstyles.org gefunden hatte. Die Literaturdatenbank von LibreOffice ist übrigens völlig unbrauchbar. Punkt.

Nota bene: LibreOffice 4.4 kann man bedienen, ohne irgendetwas von Input-Encodings und Font-Encodings oder was weiß ich auch immer wissen zu müssen. Die Lösung ist, pardon, gut genug für diesen Zweck, und einen direkten Export nach EPUB gibt es auch, er ist Teil von Writer2XHTML, dem Schwesterprojekt von Writer2LaTeX. Nur eines ist sicher: Am Ende des Projekts wird es ein mit LaTeX gesetztes PDF und ein EPUB geben, und ich werde darüber berichten, was ich dabei erlebt habe, insbesondere im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen mit LaTeX und Co. bei größeren Projekten.

Vorwegschicken kann ich, daß LibreOffice schon jetzt einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt. Nach dem großen Aufräumen, das – in der Fastenzeit muß man es erwähnen – seit Version 4 sogar die beliebten und traditionellen Eastereggs erfaßt hat, und mehreren Umstellungen in der API ist auch immer wieder mal eine praktische Extension auf der Strecke geblieben, weil die Entwickler sie nicht angepaßt haben. Solche Erfahrungen waren schon vor längerem der Grund, mich von Firefox abzuwenden. Bei LibreOffice betraf das zuletzt auch den Wiki Publisher, mit dem man Writer-Dokumente nach MediaWiki exportieren konnte. Er fehlt auf unbestimmte Zeit in der Version für den Mac. Und auch das Vorlagenarchiv wurde kräftig entrümpelt. Höherwertige Vorlagen für LibreOffice findet man derzeit vor allem über die LibreOffice Box, die ehemalige PrOOo-Box.

Natürlich werde ich auch weiter mit LaTeX schreiben. Meine Briefvorlage ist, mit erprobtem Workflow, weiter in Gebrauch und wird, sobald ich Zeit dazu finde, ganz bestimmt auch einmal an das aktuelle KOMA-Script angepaßt. Bis dahin muß ich, wie seit einem guten Jahr schon, mit einer alten Version von KOMA-Script schreiben, denn meine Vorlage funktioniert mit dem aktuellen KOMA nicht mehr, und ich komme einfach nicht dazu, den Fehler zu suchen. An der Stelle möchte ich aber auch gerne bei LaTeX bleiben, denn LibreOffice ist für mich nur ein Tool, um Text einzugeben und in ein bestimmtes Dateiformat zu bringen; der Textsatz überzeugt mich weiterhin gar nicht. Und auch meine Präsentationen erstelle ich natürlich immer noch mit Beamer. – War doch klar, oder? ;)

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4 Antworten zu Emacs, LaTeX, LibreOffice und Zotero

  1. Axel Berger schreibt:

    >Aber man schreibt einen Text zunehmend in […] LibreOffice, das mit ODT ein flexibles XML-Format nativ ausgibt, aus dem man dann [mit] Writer2LaTeX zu LaTeX gelangt.

    Dem kann ich in keiner Weise folgen. Es mag gehen, wenn der Text diszipliniert und sauber strukturiert erstellt wurde, aber dafür ist die Ergonomie in OO schauderhaft und es wäre sehr viel einfacher, Markdown oder HTML o.ä. zu verwenden. Aus allen real vorkommenden Officedokumenten, die mir bisher unterkamen, macht Writer2LaTeX einen fürchterlichen und gänzlich unbrauchbaren Wust. Für mich führt der einzige in endlicher Zeit gangbare Weg zum sauberen LaTeX ausschließlich über den nackten ASCII-Export.
    So ganz nebenbei macht der Export aus Officeformaten die unsichtbaren Reste früherer Editunfälle sichtbar. Das bedeutet dann zum Beispiel, daß rund 97 % des Textes in ganz viele „\textcolor[rgb]{0.06666667,0.06666667,0.06666667}{}“ geklammert sind, der kleine Rest in „\textcolor{black}{}“. Will man das?

  2. schneeschmelze schreibt:

    Nein, natürlich will man das nicht. Du solltest bei Gelegenheit mal die Doku zu Writer2LaTeX lesen und das Config-Fenster benutzen oder w2l auf der Kommandozeile verwenden. Das Stichwort lautet „sehr aufgeräumter Artikel“ bzw. ultraclean… oder Du verwendest Pandoc… es bleibt ja jedem vorbehalten, wie er LaTeX als Backend zum Setzen verwendet. Die Frage ist eher, ob man auch schon den Text selbst in LaTeX eingibt. Ich arbeite mit Textwüsten mit ganz vielen Fußnoten, das alles ist mit Überschriften gegliedert. Keine Abbildungen, keine Tabellen, keine Formeln, ganz wenige Querverweise. Natürlich wäre Markdown direkt auch eine Lösung, aber mir gefällt der Markdown Mode in Emacs nicht. Ich mache das jetzt mal so, und ich bin gespannt, was ich dabei erlebe.

  3. Knut schreibt:

    Nur für die Vollständigkeit der erwähnten Eingabeformate: In Emacs ist der Org-Mode eines der besten Werkzeuge, um strukturierte Texte zu verfassen. Weiterverarbeitung mit Pandoc oder über die Org-eigene Exportfunktion ist in eine recht große Menge an Ausgabeformaten möglich.

  4. schneeschmelze schreibt:

    Das ist richtig. Ich kenne auch den Org-mode und verwende ihn gelegentlich seit etwa 2011/2012, würde aber keine längeren Texte damit schreiben, zumal wenn sie viele Fußnoten enthalten… Mit StarOffice/OOo/LibO arbeite ich genauso lange wie mit LaTeX, ich hatte auch mal eine Weile im OpenOffice.org-Projekt mitgearbeitet.

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