Registerhaltigkeit und Raster mit LaTeX

Beim zweiten Durchlauf meines Kurses zur Digitalen Typographie an der VHS Frankfurt am Main habe ich endlich einmal Gelegenheit gefunden, mich etwas mit dem Thema „Gestaltungsraster und LaTeX“ zu beschäftigen.

Natürlich kann man das ignorieren und ganz formidabel mit LaTeX arbeiten, ohne sich um die allgegenwärtigen Raster in unseren Büchern und Zeitschriften zu kümmern. Registerhaltigkeit ist modern und man hat sich an sie gewöhnt, sie ist aber bis heute mit LaTeX kaum zu erreichen. Sie ist m. E. allerdings auch nicht unbedingt anzustreben. Wenn man die zweispaltig gesetzten juristischen Fachzeitschriften des Erich Schmidt Verlags und des Verlags C. H. Beck miteinander vergleicht, zeigt sich, daß man auch eine Bleiwüste mit vielen Zwischenüberschriften und noch viel mehr Fußnoten sehr gut ohne Einhaltung eines Grundlinien- oder sonstigen Rasters setzen kann. C. H. Beck verfährt so. Auf mich wirkt das lebendiger. Die über vier Spalten ausgebreitete Präzision bei der Plazierung von Zeilen, Bildern und Tabellen wirkt leicht etwas tot und erscheint mir eher einfallslos und mechanisch, technokratisch, starr.

Und trotzdem vermisse ich ein Raster bzw. Registerhaltigkeit auch beim Arbeiten mit LaTeX manchmal, seitdem ich Scribus und sein Vorbild Adobe InDesign näher kennengelernt habe. Es gibt Aufgaben, die ich derzeit nicht ohne weiteres mit LaTeX angehen würde, weil ich dazu lieber ein Raster im Hintergrund habe, auf das bezogen ich Rahmen plazieren und anschließend mit Text und Bildern füllen kann. Und ConTeXt, das oft als Alternative zu LaTeX für den registerhaltigen Satz genannt wird, erscheint mir wegen der Einarbeitung eher als Overkill.

In einem neuen Abschnitt im Topic Index zum TeX Catalogue habe ich einige Pakete zusammengetragen, die so ein grid ermöglichen oder unterstützen sollen – entweder indem sie die Positionierung von Text oder Grafik auf dem Blatt innerhalb eines Koordinatensystems ermöglichen oder indem sie sonst Raster als Hilfen zur Orientierung auf der Seite oder – allgemeiner – bei Kolumnen bereitstellen. Sie lohnen ganz sicherlich einen kritischen Blick, und ich werde sie mir in den nächsten Monaten näher anschauen.

Mein Typographie-Kurs an der VHS Frankfurt ist übrigens sehr frei angelegt und damit unabhängig von der Software. LaTeX wird neben den gängigen Textverarbeitungen und DTP-Lösungen berücksichtigt. TeX steht auf den Rechnern im Schulungsraum bisher leider nicht zur Verfügung. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten privat und beruflich mit den kommerziellen Programmen, so daß etwa eine Demonstration mit LibreOffice für sie oft der erste Kontakt mit freier Software überhaupt ist. Die meisten reagieren darauf mit neugierigen Fragen, und natürlich wäre es schön, dem einen oder der anderen den Blick zu weiten nicht nur für die Typographie, sondern auch für hochwertige Alternativen zu Microsoft und Adobe. Die nächsten Termine für den Kurs sind Ende März/Anfang April und Ende Juni 2014.

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2 Antworten zu Registerhaltigkeit und Raster mit LaTeX

  1. Rayman schreibt:

    Danke für den Artikel. Ich finde es toll, dass das Thema Typografie bei Textverarbeitung/Satz im Allgemeinen und Registerhaltigkeit mit LaTeX im Speziellen mal jemand aufgreift. Zur Zeit habe ich nicht viel mit LaTeX zu tun aber irgendwann könnte das mal wieder interessant werden und dann wäre Registerhaltigkeit schon eine tolle Sache.

    Ansonsten wünsche ich noch frohe Weihnachten!

  2. schneeschmelze schreibt:

    Danke sehr, und gleichfalls frohe Feiertage!

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