MiKTeX 2.8, TeX Live 2009, TeXworks, Carbon Emacs Summer 2009, Kile 2.1 beta 2, LyX 1.6.4.1, Scribus 1.3.5.1, OpenOffice.org 3.1.1, OpenDocument, TeX4ht, LuaTeX 0.43.0, l2tabu 2.0, DTK 3/2009, Bücher, Tagungen, Vorträge

In den vergangenen vier Wochen, die seit dem letzten Blog-Beitrag vergangen sind, herrschte weiterhin spätsommerliche Stimmung in der TeX-Gemeinde. Während sich die Anwender von TeX Live noch ein wenig bis zum bevorstehenden Release werden gedulden müssen, veröffentlichte Christian Schenk zwischenzeitlich (leider ohne Hinweis in seinem Blog) schon die Version 2.8 der TeX-Distribution MiKTeX. Für die Nachricht bedanke ich mich bei Joseph Wright. MiKTeX 2.8 kann auf allen Microsoft-Windows-Plattformen seit Windows 2000 bis einschließlich Windows 7 eingesetzt werden. Neu ist unter anderem, daß \write18, ein Befehl, der dazu dient, andere Programme aus TeX heraus zu starten, nun bei einigen Programmen, die MiKTeX bekannt sind, aktiviert („enabled“) ist. Beim Aufruf anderer Befehle ist \write18 weiterhin deaktiviert. Bei einer Installation mit der Option --no-registry erzeugt MiKTeX 2.8 keine Einträge in der berüchtigten Windows-Registry, sondern legt eine eigene Konfigurationsdatei an. Dadurch soll die Installation auf Mehrbenutzersystemen oder im Netzwerk erleichtert werden. Und, wie schon vorher durchgesickert war, wird diesmal auch der neue Editor TeXworks in einer Version mitgeliefert, die speziell für MiKTeX angepaßt worden ist. Zur Erinnerung: Bei TeXworks handelt es sich um einen kombinierten TeX-Editor und -Previewer, der auf den Spuren des bewährten TeXShop für Mac OS X von Richard Koch wandelt. Im Unterschied zu diesem ist TeXworks aber plattformunabhängig angelegt. Er soll vor allem Anfängern den Einstieg in das Arbeiten mit TeX, LaTeX und ConTeXt erleichtern.

Auch von zwei weiteren TeX-Editoren gibt es Neues zu berichten: Seiji Zenitani hat das schon angekündigte minor update seines Carbon Emacs für den Apple Macintosh mittlerweile auf der Projekt-Homepage veröffentlicht. Es handelt sich wegen der bekannten Probleme mit Emacs 23.1 noch einmal um einen Port, der auf Emacs 22.3.1 beruht, und es wurden vor allem viele der zahlreichen Zusatzpakete aktualisiert. Außerdem funktionieren einige Features aus meiner schon etwas älteren .emacs nun wieder. Ich möchte der Ursache hierfür – nicht nur aus Zeitgründen – nicht weiter nachgehen, sondern freue mich schlicht darüber.

Der Editor Kile für den KDE-Desktop ist mittlerweile ebenfalls in einer neuen Beta-Version 2.1 beta 2 erschienen, die allerdings, wie der Name schon sagt, nicht für den produktiven Einsatz gedacht ist.

Und auch von dem LaTeX-Frontend LyX gibt es eine neue Version. Aktueller Stand der Entwicklung ist nun LyX 1.6.4.1, und die Liste der neuen Features und Updates liest sich durchaus interessant: Insbesondere wurde der (verbesserungswürdige) LaTeX-Import mittels tex2lyx überarbeitet; und die Bedienoberfläche unterstützt nun auch die Eingabe chemischer Formeln mithilfe des Pakets mhchem. Es wurden auch viele Bugs behoben.

Von dem DTP-Programm Scribus, das neuerdings LaTeX-Quelltext rendern kann. gibt es ebenfalls eine neue Version: 1.3.5.1.

Und, last, but not least, OpenOffice.org 3.1.1 ist veröffentlicht worden, ein Bugfix-Release zu OOo 3.1.0. Leider konnte die deutsche Version für Apple Macintosh nicht gleichzeitig mit den Builds für Microsoft Windows und Linux veröffentlicht werden, weil sich bis zum Release-Zeitpunkt kein Tester für diese Plattform gefunden hatte. Die Tests für die lokalisierte Ausgabe konnten dann aber noch innerhalb weniger Tage nachgeholt und abgeschlossen werden. Bis dahin standen die RCs und die englischsprachige Fassung auf den Servern zur Verfügung, die von den Entwicklern bei Sun selbst getestet und freigegeben wird – ein Zeichen dafür, daß die Unterstützung der deutschsprachigen Macintosh-Community für das OpenOffice.org-Projekt anscheinend zu wünschen übrigläßt. Wer bei der QA mithelfen möchte, melde sich bitte auf der de-dev-Mailingliste des OOo-Projekts.

Bemerkenswert erscheint, daß sich IBM nunmehr von Microsoft Office abgewandt hat und intern auf seine eigene Bürosoftware Lotus Symphony, die auf OpenOffice.org 1.2 basiert, sowie auf das OpenDocument-Format umstellt, was als ein großer Erfolg für ODF zu werten ist, weil IBM eine Vorreiterfunktion im Markt zukommt, die wahrscheinlich viele Nachahmer nach sich ziehen dürfte. Lotus Symphony steht übrigens zum freien Download für diverse Plattformen bei IBM bereit. MS Windows wird dort an letzter Stelle genannt.

Die wichtigste Brücke zwischen LaTeX und dem Dateiformat ODT ist, natürlich, der Konverter TeX4ht, der nach dem Tod Eitan M. Guraris, wie bereits berichtet, von Radhakrishnan CV weitergepflegt wird. Das Projekt hat mittlerweile eine neue Homepage bei der TeX Users Group erhalten. Dort hat nun auch das Online-Manual seine neue Heimat gefunden. Der Quelltext wird auf Gna.org gehostet, und es gibt auch eine eigene Mailingliste für das Projekt.

Eine weitere Baustelle, die langsam Formen annimmt, ist – natürlich – LuaTeX, das mittlerweile bei Version 0.43.0 angekommen ist.

Marc Ensenbach hat Mark Trettins „LaTeX2e-Sündenregister“ l2tabu überarbeitet. Leider kann ich die neue Version 2.0 bis auf weiteres nicht mit der vorhergehenden Fassung unmittelbar vergleichen, da ich von dieser keine lokale Kopie zurückbehalten hatte. Weil das optische Laufwerk meines Rechners derzeit kaputt ist, kann ich dazu auch nicht auf eine ältere TeX Collection zurückgreifen. Deshalb bleibt mir nur der Vergleich mit meiner englischen Übersetzung … Demnach hat es Änderungen an folgenden Stellen gegeben:

  • In Abschnitt 1.8 wird empfohlen, vor der Verwendung von \sloppy zunächst die Laufweite der Schrift mithilfe des Pakets microtype zu ändern, um einen anderen (möglicherweise: besseren) Umbruch zu erhalten.
  • Unter 2.2.5 wird das Paket caption in einer Version ab dem 20. 12. 2003 empfohlen, während ich in meiner Übersetzung geschrieben hatte, nur Versionen einzusetzen, die nach dem 16. 7. 2004 fertiggestellt worden waren. Die Differenz kann dahingestellt bleiben, da es zwischenzeitlich wieder eine neue Fassung vom August 2008 gegeben hat.
  • Unter 2.2.6 wurde UTF-8 in die Liste der Eingabekodierungen aufgenommen. Deshalb entfiel der Tip zu UTF-8 in der Fußnote für Mac-Anwender. Daneben erfolgt neu der Hinweis, XeLaTeX benötige keine explizite Angabe der Eingabekodierung, weil und sofern damit Unicode-kodierte Texte verarbeitet werden.
  • In Abschnitt 2.2.8 wird nunmehr dazu geraten, den Bibliographiestil natdin in einer aktuellen Version zu verwenden und nicht, wie in früheren Fassungen von l2tabu, auf dinat auszuweichen. Zum Hintergrund vgl. einen früheren Blog-Beitrag.
  • In dem Abschnitt 2.3 zu „Schriften“ wird nun allgemein ein Skalierungsfaktor von 0.92 beim Einsatz von Helvetica genannt, bei Verwendung zusammen mit Palatino: 0.95.
  • In dem Abschnitt zum Mathematiksatz wurde eine Demonstration zu eqnarry* und align* hinzugefügt.
  • Leider wird unter 3.4 weiterhin behauptet, Pfade würden auf dem Mac mit Doppelpunkten notiert. Das mag unter früheren Versionsn von Mac OS der Fall gewesen sein. Unter Mac OS X ist aber – wie unter anderen Unices – der forward slash der richtige Verzeichnistrenner.

Insgesamt ist l2tabu ganz sicherlich auch weiterhin eine hilfreiche LaTeX-Stilfibel, die für mehr Durchblick bei der Vielzahl an älteren und neueren Paketen verhilft. Auch das Layout wurde etwas frischer gestaltet, u. a. durch die Umstellung der verwendeten Schriften. Hoffentlich kann ich bald eine Überarbeitung der englischen Übersetzung nachreichen.

Zum Schluß ein Blick zu den TeX-Anwendergruppen.

Vor einiger Zeit schon war die Ausgabe 3/2009 der DTK an die DANTE-Mitglieder versandt worden. Darin findet man u. a. einen umfangreichereren Beitrag von Christine Römer, in dem mehrere Pakete zum Setzen linguistischer Arbeiten vorgestellt werden, sowie ein Beitrag von mir zu den Neuerungen beim LaTeX-Export aus OpenOffice.org 3.1, über die ich ja schon mehrfach auch in diesem Blog geschrieben hatte. Herbert Voß bespricht die dritte Auflage (2008) von Dalheimer/Günther, „LaTeX: kurz & gut“ aus dem Verlag O’Reilly.

Übrigens ist Herbert Voß‘ neues Buch „Präsentationen mit LaTeX“ mittlerweile in der Edition DANTE erschienen.

Die Website von DANTE ist übrigens nach längeren Vorarbeiten nunmehr vollständig überarbeitet worden.

Einige der Vorträge, die bei der Herbsttagung von DANTE am 11. und 12. September in Esslingen gehalten worden sind, stehen zum Herunterladen bereit.

Auf der gerade durchgeführten EuroTeX 2009 hatte Jonathan Fine einen Vortrag zum Thema „TeX: Rejoining the Mainstream“ gehalten. Seine Thesen hatte er vorab auf der Liste des LaTeX3-Projekts zur Diskussion gestellt. Jonathan Fine äußert sich insbesondere kritisch über LuaTeX, das er für einen „großen Fehler“ hält. Für die meisten Anwender sei XeTeX ausreichend. Der Vorsitzende der UK-TUG wünscht sich vor allem eine umfangreichere und stark verbesserte Online-Dokumentation, die er in der derzeitigen Form für unzureichend hält – was sicherlich nicht ganz unzutreffend ist. Seine Thesen wurden auf der LaTeX-3-Mailingliste durchaus kontrovers aufgenommen. Sein Vortrag auf der Tagung sei auf „weitgehende Zustimmung“ gestoßen.

Die TeX Users Group hat bekanntgegeben, daß die bisher veröffentlichten Interviews aus der TUG Interview Corner nun auch als Buch erhältlich seien. Außerdem werde die Tagung TUG 2009 vom 28.–30. Juni 2010 in San Francisco stattfinden. Zur Feier des 32. Geburtstags von TeX werde auch Donald E. Knuth hieran teilnehmen. Schließlich liegt Stanford, wie Amerikaner sagen würden, „nearby“.

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