(La)TeX in Wörterbüchern, Emacs 23.1, RefTeX 4.43, TeXworks, MiKTeX 2.8, TeX Live 2009, TeX Live Utility 0.70, OpenOffice.org 3.1.1, Scribus 1.3.5.1, XMind, blindtext, germkorr, bidi, XeTeX, TeX4ht und biblatex, Zeitschriftenaufsätze, MetaPost 1.207, scrlttr2en.tex, Tagungen

Kein Zweifel, es geht voran: TeX und LaTeX haben nun auch Eingang in die allgemeinen Wörterbücher gefunden, wenn auch bisher nur online. Den Eintrag zu LaTeX im deutschen Wiktionary gibt es schon länger. PONS hat nun nachgezogen und (zugegebenermaßen auf Vorschlag) TeX und LaTeX in sein Verzeichnis zur Deutschen Rechtschreibung aufgenommen.

Der Schwerpunkt dieses Blog-Beitrags liegt aber auf den Anwendungen rund um (La)TeX:

Emacs 23.1 ist am 29. Juli 2009 veröffentlicht worden, was vor allem eine gute Nachricht für Linux- und andere Unix-Anwender ist. Unter den neuen Features wird u. a. ein neuer „Doc View Mode“ zum Betrachten von PDF-, PostScript- und DVI-Dateien genannt. Für den Alltag dürfte vor allem das Markieren „bei gedrückter Umschalttaste“ sehr gewöhnungsbedürftig sein. Der Unicode-Support wurde erneut verbessert, und der nXML-Mode ist nun in Emacs integriert worden. Auch wurde die Schriftdarstellung unter X11 nachhaltig verbessert (Antialiasing, OpenType-Fonts).

Leider ist vom Einsatz der neuen Version auf dem Mac vorläufig abzuraten. Es ist sehr einfach, Emacs unter Mac OS X selbst zu kompilieren. Die Anleitung dazu findet sich im nextstep-Verzeichnis der Quellen, die man von gnu.org herunterladen kann. In den Release Notes und in den Install-Dateien in der Distribution erfährt man, daß Mac OS X nicht mehr länger über Carbon unterstützt werde. Es wird nur noch ein einheitlicher „NeXTSTEP-basierter Port“ gepflegt. Hintergrund für diese Umstellung ist ein Zerwürfnis im Projekt. Das Ergebnis ist derzeit zum Arbeiten auf dem Mac leider unbrauchbar. Der Editor ist weder bei den Dateidialogen noch bei der Tastaturbelegung wie gewohnt in das System integriert worden und läuft auch nicht stabil.

Seiji Zenitani hat folglich auf Nachfrage mitgeteilt, er plane zwar ein kleines Update für sein Carbon Emacs Package. Im laufenden Jahr werde es aber keinen Release auf der Basis der neuen Version 23 geben. David Reitter bietet dessenungeachtet ziemlich unerschrocken eine Vorabversion seines Aquamacs 2.0 als „Preview 1“ an – wenn auch begleitet von einer deutlichen Warnung an den User.

Die Probleme würden im nächsten Release 23.3 behoben, heißt es. Bis dahin sollte man auf dem Mac beim alten Emacs 22 bleiben.

In der Zwischenzeit kann man die neue Version 4.43 von RefTeX testen. RefTeX ist ein Emacs-Mode zum Einfügen von Labels und Referenzen aller Art (Querverweise, Literaturzitate, Indexeinträge) in LaTeX-Quelltexte. Der Mode erleichtert auch die Navigation in großen LaTeX-Dokumenten, indem er ein eigenes Inhaltsverzeichnis erstellt, über das man Marken im Quelltext direkt ansteuern kann. Die Unterstützung zum Einfügen von Querverweisen mit den Paketen varioref, fancyref und hyperref sei ebenso verbessert worden wie die Arbeit mit BibTeX-Dateien, teilt Ralf Angeli für das AUCTeX-Team mit.

Joseph Wright schreibt in seinem Blog, der neue Editor TeXworks, über den ich schon mehrfach geschrieben hatte, werde nicht nur in TeX Live 2009, sondern auch in MiKTeX 2.8 enthalten sein. Bei MiKTeX würden auch die Dateibindungen des Systems für tex- und sty-Dateien auf TeXworks festgelegt. Neue Binaries zum Testen für MS Windows und Apple Macintosh werden laufend von Jonathan Kew bereitgestellt. Joseph Wright vergleicht auch die Testversionen der beiden TeX-Distributionen. Wenig überraschend, sind sie unter der Haube größtenteils identisch. Unterschiede beschränken sich auf Features, die für die meisten Anwender keine große Rolle spielen dürften. So ist LuaTeX, das sich weiterhin in Entwicklung befindet, nur in TeX Live enthalten. Beide TeX-Distributionen befinden sich weiterhin in der Testphase und sollen demnächst freigegeben werden.

Adam R. Maxwell hat derweil seine TeX Live Utility in der Version 0.70 veröffentlicht. Es handelt sich um einen Bugfix-Release, der die grafische Oberfläche für den TeX Live Manager tlmgr für die Integeration in die nächste Version von MacTeX vorbereitet.

Wenn alles glattgeht, ist der Release von OpenOffice.org 3.1.1 für den 27. August 2009 geplant.

Von der DTP-Anwendung Scribus gibt es nun auch eine native Version für Apple Macintosh, die einen weiteren Reiz hat: Die Entwickler haben dem Programm nämlich auch einen neuen Rahmentyp spendiert, in dem Quelltext aus fremden Markupsprachen gerendert werden kann. So kann Scribus 1.3.5.1 in den neuen „Renderrahmen“ LaTeX rendern (aber auch die Formate Gnuplot und LilyPond). Dazu wird pdflatex eingesetzt. Auf dem Mac funktioniert das mit MacTeX 2008 aber nur, wenn man zuvor bei den Einstellungen unter „Externe Tools“ den Befehlsaufruf für LaTeX zu „/usr/texbin/pdflatex –interaction nonstopmode“ ändert. Dabei achte man auf den führenden Schrägstrich. Der vollständige Pfad zu pdflatex muß angegeben werden, weil Scribus die TeX-Binaries nicht selbständig findet. Mit TeX Live aus den MacPorts arbeitet Scribus hingegen auf Anhieb zusammen; ebenso mit OpenSuSE Linux 11.2.

Das neue Feature empfiehlt sich natürlich vor allem für mathematische Formeln, die in einen Text eingefügt werden sollen. Zu denken ist aber auch an Zeichnungen, die mit LaTeX erstellt werden. Nach dem Einfügen des Renderrahmens wird standardmäßig zunächst ein Blindtext eingefügt, den man dann über das Kontextmenü des Rahmens unter „Quelltext bearbeiten“ ändern kann. Dazu kann entweder das sich öffnende Fenster von Scribus oder per Mausklick auch ein externer Editor verwendet werden. Hier kann man nun beliebigen LaTeX-Quelltext einfügen. Zur Referenz steht das Scribus-Wiki bereit. Unbefriedigend ist, daß die Präambel des LaTeX-Dokuments nicht geändert werden kann, sie ist in Scribus „fest verdrahtet“ vorgegeben. Deshalb ist es nicht möglich, ergänzende Pakete hinzuzuladen, was die Einsatzmöglichkeiten letztlich unnötig und erheblich einschränkt. Der Verzicht auf diese Beschränkung wäre deshalb der wichtigste Wunsch für die weitere Entwicklung des spannenden neuen Features. Es ist ein Musterbeispiel für die hohe Leistungsfähigkeit von Lösungen, die auf freien Formaten aufbauen. Übrigens beherrscht Scribus auch den Import von Texten aus OpenOffice.org Writer, einschließlich der Formatvorlagen.

Christoph Bier, Autor der Einführung typokurz, weist in seinem Blog auf ein weiteres nützliches freies Programm hin, das auch für LaTeX-Anwender von Interesse sein kann. XMind dient zum Erstellen von Mindmaps, also Übersichten, mit denen man Zusammenhänge und Strukturen bei der Planung oder schlicht beim Nachdenken über ein Thema oder über ein Projekt grafisch darstellen kann. Die dabei erstellte Übersicht kann man aus XMind als HTML exportieren. Dabei wird die Darstellung in eine JPG-Grafik umgesetzt, die man auch leicht mit pdflatex in ein LaTeX-Dokument übernehmen kann. Das Programm sollte von SourceForge heruntergeladen werden; auf der Projekt-Homepage setzt der Download nämlich merkwürdigerweise eine Registrierung voraus. Das Programm steht für Linux, Windows und Mac OS X bereit. Der Dokumentenaustausch zwischen den Plattformen sei problemlos möglich, wie ich erfahren habe.

Auch bei einigen LaTeX-Paketen hat sich etwas Neues getan:

Knut Lickert hat sein Paket blindtext überarbeitet. In Version 1.9b steht nun auch ein Blindtext für den mathematischen Formelsatz zur Verfügung. Außerdem werden mehrsprachliche Dokumente mit polyglossia und XeTeX ebenso unterstützt wie französische Texte.

Für deutschsprachige Texte von Interesse sein kann das neue Paket germkorr von Timo Baumann, das eine Kerningkorrektur für deutsche Anführungszeichen bewirkt.

Vafa Khalighi hat sein Paket bidi für den bidirektionalen Satz mit XeTeX erweitert, so daß man es nun auch mit hyperref verwenden kann. Vafa Khalighi erklärt auch in einem Posting, wie man XeTeX händisch updaten kann.

Radhakrishnan CV hat sich mittlerweile bereiterklärt, den mächtigen Konverter TeX4ht weiterzupflegen. Er hat einen Patch bereitgestellt, der einen Fehler bei der Verarbeitung von Dokumenten beseitigt, die mithilfe von biblatex erstellt werden. Die neue Version von biblatex.4ht ersetzt die ältere Fassung in der bestehenden TeX4ht-Installation. Es empfhiehlt sich vorsorglich, die ältere Version vor dem Patchen umzubenennen.

Übrigens weist Karl Berry auf einen lesenswerten Aufsatz hin, der 2004 in der Zeitschrift TUGboat erschienen war. Der unlängst verstorbene Entwickler von TeX4ht Eitan Gurari gibt darin eine grundlegende Einführung in die Bedienung des Konverters.

Ein weiterer bemerkenswerter Zeitschriftenaufsatz ist gerade erschienen. Die Notices of the AMS haben den dritten Teil von George Grätzers Serie[1][2] What is New in LaTeX? veröffentlicht. Der Beitrag ist dem Andenken von Michael Downes gewidmet und handelt von der Formatierung von Literaturzitaten im mathematischen Schrifttum mithilfe von amsrefs.

MetaPost ist derweil bei Version 1.207 angekommen.

Jan Beilicke hat dankenswerterweise eine englische Übersetzung meiner Briefvorlage für die Briefklasse von KOMA-Script scrlttr2 angefertigt.

Die Jahrestagung der TeX Users Group TUG 2009 in Notre Dame ist durchgeführt worden. Die Vorträge konnten dieses Jahr übrigens erstmals per Videostream live verfolgt werden. Leider wurde dies erst sehr kurzfristig in comp.text.tex und auf texhax angekündigt, als die Tagung schon lief – ein Beispiel für die leider schlecht konzipierte Öffentlichkeitsarbeit der TeX-Anwendervereinigungen. (Ein weiteres Beispiel hierfür ist der gerade erfolgte Relaunch der Website von DANTE, der bisher auch nirgends offiziell angekündigt worden ist.) Die Tagungsbeiträge sind aber nun als Video- und Audio-Podcast und per Livestream verfügbar, und sie können allen empfohlen werden, die sich über den aktuellen Stand der Entwicklung bei den dort vertretenen TeX-Projekten informieren möchten.

Die nächsten Tagungen stehen im September und im Oktober bevor. Die Herbsttagung von DANTE findet am 12. September 2009 an der Hochschule Esslingen-Stadtmitte statt. Der Veranstaltungsort wurde also gegenüber der ursprünglichen Ankündigung in die Innenstadt verlegt. Die italienische GuIT wird ihre sechste Tagung währenddessen am 17. Oktober 2009 in Pisa durchführen.

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