LaTeX3, Key-Value-Interfaces, Interview, splitindex, TeX Shop 2.26, CTAN Announcements, Tagungen, Linuxtag

Joseph Wright hat in seinem Blog zwei neue Papiere veröffentlicht: Zum einen die Vorabfassung eines Aufsatzes über den derzeitigen Entwicklungsstand von LaTeX3, der in TUGboat erscheinen soll. Aber auch seine Einführung in die „Key-Value-Methode“ ist lesenswert. Mit dieser Technik, Optionen für Dokumentenklassen und Pakete zu setzen, sollte man sich vertraut machen, weil sie mittlerweile von vielen Paketen verwendet wird, beispielsweise von KOMA-Script oder von dem Paket geometry zur Festlegung des Satzspiegels (vgl. Abschnitte 5 f. der Anleitung zu geometry und S. 214 ff. des „LaTeX-Begleiters“, 2. Aufl., 2005). So kann dem Paket mit der Anweisung \usepackage[paper=a5paper]{geometry} mitgeteilt werden, daß der nachfolgende Text auf ein Blatt im Format DIN A5 gesetzt werden soll. Wright erklärt in seinem Papier, was hinter den Kulissen geschieht, wenn der Anwender eines der Pakete verwendet, die diese Funktion bereitstellen (keyval, kvsetkeys, kvoptions, xkeyval) oder wenn er ein Paket wie geometry benutzt, das selbst ein solches „Key-Value“-Paket lädt. Christian Feuersänger stellt abschließend pgfkeys vor, das zusammen mit dem Grafik-Paket pgf von Till Tantau einen etwas andere Ansatz verfolgt als die übrigen Pakete, die im wesentlichen auf der ersten Implemementierung der Key-Value-Interfaces in LaTeX, dem Paket keyval von David Carlisle, aufbauen.

In der TUG Interview Corner gibt es ein neues Gespräch, das Dave Walden diesmal mit Yannis Haralambous geführt hat, einem der Entwickler des mittlerweile nicht mehr weitergeführten Omega-Projekts, der auch viele sehr schöne historische Schriften zur Verwendung mit (La)TeX entworfen hat, darunter die bekannten altdeutschen Frakturschriften yfonts, aber auch Fonts für Sanskrit sowie griechische, arabische und hebräische Schriften. Auf seiner Website findet sich eine eindrucksvolle Publikationsliste, aus der eine veritable Bibel zum Thema „Fonts und Kodierungen“ mit über 1000 Seiten hervorragt, die im Jahr 2004 zunächst auf Französisch bei O’Reilly France unter dem Titel „Fontes & codages“ erschien. Im September 2007 brachte das amerikanische Mutterhaus von O’Reilly eine englische Übersetzung des Buches heraus, „Fonts & Encodings“, die übrigens in der DTK 1/2008, S. 22–25 von Ulrik Vieth nicht unkritisch, aber zu Recht doch empfehlend besprochen wurde. Eine englische Kurzfassung seiner Rezension hat er auf die Verlagshomepage gestellt. Es handelt sich – trotz der Dynamik auch in diesem Bereich – um ein gutes Beispiel für ein Fachbuch, das auch im Zeitalter des Web 2.0 und der E-Books noch seine Berechtigung als gedrucktes Werk hat. Haralambous erzählt hierzu:

As Xavier [Cazin, a good friend working at the French division of O’Reilly] explained to me, when O’Reilly US is interested in a book published by some branch outside the US, they will ask a US author to write on the same topic. In my case and for the first time, they decided to translate the book. I was very lucky since I found the ideal translator: Scott Horne is a native English speaker with an outstanding talent for learning an uncountable number of languages. He is a computer scientist and a TeX user and a musician. And a perfectionist in everything he does. He did a first translation of the book and as I was reading it I rewrote many parts which needed to be updated, so that the English version was up-to-date when it came out (in the fall of 2007). Not only he found and corrected all the errors of the original edition, but he even translated jokes and jeux-de-mots so that I got very positive critics saying „The result is a book that seems to have been written by a human not a droid“ (Rick Jelliffe) and „Thus this book becomes the first technical reference text we’re aware that actually contains a running gag“ (Designorati).

Currently (early 2009), the book is being translated into Russian. My knowledge of this language is probably not sufficient to interact with the translator in the same way I did with Scott. But I will rewrite parts of the book which need to be updated (latest versions of FontLab and FontForge, font management in LuaTeX, photofonts, etc.).

Die Gespräche in der TUG Interview Corner sollen demnächst als Buch veröffentlicht werden.

Die Entscheidung Markus Kohms, seine bei vielen Anwendern beliebten Pakete bis auf weiteres nicht unmittelbar über CTAN zu verteilen, sorgt weiterhin für Diskussionen. Nachdem nun sein Paket splitindex aus der TeX-Distribution TeX Live entfernt worden war, stellte sich in einer Diskussion auf der TeX-Live-Mailingliste heraus, daß dem anscheinend ein Mißverständnis zugrundelag: Das Paket steht unter LPPL-Lizenz des LaTeX-Projekts, wobei aber etwas deutlicher hervorgehoben wurde, daß die Dateien des Pakets nicht einzeln, sondern nur gemeinsam weitergegeben werden dürfen. Zielsetzung ist es, nur freie Software im Sinne der DFSG in TeX Live aufzunehmen, um möglichst Konflikte mit dem Debian-Projekt zu vermeiden. Frank Mittelbach hatte vor einigen Jahren in einer intensiv geführten Diskussion auf der Mailingliste Debian-legal erreicht, daß die LPPL in einer neuen Fassung vom Debian-Projekt als Freie Softwarelizenz akzeptiert wurde. Das Paket wird nun wahrscheinlich wieder in TeX Live aufgenommen.

TeXShop, der TeX-Editor und -Previewer für Apple Macintosh von Richard Koch, ist in Version 2.26 veröffentlicht worden. Es handelt sich um die erste Version, die auch auf CTAN verfügbar ist.

In Absprache mit dem CTAN-Team habe ich vergangene Woche Twitterfeeds der CTAN-Announce-Mailingliste zu Identi.ca und zu Twitter eingerichtet. Microblogging-User sind oftmals so begeistert von dem neuen Medium, daß sie alles „über Twitter“ laufen lassen wollen. Für sie ist dieses neue Angebot gedacht. Wurde ja auch Zeit, daß der TeX-Löwe endlich auch bei Twitter & Co. offiziell Einzug hielt! Bisher hat der Account bei Twitter mehr Abonnenten als derjenige bei Identi.ca. Ich ziehe Identi.ca eindeutig vor, weil es sich dabei im Gegensatz zu Twitter um einen Dienst handelt, der mit freier Software betrieben wird und dessen Beiträge unter der CC-by-Lizenz veröffentlicht werden.

Zum Schluß wieder ein Blick auf die bevorstehenden Tagungen: Der Call for Papers zur BachoTeX 2009 ist bekanntgegeben worden. Die Tagung, die vom 29. April bis 3. Mai 2009 in Bachotek in der Nähe von Brodnica in Polen stattfinden wird, steht diese Jahr unter dem Motto: „TeX: at a turning point, or at the crossroads?“ Der Schwerpunkt soll auf neuen TeX-Engines, Grafik und Fonts liegen. Abstracts werden bis zum 27. März 2009 erbeten. Währenddessen enden die jeweiligen Call for Papers für die Konferenzen TUG 2009 am 13. April 2009 und für EuroTeX 2009 in Den Haag am 30. April 2009. Außerdem wird DANTE e.V. auch in diesem Jahr wieder vom 24. bis 27. Juni 2009 am Linuxtag in Berlin teilnehmen. Das Projekt wurde nun offiziell angemeldet. Helfer sind willkommen.

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