Wiki2Print, ODF und LaTeX, LaTeXiT 1.16.1, PDFreaders.org, LaTeX3, Tagungen

Die deutschsprachige Wikipedia hat Ende Januar 2009 den PDF- und ODT-Export eingeführt. Mit einem Klick auf „Buch erstellen | Seite hinzufügen“ in der seitlichen Navigationsleiste jeder Wikipedia-Seite kann der gerade betrachtete Artikel markiert werden. Wiederholt man dies, so ergibt sich ein „Buch“ aus mehreren Wikipedia-Seiten; das „Buch“ kann aber auch aus einem einzigen Artikel bestehen. Der Export kann dann mit „Buch zeigen | Herunterladen“ angestoßen werden. Im Hintergrund arbeitet eine OpenSource-Lösung, die von derm Mainzer Verlag PediaPress auf der letzten Frankfurter Buchmesse vorgestellt worden war. PediaPress setzt mit LaTeX aus Wikipedia-Inhalten Bücher, die man selbst zusammenstellen und dort auch recht günstig on demand drucken lassen kann. (Nachtrag 6.2.2009: Zehn Prozent des Verkaufspreises gehen an die Wikimedia Foundation). Das Feature war vorher in Wikibooks implementiert und erfolgreich getestet worden.

So kann man über OpenOffice.org Texte aus Wikipedia nach LaTeX konvertieren, denn ODT ist das native Format von OpenOffice.org Writer. Zum Umsetzen nach LaTeX kann man die Datei entweder in OOo öffnen und nach LaTeX exportieren, oder man führt die Konvertierung mit der Standalone-Version von Writer2LaTeX auf der Kommandozeile durch (mehr hierzu findet man im OOo-Wiki und in einem früheren Beitrag von mir).

Das OpenDocument-Format wird zunehmend wichtiger als Austauschformat für formatierten Text, der weiter bearbeitet werden soll. So kann zum Beispiel auch Wordpad in der Vorabversion von Windows 7 keine doc-Dateien mehr verarbeiten, dafür aber die Formate RTF, docx und ODT (c’t Nr. 4/2009, S. 90). Das ist eine gute Entwicklung für LaTeX-Anwender, denn Writer2LaTeX eignet sich vorzüglich als Konverter von ODT nach LaTeX, und umgekehrt beherrscht TeX4ht die Konvertierung von LaTeX nach ODT mithilfe der Option oolatex (auf die Besonderheiten bei der Verwendung mit TeX Live/MacTeX 2008 hatte ich schon hingewiesen). Dies erleichtert den Datenaustausch mit Anwendern, die Textverarbeitungen verwenden, ganz erheblich.

Pierre Chatelier hat am 31. Januar 2009 in aller Stille Version 1.16.1 von LaTeXiT veröffentlicht. LaTeXiT ist eines von vielen nützlichen Tools, die das TeXen auf dem Apple Macintosh einfacher machen. Es wird zusammen mit MacTeX verteilt und ermöglicht es, mathematische Ausdrücke mithilfe von LaTeX in Grafiken zu setzen, um sie in Textverarbeitungen oder in Präsentationsprogramme zu übernehmen. Dazu stehen mehrere Grafikformate zur Verfügung. Es handelt sich um einen Bugfix-Release. Eine bestehende Installation sollte deshalb auf den neuesten Stand gebracht werden.

Die Fellowship der Free Software Foundation Europe hat eine Kampagne gestartet, um freie PDF-Reader bekannter zu machen. PDFreaders.org stellt freie Alternativen zu Adobe Reader vor, die auch für Microsoft Windows und Mac OS X verfügbar sind. Georg Greve von der FSFE hebt die Herstellerunabhängigkeit und die Eigenschaft als offenem Dateiformat als Vorteile von PDF hervor. Das ist grundsätzlich richtig. Spätestens aber, wenn eine Vorlage in den Druck geht, kommt es darauf an, daß sie mit dem original Adobe Acrobat ordentlich wiederzugeben ist. Zumindest für die Druckvorstufe wird man also ohne das Original bis auf weiteres nicht auskommen.

Joseph Wright ist in das LaTeX3-Team aufgenommen worden.

Abschließend ein Blick auf die Konferenzen der TeX-Anwendervereinigungen, die demnächst stattfinden werden: Die Frühjahrstagung von DANTE wird vom 25. bis 27. Februar 2009 in Wien stattfinden. Für die diesjährige BachoTeX-Tagung, die vom 29. April bis zum 3. Mai 2009 im polnischen Bachotek abgehalten wird, wurde nun ein Call for Papers veröffentlicht. Folgen wird die EuroTeX 2009, die diesmal in den Niederlanden in Den Haag vom 31. August bis zum 4. September 2009 zusammen mit dem dritten ConTeXt-Meeting durchgeführt wird.

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