LaTeX3, TeXShop 2.20, MacTeX, Eutypon 21, Effizienz, Linuxtag

Joseph Wright hat in seinem Blog einige Ziele für die Entwicklung von LaTeX3 zusammengefaßt, die den aktuellen Stand des Projekts aufzeigen. Vor allem soll der neue LaTeX-Kernel viele Features beinhalten, die bis heute nur in einer Vielzahl von ergänzenden Paketen bereitgestellt werden – ähnlich wie bei ConTeXt. Das wäre sehr zu begrüßen. Die leichte Erweiterbarkeit ist sicherlich eine der Stärken von LaTeX. Andererseits macht sie dem Anfänger den Einstieg unnötig schwer, weil die große Zahl an Paketen auf CTAN auch mithilfe des TeX Catalogue kaum noch überschaubar ist. Hinzu kommen viele Inkompatibilitäten zwischen den Paketen, die der Anwender beachten muß. Das Programmieren in LaTeX müsse insgesamt konsistenter werden, schreibt Wright weiterhin. Die Ausgabe von LaTeX werde vollständig überarbeitet, um registerhaltigen Satz zu ermöglichen. Auch der Umgang mit Gleitobjekten, ein bekanntes Sorgenkind bei komlexen Beispielen, sollte nachhaltig verbessert werden.

In der darauffolgenden Diskussion wurde kritisch angemerkt, die von Wright angeführten Punkte seien zwar zutreffend, sie allein griffen aber zu kurz, weitere Features müßten implementiert werden. Als Beispiele nannte Martin Schröder die Integration des Pakets hyperref, diverse Dokumentenklassen wie KOMA-Script und die bessere Integration von UTF-8 und weiterer Fonts. Frank Mittelbach entwarf ein Modell aus mehreren Schichten, das er bereits auf der TUG 2008-Konferenz in Cork vorgestellt hatte und das nun schrittweise umgesetzt werden solle: Grundlegend sei das Paket expl3, das demnächst fertiggestellt werde. Diese Arbeit stelle das low level interface von LaTeX3 dar, das unmittelbar auf TeX aufsetze (und es teilweise berichtigen müsse). Hierauf setze eine weitere Schicht auf, in der beispielsweise die oben angesprochenen Features integriert werden könnten. Die dritte, oberste Schicht, der class design level, setze wiederum hierauf auf und könne somit auf alle darunterliegenden Features direkt zurückgreifen.

Ein Wermutstropfen zeichnet sich allerdings schon jetzt ab: LaTeX3 wird nicht mehr alle LaTeX2e-Dokumente und -Pakete verarbeiten können. Will Robertson meint deshalb, LaTeX2e werde nicht durch LaTeX3 ersetzt werden. Wer auf Rückwärtskompatibilität zu LaTeX2e angewiesen sei, müsse den alten LaTeX2e-Kernel verwenden. Es sei aber auch denkbar, daß LaTeX3 alten LaTeX-Quelltext eigenständig erkenne und dann automatisch auf den alten Kernel zurückgreife.

Dick Koch hat Version 2.20 des beliebten Editors und Previewers TeXShop für Mac OS X veröffentlicht. In seiner Ankündigung weist er darauf hin, TeXShop sei nun auch in der Lage, selbständig zu überprüfen, ob es Updates für das Programm gebe. Besonders begrüßt wurde, daß TeXShop – neben einigen weiteren Neuerungen – nun auch Zeilennummern anzeigen kann. Einige Änderungen sind so kurzfristig erfolgt, daß der dazugehörige Eintrag im Menü bzw. im Einstellungs-Dialog noch nicht ins Deutsche übertragen werden konnte, was sicherlich bald nachgeholt wird. TeXShop ist tatsächlich schrittweise verbessert worden und bietet heute eigentlich alles, was der durchschnittliche Anwender benötigen dürfte. Er ermöglicht es, insbesondere im Zusammenspiel mit BibDesk, weitgehend „mac-like“ zu arbeiten und bietet vieles unter einer intuitiv zu bedienenden Oberfläche, was man in anderen Editoren erst lange suchen muß. Freilich reicht TeXShop damit noch nicht an die Funktionalität eines Editors wie Emacs mit AUCTeX und RefTeX heran. Er ist aber ganz sicherlich der richtige Editor für alle, denen „weniger“ letztlich „mehr“ bedeutet.

Übrigens wurde MacTeX erneut upgedatet. Die neue Version vom 8. Januar 2009 beinhaltet jetzt auch die bereits erwähnte TeX Live Utility mactlmgr von Adam R. Maxwell, ein graphisches Frontend zu dem TeX Live Manager für die Pflege des TeX-Systems (Danke für diesen Hinweis an Daniel Becker).

Eutypon Nr. 21 vom Oktober 2008, die Zeitschrift der Greek TeX Friends, ist nun online veröffentlicht worden. Darin finden sich auch zwei Beiträge in englischer Sprache: Ein Interview mit Claudio Beccari, dem Entwickler der CB Greek Fonts und einen Beitrag Beccaris zu den Fonts, an denen er zusammen mit Apostolos Syropoulos gearbeitet hat. Der Artikel ist eine leicht erweiterte Fassung der Paketdokumentation.

Auf der MacOSX-TeX Mailingliste wurde Mitte Januar 2009 lebhaft über den Bericht eines Lesers von Macintouch diskutiert. Demnach (der ursprünglich zitierte Link funktioniert derzeit nicht mehr) habe sich bei der NASA Microsoft Word in Verbindung mit MathType im praktischen Einsatz als effizienter erwiesen als LaTeX:

Just a comment on the MathType vs. LaTeXIt discussion. A few years ago, I was the supervisor of the contractor staff at a NASA facility in the Technical Publications branch. The bulk of our work were „Technical Memorandums“ (book like projects reporting intermediate or final results of various research efforts). 95%+ of these were produced using MS-Word with MathType. 5% or less were produced using TeX in various flavors. The split reflected the form of the manuscript as received. Our role was to edit and format the documents in the NASA style — then proceed with printing and distribution.

The TeX documents looked better — but they were far more difficult to produce and we rarely ever met our contract-required timeline to complete our production cycle. The main problem was that the TeX macros (usually devised by the researcher) would often fail to work as expected. In contract, the MS-Word/MathType documents could be run through the process and out the door well within the required schedule.

TeX was created precisely to handle typesetting of complex equations and it does it very well. Most people have difficulty using it effectively. MathType is much easier to use, but does not do as nice a job with the typesetting. But for most purposes it’s entirely acceptable.

Über die Ursachen hierfür kann man trefflich streiten und mutmaßen. Jedenfalls aber zeigt das Beispiel, daß auch LaTeX nicht in jedem Fall der Weisheit letzter Schluß ist und sein Einsatz – gerade in einem größeren Umfeld – gute Vorbereitung und Schulung aller Beteiligten voraussetzt. Das ist aber beim Einsatz einer Textverarbeitung nicht anders.

Zum Abschluß deshalb etwas Positives: Der Linuxtag 2009 in Berlin steht bevor, und DANTE hat auch in diesem Jahr wieder eine Teilnahme ins Auge gefaßt. Helfer sind willkommen.

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