LaTeX-Community, Aquamacs 1.6, Zotero und Bibsonomy, Spanisch, Calc2LaTeX, Vorlagen, TeX-Entwicklung, LaTeX-Mythen, Twitter

LaTeX Community ist das englischsprachige LaTeX-Portal von Sven Wiegand, dem Entwickler des Editors TeXnicCenter für Microsoft Windows. Auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Start ist dieser Anlaufpunkt für alle Fragen rund um (La)TeX neu gestaltet und dabei deutlich erweitert worden. Dem unverändert vorhandenen Webforum wurden Abteilungen zu Neuigkeiten (mit RSS-Feed) und eine Sammlung von Anleitungen („Know-how“) zur Seite gestellt. Dieser Teil ist derzeit noch leer. Hier können angemeldete Anwender ihre LaTeX-Kenntnisse mit anderen aus der „Community“ teilen.

Eine Woche nach der Freigabe des neuen Carbon Emacs hat David Reitter nachgezogen und Aquamacs 1.6 veröffentlicht. Die Unterschiede zwischen den beiden Emacs-Portierungen für Mac OS X hatte ich schon einmal beschrieben. Auf der Website findet man eine umfangreiche Übersicht über die Unterschiede zwischen Aquamacs, dem „normalen“ Emacs 22, BBEdit 8.0 (aktuell ist v9.0.2) und Smultron. Reitter weist dort auf den „sehr guten“ LaTeX-Support in Aquamacs hin, was ich aus früheren Versionen bestätigen kann. Die Entwicklungsumgebung AUCTeX ist ebenso vorinstalliert wie viele andere nützliche Lisp-Pakete. David Reitter bittet um Spenden zur Finanzierung seines rührigen Projekts. Auf Wünsche von Anwendern auf der MacOSXEmacs-Liste geht es gerne und zügig ein. Wie bereits erwähnt, gefallen mir die vielen Features, mit denen das Interface auf die Aqua-Oberfläche von Mac OS X hin gestaltet wird, nicht. Als ich Aquamacs zuletzt installiert hatte, registrierte der Installer ohne Nachfrage eine ganze Reihe von Dateitypen. Im Gegensatz dazu ist Cabon Emacs viel zurückhaltender, ein klassischer Emacs, der sich ebenfalls dank AUCTeX ganz vorzüglich zum TeXen eignet.

Leider immer öfter anzutreffen sind die falschen Schreibweisen „LaTex“ und „BibTex“ anstelle von „LaTeX“/„BibTeX“ (das mußte mal gesagt werden…).

Patrick Danowski, ein offenbar begeisterter Wikipedianer, bloggt und twittert schon seit einiger Zeit recht gehaltvoll zum Thema Bibliothek 2.0 (früher auch bei WordPress). In einem neuen Beitrag erklärt er nun, wie man Zotero dazu überreden kann, Einträge im BibTeX-Format per Drag und Drop nach Bibsonomy zu exportieren (und zu importieren). Bibsonomy ist ein öffentlicher Bookmarking-Dienst, der von der Universität Kassel betrieben wird. Man kann dort seine WWW-Bookmarks und auch ganze Literaturlisten ablegen und übers Netz pflegen.

Die LaTeX-Unterstützung für Texte in Spanisch von Javier Bezos und Julio Sanchez ist auf CTAN neu untergliedert worden. Dort findet man seitdem die jeweils aktuelle Version des Spanish-Styles für babel einschließlich der spanischsprachigen Dokumentation.

Auch Calc2LaTeX, ein Makro zum Konvertieren von OpenOffice.org Calc-Tabellen nach LaTeX von Shohei Abe, gibt es jetzt als Extension für OpenOffice.org 3. Hanjo Iwanowitsch berichtet aber über Probleme unter Apple Macintosh. Schon früher war das Parallelprojekt Writer2LaTeX in der Entwicklerversion als OOo-Extension veröffentlicht worden.

Auch aus der Vorlagen-Sammlung der UK TUG gibt es neues zu vermelden: Hinzugekommen ist eine Vorlage für Serienbriefe, die mit einer CSV-Datenbank arbeitet.

Jonathan Fine, der Vorsitzende von UK TUG, wird in der Interview Corner der TeX Users Group vorgestellt. Er beschreibt die Lage, in der sich die TeX-Entwicklung seiner Ansicht nach befinde, pessimistisch und vielleicht auch etwas resignativ:

„I was at the 2008 TUG Conference, and wished that the level of technical communication and debate was higher. I felt, for example, that LaTeX3 and LuaTeX/ConTeXt were ignoring each other. Both projects share problems and a platform, but I’m not aware of significant ongoing discussion or sharing of code involving both these projects. Similarly, XeTeX use an extended DVI format (called xdv), while so far as I know LuaTeX ignores it, and has nothing similar.

It’s easy years on to look back on the past as a golden age, but I feel that 25 or so years ago there was an excitement and confidence and energy in the TeX community, similar for example to the more recent emergence of GNU/Linux as a free operating system. I don’t see enough of this energy present today, and I think this lack is one of our major challenges.“

Auf der TYPO-L-Mailingliste erkundigte sich ein Anwender, welche (DTP-) Software Ergebnisse erziele, die mit denjenigen von LaTeX vergleichbar seien. Die Diskussion wurde sowohl von Christina Thiele als auch von Peter Flynn zum Anlaß genommen, mit einem der größten Mythen um LaTeX aufzuräumen: Mit der Behauptung nämlich, daß sich LaTeX vor allem für den Mathematiksatz eigne. Beide bekannten, sie hätten LaTeX bisher noch nie bzw. nur sehr selten für diesen Bereich eingesetzt. Flynn:

„I have done precisely one math/physics book in 20 years. All the rest were in other (non-math) fields.“

Und er wies weiterhin darauf hin, daß die typographische Qualität eines Buches weniger von der verwendeten Software als von dem Anwender abhänge, der sie einsetzt:

„…in trained hands – almost any system can produce work of a specified quality.“

In der Newsgroup de.comp.text.tex wurde darauf hingewiesen, daß Texte, die mit TeXShop auf Apple Macintosh in der Kodierung UTF-8 geschrieben wurden, in Kile unter Linux nicht fehlerfrei geöffnet werden können (jeweils Intel-64). Die Ursache hierfür konnte nicht geklärt werden.

Zum Schluß wieder ein Hinweis in eigener Sache: Für kleine Anmerkungen habe ich diese Woche eine Seite bei Twitter eingerichtet. Dort möchte ich vorwiegend, aber nicht nur zu TeX & Friends schreiben, wobei ich den Dienst eher als ein kleines Blog verstehe. Auf jeden Fall will ich versuchen, mich trotz der Beschränkung auf 140 Zeichen für einen Beitrag im ganzen Satz verständlich zu machen. Wer mir dorthin nicht folgen will, kann den Dienst auch per RSS-Feed abonnieren, wie dieses Blog ja auch.

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