Carbon Emacs, SimpleTeX4ht, philosophy und brain_damage, LuaTeX, Blogs

Seiji Zenitani, der Entwickler des Carbon Emacs für Apple Macintosh, schreibt, er gehe davon aus, daß die aktuelle Version 22.3 der letzte Stand von GNU Emacs 22 sein werde. Nachdem der Carbon Emacs bisher etwa vierteljährlich neu veröffentlicht worden war, werde es daher in Zukunft seltener Updates geben. Für 2009 habe er nur einen Release vorgesehen, der seit heute als 2009 edition auf der Projekt-Homepage zum Download bereitsteht (Universal Binary für Mac OS X 10.5.x). Den nächsten Release habe er erst für 2010 in Aussicht genommen, wobei noch nicht feststehe, ob es wieder eine Carbon- oder eine Cocoa-Version geben werde. Es könne aber auch sein, daß der diesjährige Release der letzte ist, den Seiji Zenitani bereitstellen werde.

Wie bereits erwähnt, arbeite ich seit meinem Umstieg auf den Mac mit Zenitanis Carbon Emacs und bin sehr zufrieden damit. Es wäre zu bedauern, wenn er die Entwicklung seiner Emacs-Portierung einstellen würde.

SimpleTeX4ht von Yves Gesnel ist eine graphische Oberfläche für Mac OS X, die als Frontend zu dem mächtigen Konverter TeX4ht dient. Die Anwendung steht in mehreren Übersetzungen zur Verfügung; die deutsche Lokalisierung stammt von Peter Dyballa. TeX4ht ist seit langem der mächtigste und am besten ausgereifte Konverter von LaTeX nach diversen XML-basierten Formaten.

TeX Live 2008 – und somit auch MacTeX 2008 – enthalten leider nur eine abgespeckte Version von TeX4ht, in der u. a. die Skripte oolatex zur Erzeugung des Formats ODT (das native Format von OpenOffice.org Writer) und mtlatex für MathML nicht enthalten sind. Das bedeutet nun aber nicht, daß man diese Formate mit der Distribution nicht erzeugen könnte. Darauf weist Clea F. Rees auf ihrer Userseite im TeX on Mac OS X-Wiki hin. Wer diese Funktionen in TeX4ht nutzen möchte, muß nur die dementsprechenden Parameter beim Aufruf von htlatex im Terminal direkt eingeben. Ein Blick ins Manual zeigt aber, daß die Syntax nicht gerade eingängig ist. Eine Möglichkeit, dem auszuweichen, besteht darin, das Programm stattdessen mittels mk4ht oolatex dateiname aufzurufen.

Hier kommt SimpleTeX4ht ins Spiel, dessen Bedienung tatsächlich denkbar einfach ist: Man zieht die zu konvertierende tex-Datei mit der Maus aus dem Finder in das Programmfenster, wählt das Dateiformat aus, in das sie umgesetzt weden soll und startet die Konvertierung per Mausklick. Ein Fortschrittsbalken erscheint, und schließlich liegt die konvertierte Version im gewünschten Format im Arbeitsverzeichnis vor, in dem auch die tex-Datei abgelegt ist. Im Expertenmodus können auf Wunsch sowohl TeX4ht als auch dem LaTeX-Compiler ergänzende Parameter mitgegeben werden, durch die die Konvertierung im einzelnen gesteuert wird. SimpleTeX4ht arbeitete im Test zuverlässig unter Mac OS X 10.4.11 und 10.5.6. Es steht unter GPL 3.

Mithilfe von TeX4ht und OpenOffice 3 ist es insbesondere möglich, LaTeX-Dokumente ins doc-Format zu wandeln – ein Feature, das oft gewünscht wird. Bei der Wandlung von LaTeX nach ODT fällt leider auf, daß in der von TeX4ht erzeugten ODT-Datei der rechte Seitenrand auf null gesetzt wird, was wenig sinnvoll, aber in den Einstellungen für die Seitenvorlage im Writer leicht zu berichtigen ist. Das Inhaltsverzeichnis enthielt leider keine Hyperlinks, die Abschnitte des Texts konnten aber im Navigator ausgewählt werden.

Ebenfalls auf ihrer Benutzerseite weist Clea F. Rees übrigens auf Alternativen zu meinem wordlike.sty hin, mit dem ich einst versucht hatte, das typische Layout einer Textverarbeitung mit LaTeX zu simulieren: Gregory Wheelers philosophy.sty (vgl. seine Homepage) und Allin Cottrells brain_damage.sty sind ähnliche Versuche in dieser Richtung, typographische Gesichtspunkte bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten hintan zu stellen.

Tako Hoekwater hat auf die neue LuaTeX-Mailingliste der TeX Users Group hingewiesen, die man ab sofort abonnieren kann. Diese neue Liste für Anwender ergänzt die Entwickler-Liste der niederländischen TeX-Anwendervereinigung NTG, die auch auf Gmane verfügbar ist. Dort findet sich auch ein öffentliches Archiv der Liste.

Außerdem soll LuaTeX demnächst in TeX Live im Verzeichnis /texmf/luatex/lua/ installiert werden. Skripte gehören weiterhin nach /texmf/scripts/lua. Dabei handelt es sich um eine Ergänzung der TeX Directory Structure.

Zum Schluß diesmal eine kleine Blogschau: Joseph Wright gibt Tips, die man beachten sollte, wenn man vorhat, seine LaTeX-Dokumente in UTF-8 zu schreiben. Und Kjell Magne Fauske hat eine Seite über das Grafikpaket pgf/TikZ von Till Tantau mit einer Gallery eingerichtet. Er führt auch ein interessantes Blog, auf dem man unter anderem auch einen Überblick über einige englischsprachige TeX-Blogs findet, die man auch als als RSS-Feed abonnieren kann. So kann man derzeit 15 englischsprachige LaTeX-Blogs verfolgen.

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