MacTeX 2008-Update, tlmgr, mactlmgr, TeX Showcase, Verlage

Dick Koch hat die MacTeX-Distribution für den Apple Macintosh (MacTeX-2008, MacTeX-Additions und BasicTeX) auf den neuesten Stand gebracht. Das neue Paket enthält vor allem die aktuelle Version des TeX-Live-Managers tlmgr und sämtliche Pakete auf dem Stand vom 29. Dezember 2008. Ein Fehler im neuen Update-Manager von TeX Live war der Hauptgrund für die schnelle Überarbeitung der Distribution. Darüberhinaus wird Ghostscript auf Version 8.63 upgedatet, und auch die neusten Fassungen von BibDesk, LaTeXiT und TeXShop sind enthalten. So können insbesondere weniger geübte Anwender MacTeX komplett auf aktuellem Stand installieren.

Wer bereits über eine bestehende Installation verfügt (beispielsweise aus der TeX Collection 2008), muß nicht die ganze Distribution erneut herunterladen, sondern kann alle Neuerungen problemlos über den Update-Manager einpflegen. Dieser sollte zuerst selbst aktualisiert werden. Zur Verwendung des TeX-Live-Managers gibt es eine kurze Anleitung von Herbert Schulz und eine recht instruktive Seite im „TeX on Mac OS X Wiki“. Die Dokumentation von tlmgr erhält man mit der Eingabe von texdoc tlmgr im Terminal.

Die Verwendung eines Paketmanagers kann eine erhebliche Erleichterung bei der Pflege einer TeX-Installation sein. Nicht umsonst war der Manager mpm schon seit längerer Zeit einer der wichtigsten Gründe, die für die Verwendung von MiKTeX unter Microsoft Windows sprachen. Manche Anwender setzen die Unix-Portierung von mpm auch unter Linux ein. Damit werden dann – natürlich – die MiKTeX-Pakete von CTAN installiert, nicht die TeX-Live-Pakete. Die beiden Paketmanager sind zueinander inkompatibel. Wer vom mpm zu tlmgr wechseln möchte, sollte vorher eine komplette Neuinstallation von MacTeX vornehmen.

Außerdem ist zu bedenken, daß weder der MiKTeX package manager noch der TeX Live manager standardmäßig Backups anlegen, bevor sie ein Paket aktualisieren. Beim Update wird grundsätzlich die alte Version gelöscht und vollständig durch die neue ersetzt. Falls es danach Probleme mit der neuen Version des Pakets geben sollte, ist der Weg zurück zur Vorversion nur möglich, wenn man selbst eine Kopie zurückbehalten hatte, entweder von einem alten CTAN-Abzug aus der TeX Collection auf DVD oder aus dem eigenen Backup. Man kann nicht darauf vertrauen, eine frühere Installation aus dem Netz rekonstruieren zu können. CTAN hält bekanntlich nur die jeweils aktuellen Fassungen der Pakete vor. Der tlmgr kennt deshalb eine Option, mit der man ein Backup der alten Pakete anlegen kann, was auch dem „TeX on Mac OS X“ Wiki zufolge dringend zu empfehlen ist: tlmgr backup --backupdir dir [--all] [pkg...] Hierbei steht dir für den vollständigen Pfad, in dem das Backup abgelegt werden soll.

Das Eintippen von Befehlen im Terminal dürfte den meisten Anwendern widerstreben, nicht nur auf dem Mac. Zwar gibt es bereits eine graphische Bedienoberfläche für den tlmgr, die unter X11 läuft. Man muß sie allerdings aus dem Terminal starten – der Befehl dazu lautet: tlmgr -gui. Unter Tiger ist X11 evtl. nachzuinstallieren. Außerdem muß das Modul Perl/Tk installiert sein, das nicht standardmäßig in der Perl-Installation von Mac OS X enthalten ist – man findet es deshalb nach der Installation von MacTeX im Verzeichnis /Applications/TeX/Utilities/TeX Live Manager/ zum Nachrüsten.

Natürlich ist die trist-graue und krude Oberfläche, die sich einem nun zeigt, für Mac-Anwender nur ein Notbehelf. Für sie entwickelt Adam R. Maxwell aus dem BibDesk-Team derzeit eine „TeX Live Utility“, die als Alpha-Version bei Google Code zum Testen bereitsteht. Das neue Programm mactlmgr läuft unter Mac OS X ab Version 10.5.5. Der Entwickler bittet um Bug Reports entweder direkt an das Projekt oder an die „TeX on Mac OS X“-Mailingliste, wo zur Jahreswende bereits eine rege Diskussion stattgefunden hat.

Das Blog von Joseph Wright, auf das ich meinem letzten Beitrag hingewiesen hatte, wurde zwischenzeitlich aus nachvollziehbaren Gründen auf ein eigenes Hosting verlegt.

Immer wieder taucht die Frage auf, welche Verlage eigentlich LaTeX zum Setzen ihrer Bücher verwenden. Der TeX Showcase zeigt Bücher außerhalb des mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichs, die mit LaTeX gesetzt wurden, darunter auch belletristische Titel.

Und zum Jahresabschluß ein Seitenhieb auf unsere Verlage: LaTeX-Fan und Blogger Jörg Kantel hat es ihnen ein für allemal ins Stammbuch geschrieben:

Merken! Wenn die Verlage weiterhin über meine LaTeX-Vorlagen meckern und mich zu Word und zur neuen deutschen Schlechtschreibung zwingen wollen, dann mache ich eben alles selber.

Ein veritabler „Brief an die Leser“ im Stil der „Titanic“. Aber es muß ja nicht gleich print on demand sein, es gibt ja auch Verlage, die Manuskripte im Format LaTeX annehmen oder die den LaTeX-Anwendern mehr oder weniger entgegenkommen.

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