Writer2LaTeX, LyX, Editoren, scrjura, Buchbesprechungen

Der LaTeX-Exportfilter von OpenOffice.org, Writer2LaTeX (w2l), wird derzeit überarbeitet. Die Entwicklerversion 0.9.3 wurde am 2.12.2008 veröffentlicht. Die neue Alpha-Version des mächtigen Java-Programms wird nunmehr als OOo-Extension angeboten und kann daher leicht über den Extension-Manager von OpenOffice.org (nach-)installiert werden. Neu ist auch, daß der Filter Writer2XHTML nunmehr separat zu installieren ist. Auch er liegt als OOo-Extension vor.

Die wichtigste Veränderung aus der Sicht des Benutzers ist das neue Interface: Die Konfiguration erfolgt über einen Dialog, der sich beim Aufruf von Datei|Exportieren... öffnet. Hierin kann der Anwender direkt einige grundlegende Optionen auswählen. Die anspruchsvolleren Features sind allerdings wie bisher nur über die Konfigurationsdatei ~/writer2latex.xml oder bei Verwendung des jar-Archivs auf der Kommandozeile zugänglich.

Writer2LaTeX 0.9.3 ist ein weiterer Schritt auf der Roadmap zu Version 1.0. Entwickler Henrik Just sucht übrigens noch nach Helfern für die Übersetzung der grafischen Oberfläche.

Eine deutsche Anleitung zu Writer2LaTeX ist weiterhin in Form des Kapitels aus „LaTeX – das Praxisbuch“ von Elke und Michael Niedermair (Franzis Verlag) online verfügbar. Eine weitere Anleitung zu Writer2LaTeX in deutscher Sprache findet sich im OOo-Wiki.

Das Textverarbeitungssystem LyX 1.6.1 wurde am 13.12.2008 freigegeben. Dabei handelt es sich um einen Maintanance-Release, der Bugs beseitigt, die bei der Einführung neuer Features in den letzten Versionen hinzugekommen waren. Ein Update auf die neue Version wird deshalb allen Anwendern empfohlen. LyX dient als Frontend zu LaTeX. Damit kann man einen Text mit fast allen Features, die auch beim direkten Arbeiten in LaTeX und in den dazugehörigen Hilfsprogrammen verfügbar sind, über eine graphische Bedienoberfläche eingeben. Die Arbeitsweise erinnert an die bekannten Textverarbeitungen aus den Office-Paketen. Das Projekt diskutiert derzeit die weitere Entwicklung von LyX.

Auch bei den LaTeX-Editoren gibt es Updates: TeXnicCenter 1.0 RC 1 (TXC) ist am 7.12.2008 veröffentlicht worden. TXC unterstützt leider auch weiterhin kein Unicode, wie die Liste der Features zeigt. Wer also unter Windows mit Unicode arbeiten möchte oder muß, sollte sich die neuen Versionen von Texmaker und WinShell anschauen. Für Linux-Anwender lohnt sich sicherlich ein Blick auf Kile 2.0.3, der neuen Version des LaTeX-Editors für den KDE-Desktop.

Auf dem Mac bin ich sehr zufrieden mit dem Carbon Emacs von Seiji Zenitani. Der Cabon Emacs bietet ein look and feel, das sich von den Emacsen auf anderen Plattformen nicht unterscheidet. Der Port entspricht im wesentlichen dem Programm, das man erhält, wenn man die Emacs-Sourcen für Carbon kompiliert (wer es ausprobieren möchte: auf einem aktuellen MacBook dauert es mit den Developer-Tools knapp zehn Minuten, dann hat man seinen eigenen carbonisierten Emacs selbst „gebacken“). Allerdings sind viele zusätzliche Pakete bei Zenitanis Port bereits vorinstalliert, die nicht in der Standard-Distribution von Emacs enthalten sind, zum Beispiel die wirklich wunderbare TeX-Umgebung AUCTeX, mit der ich seit mehreren Jahren sehr zufrieden arbeite. Eine weitere Emacs-Variante für den Mac ist der Aquamacs, dessen Oberfläche an Mac OS X angepaßt wurde, was m.E. aber nicht allzu gut gelungen ist. Ich möchte auch auf dem Mac mit einem Emacs arbeiten, der sich so verhält, wie man es von den anderen Plattformen her kennt. Vor allem möchte ich auch auf dem Mac die standardmäßigen Tastatur-Shortcuts von Emacs vorfinden. Auf diese Features kann ich gut verzichten. Wem es anders geht, der möge den Aquamacs aber ruhig einmal ausprobieren, er hat mittlerweile eine sehr treue Fangemeinde, und sein Entwickler David Reitter geht auf der Mailingliste für Emacs auf Mac OS X gerne auf die Wünsche der Anwender ein.

KOMA-Script enthält seit Version 3.01 ein neues Paket für rechtswissenschaftliche Anwendungen: scrjura. Die beigefügte Anleitung wird gemeinsam von Markus Kohm und Alexander Willand gepflegt. Das Paket ist für die juristische Praxis entwickelt worden und stellt Befehle und Umgebungen bereit, die beim Setzen von Verträgen, Satzungen usw. hilfreich sind. Außerdem enthält KOMA-Script eine lco-Datei zum Gliedern juristischer Schriftsätze, die zusammen mit der Briefklasse scrlttr2 benutzt werden kann. sections.lco erlaubt es, alphanumerisch numerierte Überschriften in Briefen zu verwenden. So können längere Schriftsätze zur besseren Lesbarkeit in Abschnitte und Unterabschnitte unterteilt werden.

Zum Schluß noch zwei Buchbesprechungen: Für Jürgen Sieberts Fontblog ist es das „Typobuch des Jahres“: „Adrian Frutiger, Schriften – Das Gesamtwerk“, erschienen im Birkhäuser-Verlag 2008. Und in c’t Nr. 1/2009 bespreche ich auf S.  196 die zweite Auflage von Joachim Schlossers Einführung „Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX. Leitfaden für Anfänger“ (mitp Verlag, 2008).

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