Neues über die „BibTeX-Kultur“

Die TIB/UB Hannover hat gerade eine Online-Umfrage zur Verbreitung und Nutzung von Literaturverrwaltungssystemen abgeschlossen. Teilnehmen konnten alle, die von der Umfrage erfahren hatten, also nicht nur die Benutzer der Bibliothek. Es gingen etwa 1000 Antworten ein. Ein Hinweis darauf war u. a. auch in de.comp.text.tex gepostet worden. Lambert Heller hat die Ergebnisse der Umfrage heute zusammengefaßt. Sie erlauben ein Blitzlicht auf die derzeitige Nutzung von BibTeX im wissenschaftlichen Betrieb:

  • Fast 80 Prozent der Befragten arbeiten unter Microsoft Windows, je etwa 10 Prozent unter Linux und Apple Macintosh.
  • 35 Prozent haben schon einmal von BibTeX gehört, aber nur 19 Prozent verwenden es für die wissenschaftliche Arbeit. Führend ist hier Citavi, das von 28 Prozent benutzt wird, während 25 Prozent Zotero verwenden.
  • Nach Fächern aufgegliedert, ist BibTeX unter Ingenieuren und Naturwissenschaftlern genauso beliebt wie Citavi, das allgemein führend ist. Häufig wird in diesen Gruppen auch JabRef verwendet (9 Prozent aller Befragten insgesamt). Mendeley setzen 15 Prozent aller Befragten ein. Die Naturwissenschaftler sind mit BibTeX sogar noch etwas besser vertraut als die Ingenieure, bei denen Citavi und BibTeX etwa gleich häufig verwendet wird. Sie greifen aber etwa gleichviel auch zum Quellenmanager von Microsoft Word, der „in anderen Fächern (noch?) nahezu unbekannt ist“.
  • Die Möglichkeit, PDFs in der Literaturverwaltung verarbeiten zu können, fanden Naturwissenschaftler, von denen die meisten BibTeX-Benutzer sind, eher weniger interessant.
  • Die Naturwissenschaftler zeigen die geringste Neigung, an Online-Schulungen zum Thema Literaturverwaltung teilzunehmen – einen Umstand, den Lambert Heller auf die dort verbreitete „BibTeX-Kultur“ zurückführt: „… die meisten Befragten werden hier ohnehin bereits einen gewissen eigenen Lernaufwand hinter sich haben und daher kaum noch erwarten, viel Neues beigebracht zu bekommen.“ Immerhin: Ingenieure würden Präsenz-Schulungen an den Universitäten gegenüber Online-Schulungen bevorzugen.
  • Obwohl viele Teilnehmer an der Umfrage es begrüßen würden, wenn an den Hochschulen mehr freie Software zum Einsatz käme, sind die meisten der Ansicht, die Universitäten sollten Campus-Lizenzen bereitstellen.

Man sieht, daß es BibTeX schwer hat, außerhalb der Natur- und Ingenieurwissenschaften Fuß zu fassen, wobei ein Blick in die Auswertung der Umfrage zeigt, daß hier die Mathematiker mit den Naturwissenschaftlern eine gemeinsame Gruppe bildeten. Schade ist auch, daß die vorzügliche Plattform BibSonomy anscheinend so wenig genutzt wird, daß sie hier keine Erwähnung findet. Kritisch wäre anzumerken, daß sowohl Zotero als auch Mendeley das Format BibTeX verarbeiten können, so daß es interessant gewesen wäre zu erfahren, wie die damit gesammelten Daten von den Benutzern weiter verarbeitet werden.

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3 Antworten zu Neues über die „BibTeX-Kultur“

  1. Axel Berger schreibt:

    Ich verstehe die Gegenüberstellung nicht. Bibtex ist vor allem ein Format für Literaturquellen und in zweiter Linie eine Programm, um in diesem Format notierte Quellen in geTeXte Texte einzufügen. Jabref ist eine Oberfläche, mit der Datensätze in diesem Format angelegt werden können (und wäre es bedienbarer oder gäbe es etwas anderes bedienbareres, verwendete auch ich dieses Format).
    Ich verstehe nicht, wie man diese beiden in irgendeiner Form als Alternativen gegenüberstellen kann.

  2. jfenn schreibt:

    Ganz richtig. Aber es ging ja nicht um Gegenüberstellungen, sondern ich habe mir aus dem Blogpost von Lambert Heller und aus der Statistik herausgesucht, wie weit BibTeX, JabRef usw. verbreitet sind. Es ist, wie in dem Beitrag eingangs gesagt, ein Blitzlicht auf die derzeitige Marktlage. Mehr nicht.

    Übrigens gibt es eine etwas elegantere Alternative zu JabRef für den Mac, BibDesk, und wie schon erwähnt, kann man sich beim Erstellen von BibTeX-Datenbanken von jeder Lösung helfen lassen, die BibTeX exportieren kann, auch Online-Lösungen kommen dafür infrage (Zotero, Mendeley, BibSonomy oder der BibTeX-Export aus Bibliothekskatalogen, soweit vorhanden, oder aus Online-Datenbanken). Zu Online-Datenbanken siehe meinen Beitrag in DTK 4/2006, S. 40–46.

    Bloße Unbequemlichkeiten sollten einen nicht von BibTeX abhalten. Die eigentliche Frage ist heute BibTeX (das Programm und das Format) oder BibTeX (oder Biber) und BibLaTeX? Auch diese Differenzierung hat die Umfrage leider ausgelassen.

  3. tempelb schreibt:

    Für die Differenzierung “BibTeX (das Programm und das Format) oder BibTeX (oder Biber) und BibLaTeX” fehlte wahrscheinlich die empirische Grundlage – in unseren Kursen zum Digitalen Publizieren bestand schon an LaTeX/BibTeX meist nur minimales Interesse (Word-Nutzer waren weit überwiegend vertreten), so daß ich mich dabei auf die Erläuterung der grundsätzlich anderen Arbeitsweise beschränkt habe. Das hat dann auf die Gestaltung der Umfrage abgefärbt. Als Nutzer von biblatex seit Version 0.6 weise ich allerdings immer darauf hin, daß man inzwischen besser gleich biblatex und Biber verwendet, allein wegen des differenzierteren Datenformats und der nicht auf ASCII beschränkten Sortiermöglichkeit.

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