TeX & Friends

Zeitschriftenaufsatz, Videokurs, l2tabu und natdin, Writer2LaTeX, MacTeX 2008, LuaTeX, DANTE

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 16. April 2009

George Grätzer hat den zweiten Teil in einer Reihe von Aufsätzen über die neuere Entwicklung von LaTeX in der Mai-Ausgabe der „Notices of the American Mathematical Society“ veröffentlicht (S. 627–629). Der Beitrag ist als PDF-Datei herunterzuladen und stellt die Entwicklung der wichtigsten TeX-Distributionen dar, von den ersten Anfängen über die Gründung von CTAN bis zu MiKTeX und TeX Live. Es ist paradox (S. 628 f.):

Curiously, as the TeX installations get so much more technically complicated, the main direction of the development is clear: from the user’s perspective, everything is getting so much simpler.

On my Mac, I download MacTeX (which includes TeXShop and TeX Live). I get a standard Mac installation dialog box: I confirm the location of the installation on my hard disk, click on install, and I am done. Compare this with the thirty-page installation manuals of just a few years ago.

Hinweise auf Hilfen für Anfänger runden den Beitrag ab.

Weniger bekannt dürfte insbesondere sein, daß auf CTAN auch eine Reihe von neun Video-Präsentationen im Quicktime-Format bereitsteht, in denen George Grätzer eine schöne, anschauliche Einführung in die allerersten Schritte für den LaTeX-Anwender (nicht nur auf dem Mac) gibt. Wer auf einem MacBook arbeitet, sollte darauf achten, die Größe der Darstellung in Quicktime mit „CMD-0“ auf die Hälfte zu verkleinern, weil die Kontrollelemente des Players wegen der hohen Auflösung der Videos sonst nicht sichtbar sind. Die Tutorials können auch im VLC media player wiedergegeben werden.

Dominik Waßenhoven hat in der deutschsprachigen TeX-Newsgroup de.comp.text.tex darauf hingewiesen, daß l2tabu, „Das LaTeX2e-Sündenregister“ über „Veraltete Befehle, Pakete und andere Fehler“ von Mark Trettin, in einem Punkt mittlerweile überholt sei: In Version 1.8 heißt es unter 2.2.8 auf Seite 11 der PDF-Version, der BibTeX-Stil natdin sei obsolet. Stattdessen wird empfohlen, das Paket dinat von Helge Baumann zu verwenden. Beide Pakete dienen dazu, ein Literaturverzeichnis nach DIN 1505 mithilfe von BibTeX zu erstellen. Weil natdin von K. F. Lorenzen mittlerweile aber überarbeitet worden ist, könne das Paket wieder zusammen mit natbib eingesetzt werden. natbib von Patrick W. Daly und Arthur Ogawa implementiert numerierte Literaturangaben sowie Zitate im Autor-Jahr-Schema.

Auf die Entwicklung von Writer2LaTeX zu einer OpenOffice.org-Extension hatte ich bereits hingewiesen. Wegen der zwischenzeitlich aufgetretenen technischen Probleme bei der Verwendung der Extension von Writer2LaTeX 1.0 beta mit OOo 3.1 und wegen der angeblich mit OpenOffice.org inkompatiblen Lizenz, haben Entwickler nun im Chat vom 6. April 2009 vorgeschlagen, Writer2LaTeX ganz aus dem in den nächsten Wochen bevorstehenden neuen Release von OpenOffice.org zu entfernen (vgl. die Issues 100744 und 100836). Nach Lage der Dinge ist leider nicht zu erwarten, daß dem insoweit geäußerten Widerspruch Gehör geschenkt wird. Den LaTeX-Export wird man wahrscheinlich zukünftig per Extension in OpenOffice.org nachrüsten müssen. Das Release-Datum für OOo Version 3.1 ist unterdessen offiziell auf Ende April 2009 verschoben worden.

Dick Koch hat bekanntgegeben, daß der „Corrupt Font Cache Bug“ beim Einsatz von MacTeX 2008 behoben worden ist. Unter Apple Macintosh wird standardmäßig pdfTeX zur Erzeugung von PDF-Dateien verwendet. Nach dem erneuten Setzen eines Dokuments wurden bei einigen Anwendern plötzlich die gewohnten Fonts durch andere ersetzt. Der Fehler betraf alle Anwendungen, die auf die PDF-Routinen von Mac OS X zurückgreifen, also etwa TeXShop oder LaTeXiT. Der Fehler betrifft den Font Cache des Systems und kann, nachdem er aufgetreten ist, nur durch einen Neustart des Systems behoben werden. Melissa O’Neill war es in Zusammenarbeit mit den übrigen Entwicklern der zugrundeliegenden Anwendungen gelungen, die Ursache für dieses äußerst schwer zu ermittelnde Problem herauszufinden. Es zeigte sich, daß ein Bug in pdfTeX, der bereits seit 2004 auf allen Plattformen existiert, dafür verantwortlich war, aber auch dvips und einige Fonts in TeX Live stellten sich als fehlerhaft heraus. Diese Fehler können nicht über den TeX Live Manager tlmgr behoben werden. Das MacTeX-Team stellt deshalb auf der hierzu eingerichteten Seite einen Patch bereit, der als Paket leicht installiert werden kann. Hierdurch werden neue Versionen von pdfTeX und dvips installiert. Fehlerhafte Fonts werden dann beim Einbetten in die PDF-Datei automatisch korrigiert. Auf der genannten Website finden sich auch weitere Informationen zu dem Problem – das mir im übrigen bisher noch nicht begegnet ist. Wahrscheinlich kommt es darauf an, mit welchen Fonts man arbeitet, auf der MacOSX-TeX-Liste gab es nämlich einige Danksagungen betroffener Anwender. Zu erwähnen bliebe, daß der Bugfix nur zusammen mit MacTeX 2008 zu verwenden ist. Andere Distributionen, z. B. BasicTeX, müssen mithilfe anderer Patches, die man ebenfalls auf der genannten Seite findet, händisch gefixt werden.

Die aktuelle Version von LuaTeX ist mittlerweile beta 0.39.0 (dort auch die Release Notes).

Zum Abschluß sozusagen eine „Hausmitteilung“: Die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX (DANTE) e.V. war am 14. April 1989 gegründet worden und wurde somit am vergangenen Dienstag 20 Jahre alt. Dem Glückwunsch „Alles Gute DANTE, auf die nächsten 20 Jahre!“ müssen sich alle TeX-Anwender anschließen, wenn man bedenkt, was alles in dieser Zeit durch den unermüdlichen Einsatz von (letztlich nicht allzu vielen) ehrenamtlichen Mitarbeitern am Projekt erreicht wurde. Wer die weitere Entwicklung von TeX fördern möchte, möge dem Verein beitreten.

KOMA-Script 3.03, splitindex, Writer2LaTeX, odt2dtbook, juramisc, TikZ, LuaTeX, Typographie

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 1. April 2009

Markus Kohm hat Version 3.03 von KOMA-Script auf BerliOS veröffentlicht. Neu zu dem Bundle hinzugekommen ist das Paket scrhack, das bisher in einer Alpha-Version vorliegt. Das Paket beseitigt Inkompatibilitäten anderer Pakete mit KOMA-Script, indem es bestimmte Makros, die immer wieder zu Problemen geführt haben, umdefiniert. Bisher hält scrhack Lösungen für die Pakete hyperref, float und listings bereit. Die neue Version von KOMA-Script ist dank tatkräftiger Mithelfer auch wieder auf CTAN zu finden.

Unterdessen ist Markus Kohms Paket splitindex, nachdem es aus TeX Live entfernt worden war, wieder in die Distribution aufgenommen worden. Es kann also nun auch wieder über den Paketmanager installiert werden. Allerdings kam es zu einem Fehler bei der Erstellung des Pakets, so daß das Skript vorläufig nicht funktioniert. Karl Berry hat angekündigt, dem sobald wie möglich abzuhelfen – aber vielleicht reichen die Hinweise, die Daniel Becker auf der TeX-Live-Mailingliste gegeben hat, der einen oder dem anderen bis dahin zur Selbsthilfe aus.

Der Konverter Writer2LaTeX, dessen Homepage, wie bereits erwähnt, gerade auf Sourceforge verlegt worden ist, wurde nunmehr in Version 1.0 beta vorgestellt. W2l konvertiert das native OpenOffice-Textformat ODT nach LaTeX2e. Der Konverter steht zur Installation in OpenOffice.org erstmals auch offiziell als Extension zur Verfügung. Für das Schwesterprojekt Writer2xhtml gibt es eine separate Extension. Damit kann die in OOo vorinstallierte Version leicht auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Quellen gibt es als Tarball. Wer den Konverter auf der Kommandozeile einsetzen will, sollte das Zip-Archiv von Sourceforge herunterladen. Es enthält die Distribution in der bisher gewohnten Form. Autor Henrik Just weist darauf hin, daß die Extensions derzeit nicht in OpenOffice.org 3.1 installiert werden können, da der Extension Manager hierbei abstürze. OOo 3.1 befindet sich derzeit noch in der Entwicklung. Es soll Ende April 2009 veröffentlicht werden und eine Reihe neuer Features enthalten.

Eine weitere neue Extension für OpenOffice.org ist übrigens odt2dtbook, die das Speichern von ODT-Dokumenten im Format DAISY DTB erlaubt (einschließlich MathML). DAISY („Digital Accessible Information System“) ist ein ANSI/NISO-Standard, in dem insbesondere Hörbücher für Blinde und Sehbehinderte angeboten werden.

Axel Sodtalbers hat die Beta-Version 0.91b der Dokumentenklasse jurabook aus dem Paket juramisc auf seiner Homepage bereitgestellt. Es handelt sich um einen Bugfix-Release, bei dem ein, wie der Autor schreibt, „unglaublicher Tippfehler“ im Quelltext berichtigt worden sei. Außerdem können jetzt Fußnoten auch bei Verwendung der Option oldfootnotes mit einzeiligem Zeilenabstand gesetzt werden. Ein Update ist daher zu empfehlen.

Von David Haberthür stammt diese Anleitung zum Zeichnen einer Maßstabsleiste mit MATLAB und pgf/TikZ. Wie der Verfasser mitteilt, sei die Verwendung von MATLAB allerdings nicht zwingend.

Die Entwicklung von LuaTeX ist derweil bei Version beta 0.37.0 angekommen.

Zum Abschluß diesmal Hiweise zur Typographie und zur Drucktechnik: Christine Römer hat uns auf dieses Poster mit „12 goldenen Regeln für gute Typographie“ hingewiesen. Die wichtigsten typographischen Begriffe und Regeln werden hier auf einer Seite zusammengefaßt, und das ganze rund um das Motto: „Clevere Typographie macht Spaß“! Eine Art typographischer Crashkurs, also. Der Ersteller dieses „Ratgebers für die zeitgemäße und korrekte Textgestaltung“, die Firma Cleverprinting, bietet aber auch ein Handbuch mit Tips zur Erzeugung von PDFs für die Druckvorstufe zum kostenlosen Download an: Das „Cleverprinting-Handbuch 2009“. Die Darstellung erfolgt zwar nicht anhand von (La)TeX, sondern stellt auf den Einsatz von DTP-Programmen ab, es ist aber trotzdem jedem zu empfehlen, der PDF-Dateien für die Druckvorstufe zu erstellen hat (für den Hinweis bedanke ich bei dem Herrn Kollegen Michael Seidlitz). Und schließlich sei noch – nicht ganz unpassend zum heutigen Datum – das „Periodensystem der Schriften“ erwähnt. Der „Periodic Table of Typefaces – Popular, Influential & Notorious“ ordnet die am weitesten verbreiteten der vielen Schrifarten, mit denen es der Setzer heute zu tun hat, in Form des aus der Chemie bekannten Periodensystems an, beginnend bei der Helvetica als Nr. 1 und endend bei den Frakturschriften. Die Quellen, anhand derer dieses nicht ganz alltägliche Ranking erstellt wurde, sind auf der Abbildung angegeben, von der es auch eine größere und damit besser lesbare Fassung gibt. Die Zapfino trägt dabei übrigens die Nummer 51.