LaTeX3, TeXShop 2.20, MacTeX, Eutypon 21, Effizienz, Linuxtag
Joseph Wright hat in seinem Blog einige Ziele für die Entwicklung von LaTeX3 zusammengefaßt, die den aktuellen Stand des Projekts aufzeigen. Vor allem soll der neue LaTeX-Kernel viele Features beinhalten, die bis heute nur in einer Vielzahl von ergänzenden Paketen bereitgestellt werden – ähnlich wie bei ConTeXt. Das wäre sehr zu begrüßen. Die leichte Erweiterbarkeit ist sicherlich eine der Stärken von LaTeX. Andererseits macht sie dem Anfänger den Einstieg unnötig schwer, weil die große Zahl an Paketen auf CTAN auch mithilfe des TeX Catalogue kaum noch überschaubar ist. Hinzu kommen viele Inkompatibilitäten zwischen den Paketen, die der Anwender beachten muß. Das Programmieren in LaTeX müsse insgesamt konsistenter werden, schreibt Wright weiterhin. Die Ausgabe von LaTeX werde vollständig überarbeitet, um registerhaltigen Satz zu ermöglichen. Auch der Umgang mit Gleitobjekten, ein bekanntes Sorgenkind bei komlexen Beispielen, sollte nachhaltig verbessert werden.
In der darauffolgenden Diskussion wurde kritisch angemerkt, die von Wright angeführten Punkte seien zwar zutreffend, sie allein griffen aber zu kurz, weitere Features müßten implementiert werden. Als Beispiele nannte Martin Schröder die Integration des Pakets hyperref, diverse Dokumentenklassen wie KOMA-Script und die bessere Integration von UTF-8 und weiterer Fonts. Frank Mittelbach entwarf ein Modell aus mehreren Schichten, das er bereits auf der TUG 2008-Konferenz in Cork vorgestellt hatte und das nun schrittweise umgesetzt werden solle: Grundlegend sei das Paket expl3, das demnächst fertiggestellt werde. Diese Arbeit stelle das low level interface von LaTeX3 dar, das unmittelbar auf TeX aufsetze (und es teilweise berichtigen müsse). Hierauf setze eine weitere Schicht auf, in der beispielsweise die oben angesprochenen Features integriert werden könnten. Die dritte, oberste Schicht, der class design level, setze wiederum hierauf auf und könne somit auf alle darunterliegenden Features direkt zurückgreifen.
Ein Wermutstropfen zeichnet sich allerdings schon jetzt ab: LaTeX3 wird nicht mehr alle LaTeX2e-Dokumente und -Pakete verarbeiten können. Will Robertson meint deshalb, LaTeX2e werde nicht durch LaTeX3 ersetzt werden. Wer auf Rückwärtskompatibilität zu LaTeX2e angewiesen sei, müsse den alten LaTeX2e-Kernel verwenden. Es sei aber auch denkbar, daß LaTeX3 alten LaTeX-Quelltext eigenständig erkenne und dann automatisch auf den alten Kernel zurückgreife.
Dick Koch hat Version 2.20 des beliebten Editors und Previewers TeXShop für Mac OS X veröffentlicht. In seiner Ankündigung weist er darauf hin, TeXShop sei nun auch in der Lage, selbständig zu überprüfen, ob es Updates für das Programm gebe. Besonders begrüßt wurde, daß TeXShop – neben einigen weiteren Neuerungen – nun auch Zeilennummern anzeigen kann. Einige Änderungen sind so kurzfristig erfolgt, daß der dazugehörige Eintrag im Menü bzw. im Einstellungs-Dialog noch nicht ins Deutsche übertragen werden konnte, was sicherlich bald nachgeholt wird. TeXShop ist tatsächlich schrittweise verbessert worden und bietet heute eigentlich alles, was der durchschnittliche Anwender benötigen dürfte. Er ermöglicht es, insbesondere im Zusammenspiel mit BibDesk, weitgehend „mac-like“ zu arbeiten und bietet vieles unter einer intuitiv zu bedienenden Oberfläche, was man in anderen Editoren erst lange suchen muß. Freilich reicht TeXShop damit noch nicht an die Funktionalität eines Editors wie Emacs mit AUCTeX und RefTeX heran. Er ist aber ganz sicherlich der richtige Editor für alle, denen „weniger“ letztlich „mehr“ bedeutet.
Übrigens wurde MacTeX erneut upgedatet. Die neue Version vom 8. Januar 2009 beinhaltet jetzt auch die bereits erwähnte TeX Live Utility mactlmgr von Adam R. Maxwell, ein graphisches Frontend zu dem TeX Live Manager für die Pflege des TeX-Systems (Danke für diesen Hinweis an Daniel Becker).
Eutypon Nr. 21 vom Oktober 2008, die Zeitschrift der Greek TeX Friends, ist nun online veröffentlicht worden. Darin finden sich auch zwei Beiträge in englischer Sprache: Ein Interview mit Claudio Beccari, dem Entwickler der CB Greek Fonts und einen Beitrag Beccaris zu den Fonts, an denen er zusammen mit Apostolos Syropoulos gearbeitet hat. Der Artikel ist eine leicht erweiterte Fassung der Paketdokumentation.
Auf der MacOSX-TeX Mailingliste wurde Mitte Januar 2009 lebhaft über den Bericht eines Lesers von Macintouch diskutiert. Demnach (der ursprünglich zitierte Link funktioniert derzeit nicht mehr) habe sich bei der NASA Microsoft Word in Verbindung mit MathType im praktischen Einsatz als effizienter erwiesen als LaTeX:
Just a comment on the MathType vs. LaTeXIt discussion. A few years ago, I was the supervisor of the contractor staff at a NASA facility in the Technical Publications branch. The bulk of our work were „Technical Memorandums“ (book like projects reporting intermediate or final results of various research efforts). 95%+ of these were produced using MS-Word with MathType. 5% or less were produced using TeX in various flavors. The split reflected the form of the manuscript as received. Our role was to edit and format the documents in the NASA style — then proceed with printing and distribution.
The TeX documents looked better — but they were far more difficult to produce and we rarely ever met our contract-required timeline to complete our production cycle. The main problem was that the TeX macros (usually devised by the researcher) would often fail to work as expected. In contract, the MS-Word/MathType documents could be run through the process and out the door well within the required schedule.
TeX was created precisely to handle typesetting of complex equations and it does it very well. Most people have difficulty using it effectively. MathType is much easier to use, but does not do as nice a job with the typesetting. But for most purposes it’s entirely acceptable.
Über die Ursachen hierfür kann man trefflich streiten und mutmaßen. Jedenfalls aber zeigt das Beispiel, daß auch LaTeX nicht in jedem Fall der Weisheit letzter Schluß ist und sein Einsatz – gerade in einem größeren Umfeld – gute Vorbereitung und Schulung aller Beteiligten voraussetzt. Das ist aber beim Einsatz einer Textverarbeitung nicht anders.
Zum Abschluß deshalb etwas Positives: Der Linuxtag 2009 in Berlin steht bevor, und DANTE hat auch in diesem Jahr wieder eine Teilnahme ins Auge gefaßt. Helfer sind willkommen.
Helmut Kopka, Mathematiksatz, BibTeX
Der Autor Helmut Kopka ist am 7. Januar 2009 im Alter von 76 Jahren verstorben. Seine Einführung in das Textsatzsystem LaTeX erschien seit 1988 im Verlag Addison-Wesley und gehörte damit zu den ersten gedruckten Werken zu LaTeX in deutscher Sprache, wie man der Bibliographie von Nelson Beebe entnehmen kann. Seitdem ist „der Kopka“ bekanntlich auf drei Bände erweitert worden – ein Standardwerk, das praktisch in jeder wissenschaftlichen Bibliothek und auch bei vielen Anwendern greifbar ist. Die Übersicht bei der Reihe Pearson Studium zeigt, daß Band 2 derzeit nur noch im Rahmen der E-Book-Ausgabe lieferbar ist, die vergangenes Jahr erschienen war (vgl. meine Besprechung in DTK 4/2008, S. 70 ff.). Kopka war beim Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt. 1997 ging er in den Ruhestand. Danach erschien der dritte Band seiner Einführung, der bis heute unverändert vorliegt. Band 1 hatte Kopka zusammen mit Patrick Daly, dem Autor des BibTeX-Pakets natbib, seit 1993 in englischer Sprache unter dem Titel „Guide to LaTeX“ herausgebracht. Diese Einführung ist mittlerweile in vierter Auflage lieferbar.
Herbert Voß hat seine Einführung in den Mathematiksatz mit LaTeX „Math mode“ auf den neuesten Stand gebracht. Überarbeitet wurde vor allem die Bibliographie. Das 135 Seiten umfassende Paper ist eine aktualisierte Kurzfassung seines Buches, das im März unter dem Titel „Mathematiksatz mit LaTeX“ in der Reihe „Edition DANTE“ bei Lehmanns erscheinen soll.
Eine gute Ergänzung hierzu ist die Übersicht von Moritz Nadler „ISO-31-konformer Formelsatz in LaTeX“ (Quelltext), die den Mathematiksatz nach ISO darstellt, der in vielen Punkten von den deutschen Empfehlungen nach DIN abweicht, einschließlich dem Umgang mit Einheiten und Konstanten.
Abschließend noch einige Hinweise zur Arbeit mit BibTeX-Datenbanken:
Citeline, ein Dienst des MIT, hilft bei der Veröffentlichung eigener Bibliographien im Web, indem er BibTeX-Datenbanken nach HTML umsetzt. Diese können bebliebig weiterverwendet werden. Wer seine Bibliographie mithilfe des Firefox-Add-ons Zotero verwaltet, kann den Import der Daten nach Citeline nun wesentlich vereinfachen. Ein weiteres Firefox-Plug-in namens Zotz kann ganze Sammlungen aus Zotero über das BibTeX-Format nach Citeline exportieren. Ein Video demonstriert die Vorgehensweise im einzelnen.
CiteInPages von Jim Harrison ist eine Sammlung von vier AppleScripts, mit deren Hilfe die Literaturverwaltung BibDesk mit der Textverarbeitung Pages aus dem Office-Paket iWork von Apple zusammenarbeiten kann. CiteInPages soll mit Pages ’08 und ‘09 funktionieren. Damit sei es möglich, sowohl einzelne Zitate als auch komplette Bibliographien in ein Dokument einzufügen. Wegen der eingeschränkten AppleScript-Unterstützung von iWork funktioniert CiteInPages allerdings nicht in Fußnoten, in Tabellen und in Textrahmen. Wenn also Fundstellen in Fußnoten in den Text eingefügt werden müssen, wird man sich leider nach einer anderen Lösung umsehen müssen. Wer auf dem Mac lieber mit Microsoft Word schreibt, der möge BibDesk To Word von Conan C. Albrecht testen. Das Python-Skript sucht alle Zitate in einem Word-Dokument und stellt aus den bibliographischen Daten, die in BibDesk vorliegen, eine Literaturliste zusammen. Diese Lösung baut auf den AppleScripts BibFuse von Colin A. Smith auf.
Zu ergänzen wäre, daß es auch vom Zotero-Team eine Extension für OpenOffice.org (leider auf dem Mac nur mit einem Patch in OOo 3.0 zu verwenden) und Plug-ins für Microsoft Word gibt (leider nicht für Word 2008).
LaTeX-Community, Aquamacs 1.6, Zotero und Bibsonomy, Spanisch, Calc2LaTeX, Vorlagen, TeX-Entwicklung, LaTeX-Mythen, Twitter
LaTeX Community ist das englischsprachige LaTeX-Portal von Sven Wiegand, dem Entwickler des Editors TeXnicCenter für Microsoft Windows. Auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Start ist dieser Anlaufpunkt für alle Fragen rund um (La)TeX neu gestaltet und dabei deutlich erweitert worden. Dem unverändert vorhandenen Webforum wurden Abteilungen zu Neuigkeiten (mit RSS-Feed) und eine Sammlung von Anleitungen („Know-how“) zur Seite gestellt. Dieser Teil ist derzeit noch leer. Hier können angemeldete Anwender ihre LaTeX-Kenntnisse mit anderen aus der „Community“ teilen.
Eine Woche nach der Freigabe des neuen Carbon Emacs hat David Reitter nachgezogen und Aquamacs 1.6 veröffentlicht. Die Unterschiede zwischen den beiden Emacs-Portierungen für Mac OS X hatte ich schon einmal beschrieben. Auf der Website findet man eine umfangreiche Übersicht über die Unterschiede zwischen Aquamacs, dem „normalen“ Emacs 22, BBEdit 8.0 (aktuell ist v9.0.2) und Smultron. Reitter weist dort auf den „sehr guten“ LaTeX-Support in Aquamacs hin, was ich aus früheren Versionen bestätigen kann. Die Entwicklungsumgebung AUCTeX ist ebenso vorinstalliert wie viele andere nützliche Lisp-Pakete. David Reitter bittet um Spenden zur Finanzierung seines rührigen Projekts. Auf Wünsche von Anwendern auf der MacOSXEmacs-Liste geht es gerne und zügig ein. Wie bereits erwähnt, gefallen mir die vielen Features, mit denen das Interface auf die Aqua-Oberfläche von Mac OS X hin gestaltet wird, nicht. Als ich Aquamacs zuletzt installiert hatte, registrierte der Installer ohne Nachfrage eine ganze Reihe von Dateitypen. Im Gegensatz dazu ist Cabon Emacs viel zurückhaltender, ein klassischer Emacs, der sich ebenfalls dank AUCTeX ganz vorzüglich zum TeXen eignet.
Leider immer öfter anzutreffen sind die falschen Schreibweisen „LaTex“ und „BibTex“ anstelle von „LaTeX“/„BibTeX“ (das mußte mal gesagt werden…).
Patrick Danowski, ein offenbar begeisterter Wikipedianer, bloggt und twittert schon seit einiger Zeit recht gehaltvoll zum Thema Bibliothek 2.0 (früher auch bei WordPress). In einem neuen Beitrag erklärt er nun, wie man Zotero dazu überreden kann, Einträge im BibTeX-Format per Drag und Drop nach Bibsonomy zu exportieren (und zu importieren). Bibsonomy ist ein öffentlicher Bookmarking-Dienst, der von der Universität Kassel betrieben wird. Man kann dort seine WWW-Bookmarks und auch ganze Literaturlisten ablegen und übers Netz pflegen.
Die LaTeX-Unterstützung für Texte in Spanisch von Javier Bezos und Julio Sanchez ist auf CTAN neu untergliedert worden. Dort findet man seitdem die jeweils aktuelle Version des Spanish-Styles für babel einschließlich der spanischsprachigen Dokumentation.
Auch Calc2LaTeX, ein Makro zum Konvertieren von OpenOffice.org Calc-Tabellen nach LaTeX von Shohei Abe, gibt es jetzt als Extension für OpenOffice.org 3. Hanjo Iwanowitsch berichtet aber über Probleme unter Apple Macintosh. Schon früher war das Parallelprojekt Writer2LaTeX in der Entwicklerversion als OOo-Extension veröffentlicht worden.
Auch aus der Vorlagen-Sammlung der UK TUG gibt es neues zu vermelden: Hinzugekommen ist eine Vorlage für Serienbriefe, die mit einer CSV-Datenbank arbeitet.
Jonathan Fine, der Vorsitzende von UK TUG, wird in der Interview Corner der TeX Users Group vorgestellt. Er beschreibt die Lage, in der sich die TeX-Entwicklung seiner Ansicht nach befinde, pessimistisch und vielleicht auch etwas resignativ:
„I was at the 2008 TUG Conference, and wished that the level of technical communication and debate was higher. I felt, for example, that LaTeX3 and LuaTeX/ConTeXt were ignoring each other. Both projects share problems and a platform, but I’m not aware of significant ongoing discussion or sharing of code involving both these projects. Similarly, XeTeX use an extended DVI format (called xdv), while so far as I know LuaTeX ignores it, and has nothing similar.
It’s easy years on to look back on the past as a golden age, but I feel that 25 or so years ago there was an excitement and confidence and energy in the TeX community, similar for example to the more recent emergence of GNU/Linux as a free operating system. I don’t see enough of this energy present today, and I think this lack is one of our major challenges.“
Auf der TYPO-L-Mailingliste erkundigte sich ein Anwender, welche (DTP-) Software Ergebnisse erziele, die mit denjenigen von LaTeX vergleichbar seien. Die Diskussion wurde sowohl von Christina Thiele als auch von Peter Flynn zum Anlaß genommen, mit einem der größten Mythen um LaTeX aufzuräumen: Mit der Behauptung nämlich, daß sich LaTeX vor allem für den Mathematiksatz eigne. Beide bekannten, sie hätten LaTeX bisher noch nie bzw. nur sehr selten für diesen Bereich eingesetzt. Flynn:
„I have done precisely one math/physics book in 20 years. All the rest were in other (non-math) fields.“
Und er wies weiterhin darauf hin, daß die typographische Qualität eines Buches weniger von der verwendeten Software als von dem Anwender abhänge, der sie einsetzt:
„…in trained hands – almost any system can produce work of a specified quality.“
In der Newsgroup de.comp.text.tex wurde darauf hingewiesen, daß Texte, die mit TeXShop auf Apple Macintosh in der Kodierung UTF-8 geschrieben wurden, in Kile unter Linux nicht fehlerfrei geöffnet werden können (jeweils Intel-64). Die Ursache hierfür konnte nicht geklärt werden.
Zum Schluß wieder ein Hinweis in eigener Sache: Für kleine Anmerkungen habe ich diese Woche eine Seite bei Twitter eingerichtet. Dort möchte ich vorwiegend, aber nicht nur zu TeX & Friends schreiben, wobei ich den Dienst eher als ein kleines Blog verstehe. Auf jeden Fall will ich versuchen, mich trotz der Beschränkung auf 140 Zeichen für einen Beitrag im ganzen Satz verständlich zu machen. Wer mir dorthin nicht folgen will, kann den Dienst auch per RSS-Feed abonnieren, wie dieses Blog ja auch.
Carbon Emacs, SimpleTeX4ht, philosophy und brain_damage, LuaTeX, Blogs
Seiji Zenitani, der Entwickler des Carbon Emacs für Apple Macintosh, schreibt, er gehe davon aus, daß die aktuelle Version 22.3 der letzte Stand von GNU Emacs 22 sein werde. Nachdem der Carbon Emacs bisher etwa vierteljährlich neu veröffentlicht worden war, werde es daher in Zukunft seltener Updates geben. Für 2009 habe er nur einen Release vorgesehen, der seit heute als 2009 edition auf der Projekt-Homepage zum Download bereitsteht (Universal Binary für Mac OS X 10.5.x). Den nächsten Release habe er erst für 2010 in Aussicht genommen, wobei noch nicht feststehe, ob es wieder eine Carbon- oder eine Cocoa-Version geben werde. Es könne aber auch sein, daß der diesjährige Release der letzte ist, den Seiji Zenitani bereitstellen werde.
Wie bereits erwähnt, arbeite ich seit meinem Umstieg auf den Mac mit Zenitanis Carbon Emacs und bin sehr zufrieden damit. Es wäre zu bedauern, wenn er die Entwicklung seiner Emacs-Portierung einstellen würde.
SimpleTeX4ht von Yves Gesnel ist eine graphische Oberfläche für Mac OS X, die als Frontend zu dem mächtigen Konverter TeX4ht dient. Die Anwendung steht in mehreren Übersetzungen zur Verfügung; die deutsche Lokalisierung stammt von Peter Dyballa. TeX4ht ist seit langem der mächtigste und am besten ausgereifte Konverter von LaTeX nach diversen XML-basierten Formaten.
TeX Live 2008 – und somit auch MacTeX 2008 – enthalten leider nur eine abgespeckte Version von TeX4ht, in der u. a. die Skripte oolatex zur Erzeugung des Formats ODT (das native Format von OpenOffice.org Writer) und mtlatex für MathML nicht enthalten sind. Das bedeutet nun aber nicht, daß man diese Formate mit der Distribution nicht erzeugen könnte. Darauf weist Clea F. Rees auf ihrer Userseite im TeX on Mac OS X-Wiki hin. Wer diese Funktionen in TeX4ht nutzen möchte, muß nur die dementsprechenden Parameter beim Aufruf von htlatex im Terminal direkt eingeben. Ein Blick ins Manual zeigt aber, daß die Syntax nicht gerade eingängig ist. Eine Möglichkeit, dem auszuweichen, besteht darin, das Programm stattdessen mittels mk4ht oolatex dateiname aufzurufen.
Hier kommt SimpleTeX4ht ins Spiel, dessen Bedienung tatsächlich denkbar einfach ist: Man zieht die zu konvertierende tex-Datei mit der Maus aus dem Finder in das Programmfenster, wählt das Dateiformat aus, in das sie umgesetzt weden soll und startet die Konvertierung per Mausklick. Ein Fortschrittsbalken erscheint, und schließlich liegt die konvertierte Version im gewünschten Format im Arbeitsverzeichnis vor, in dem auch die tex-Datei abgelegt ist. Im Expertenmodus können auf Wunsch sowohl TeX4ht als auch dem LaTeX-Compiler ergänzende Parameter mitgegeben werden, durch die die Konvertierung im einzelnen gesteuert wird. SimpleTeX4ht arbeitete im Test zuverlässig unter Mac OS X 10.4.11 und 10.5.6. Es steht unter GPL 3.
Mithilfe von TeX4ht und OpenOffice 3 ist es insbesondere möglich, LaTeX-Dokumente ins doc-Format zu wandeln – ein Feature, das oft gewünscht wird. Bei der Wandlung von LaTeX nach ODT fällt leider auf, daß in der von TeX4ht erzeugten ODT-Datei der rechte Seitenrand auf null gesetzt wird, was wenig sinnvoll, aber in den Einstellungen für die Seitenvorlage im Writer leicht zu berichtigen ist. Das Inhaltsverzeichnis enthielt leider keine Hyperlinks, die Abschnitte des Texts konnten aber im Navigator ausgewählt werden.
Ebenfalls auf ihrer Benutzerseite weist Clea F. Rees übrigens auf Alternativen zu meinem wordlike.sty hin, mit dem ich einst versucht hatte, das typische Layout einer Textverarbeitung mit LaTeX zu simulieren: Gregory Wheelers philosophy.sty (vgl. seine Homepage) und Allin Cottrells brain_damage.sty sind ähnliche Versuche in dieser Richtung, typographische Gesichtspunkte bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten hintan zu stellen.
Tako Hoekwater hat auf die neue LuaTeX-Mailingliste der TeX Users Group hingewiesen, die man ab sofort abonnieren kann. Diese neue Liste für Anwender ergänzt die Entwickler-Liste der niederländischen TeX-Anwendervereinigung NTG, die auch auf Gmane verfügbar ist. Dort findet sich auch ein öffentliches Archiv der Liste.
Außerdem soll LuaTeX demnächst in TeX Live im Verzeichnis /texmf/luatex/lua/ installiert werden. Skripte gehören weiterhin nach /texmf/scripts/lua. Dabei handelt es sich um eine Ergänzung der TeX Directory Structure.
Zum Schluß diesmal eine kleine Blogschau: Joseph Wright gibt Tips, die man beachten sollte, wenn man vorhat, seine LaTeX-Dokumente in UTF-8 zu schreiben. Und Kjell Magne Fauske hat eine Seite über das Grafikpaket pgf/TikZ von Till Tantau mit einer Gallery eingerichtet. Er führt auch ein interessantes Blog, auf dem man unter anderem auch einen Überblick über einige englischsprachige TeX-Blogs findet, die man auch als als RSS-Feed abonnieren kann. So kann man derzeit 15 englischsprachige LaTeX-Blogs verfolgen.
XeTeX, D.E.Knuth, Vorlagen, gridset, Bücher, TeX Catalogue, ConTeXt
Die Entwicklung der Farsi-Pakete für XeLaTeX findet in letzter Zeit öfter Erwähnung in den Mailinglisten. Vafa Khalighi entwickelt xepersian und hat nun auch xecolour veröffentlicht, mit dem es möglich ist, Text bidirektional farbig zu setzen. Außerdem hatte er D.E.Knuth um dessen Meinung zur Entwicklung des bidirektionalen Textsatzes mit Omega und TeX-e-Parsi gebeten. Er möchte sowohl das TeXBook als auch „TeX: The Program“ ins Persische übersetzen. Knuth hat ihm zu Beginn des Monats geantwortet.
(Nebenbei bemerkt: Die Liste von acht infrequently asked questions, die Knuth auf seiner Homepage führt, ist lesens- und bedenkenswert).
Die Vorlagensammlung bei der englischen TeX-Anwendervereinigung UK-TUG hatte ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt. Sie ist nun um einige Links zu Vorlagen für Dissertationen bei englischen Universitäten ergänzt worden. Außerdem ist eine Vorlage zur Erstellung einer einfachen Einnahmen-Überschuß-Rechnung hinzugekommen. Leider besteht wohl keine Bereitschaft, die Sammlung zu den anderen Vorlagen auf CTAN zu stellen.
Es ist kaum möglich, mit LaTeX registerhaltigen Satz zu erzeugen. Solange reiner Fließtext zu verarbeiten ist, fällt dies nicht weiter auf, weil die Zeilen dann grundsätzlich deckungsgleich auf gleicher Höhe plaziert werden. Jedes Element aber, das den Fluß des Texts unterbricht, also jede – gar mehrzeilige… – Überschrift, jede mathematische Formel, jede Tabelle oder Abbildung und jede Fußnote, stört notwendigerweise die Registerhaltigkeit des Satzes. Markus Kohm wies nun auf der TeX-D-L-Mailingliste auf ein experimentelles Paket zum registerhaltigen Satz in LaTeX hin, das er vor einiger Zeit auf der KOMA-Script-Projektseite veröffentlicht hatte. Das Paket gridset ist eine „unsupported alpha version“. Sie kann auch unabhängig von KOMA-Script verwendet werden und steht zum Testen bereit.
ConTeXt beherrscht den registerhaltigen Satz übrigens schon seit einiger Zeit. Dort wird er mit einem einfachen \setuplayout[grid=yes] aktiviert.
Zum Schluß wieder ein paar Hinweise in eigener Sache: Zwei Buchbesprechungen, die vergangenes Jahr in der DTK erschienen waren, habe ich auf CTAN gestellt, nämlich die Beiträge zur Neuauflage des „LaTeX Graphics Companion“ (auch „LGC2“ genannt; Addison-Wesley, 2007; siehe auch: c’t 23/2007, S. 206) und zu Anselm Lingnaus LaTeX Hacks (O’Reilly, 2007; siehe auch: c’t 18/2007, S. 194).
Außerdem habe ich mir über den Jahreswechsel aufgrund zweier freundlicher „Anstöße“ per E-Mail endlich die Zeit genommen, den „Topic Index“ zu Graham Williams’ TeX Catalogue zu überarbeiten. Der Abschnitt zu den Grafikpaketen wurde nach dem Vorbild des LGC2 neu gefaßt. Dabei wurde außerdem das neue Paket pgf/TikZ (Homepage) von Till Tantau aufgenommen, das immer mehr Anwender findet. Und auch der Abschnitt zu ConTeXt wurde wesentlich erweitert. Zum Release von TeX Live 2008 wurden viele Pakete, die nunmehr im offiziellen ConTeXt-Release enthalten sind, auf CTAN gestellt. Sie werden hier jetzt auch erwähnt.
LaTeX-Pakete schreiben und veröffentlichen, ctanify, Zotero
Das Schreiben eines LaTeX-Pakets zählt eher zu den Aufgaben für fortgeschrittene LaTeX-Anwender. Die meisten Autoren werden es damit bewenden lassen, ihren Quelltext aus der Präambel des Dokuments in eine sty-Datei auszulagern. Auch auf CTAN findet man viele solcher Beispiele. Das Standardformat zum Verteilen von LaTeX-Quelltext aber ist das doc-System. Es wird in zwei Einführungen grundlegend beschrieben: Zum einen in „LaTeX2e for class and package writers“, das jeder Distribution beiliegen sollte und das lokal mittels Terminal-Eingabe von texdoc clsguide geöffnet werden kann. Zum anderen – viel ausführlicher und, vor allem, auf Deutsch – im Kapitel 14 der zweiten Auflage des „LaTeX-Begleiters“ (Pearson Studium, 2005). Wer tiefer in die hohe Kunst des Paketeschreibens einsteigen möchte, der lese den klassischen Aufsatz von D.E.Knuth zum „Literate Programming“, wieder abgedruckt in dessen gleichnamigem Buch von 1992 (auf der Website, die dem Thema gewidmet ist, findet sich eine umfangreiche Dokumentation dieses mittlerweile etwas aus der Mode gekommenen Ansatzes; die diesbezügliche Newsgroup ist praktisch tot). Auch das Studium von Paketen anderer Autoren kann sehr hilfreich sein.
Daneben gibt es eine praktische Einführung von Scott Pakin namens „How to package your LaTeX package“, und auch sie sollte sich lokal mit texdoc dtxtut auftun. Wer sich etwas umsieht, wird bemerken, wie viele Autoren sich an die Vorlage gehalten haben, die Pakin seiner Einführung beigelegt hat.
Wer sein Paket auf CTAN veröffentlichen möchte, sollte sich die Vorgaben der CTAN-Maintainer hierfür näher anschauen. Für das Hochladen steht ein Webformular zur Verfügung, bei dem man eigentlich nichts falsch machen kann. Nach der Eingabe der persönlichen Daten des Autors und der Auswahl der Lizenz, unter der das Paket veröffentlicht werden soll, wählt man den Pfad zur lokal gespeicherten Datei und klickt sodann auf „submit contribution“. Fertig.
Die eigentliche Mühe besteht in dieser Phase für den Autor darin, sein Päckchen, das er auf CTAN hochladen will, fachmännisch zu schnüren. Besteht es aus mehreren Dateien, sollte es vorher als ZIP-Archiv gepackt werden. Hierzu legt man ein Verzeichnis an, das man zweckdienlicherweise genauso nennt wie das Paket, und kopiert alle Dateien hinein. Dieses Verzeichnis komprimiert man nun. Auf dem Mac geht dies leicht übers Kontextmenü „Archiv von … erstellen“ im Finder. Erstellt man gleich (oder zusätzlich) ein TDS.ZIP-Archiv, kann dieses leicht durch einfaches Entpacken in den lokalen texmf-Baum installiert werden. Auch eine Anleitung im PDF-Format und eine README-Datei (als reiner Text) sollten dem Paket beigegeben werden.
Diese Packarbeiten erleichtert nun ein neues Perl-Skript namens ctanify, das Scott Pakin gerade auf CTAN veröffentlicht hat. Das Skript erstellt aus den fertigen dtx-, ins-, sty- und pdf-Dateien ein TDS-konformes TDS.ZIP-Archiv, das neben den Quelltexten und der Anleitung noch einmal in ein tar.gz-Archiv verpackt wird.
Das Paket wurde unter Linux getestet und funktioniert auch unter Mac OS X Tiger. Es sollte auf jeder Plattform lauffähig sein, auf der Perl und die entsprechenden Packerprogramme für die Kommandozeile installiert sind. Wie jedes Skript, so muß auch ctanify zur Installation mittels chmod +x ctanify ausführbar gemacht und im Pfad abgelegt werden. Eine kleine Fehlermeldung beim Test auf dem Macintosh beeinträchtigt die Funktion nicht, wurde aber dem Paketautor bereits gemeldet. Allerdings erwartet das Skript ein sty-File zum Einpacken; wird ihm stattdessen eine LaTeX-Klasse mit der Endung cls angeboten, bricht es ab und verlang nach einem LaTeX-Stil. Auch diese Beschränkung sollte beseitigt werden, denn das Skript kann die Veröffentlichung von LaTeX-Paketen ganz wesentlich vereinfachen und sollte dem Autor deshalb keine diesbezüglichen Beschränkungen auferlegen.
Abschließend noch der Hinweis, daß ich meinen Artikel zu „Literaturverwaltung mit Firefox, Zotero und BibTeX“, DTK 4/2007, S. 20–26, online gestellt habe.
