TeX & Friends

TeX Live 2009, MacTeX 2009, Binaries für FreeBSD, LuaTeX 0.46.0, LaTeX News 19, TeX Catalogue, pdfTeX 1.40.10-RC, JabRef 2.6 beta 2, Writer2LaTeX 1.0 final, WinShell 3.31, LEd 0.53, TeXMakerX 1.9.2, TeXTable 0.2, LyX 1.6.4.2, LaTeXiT 2.0.1, PS-Tricks-Editoren, l2tabu 2.1, TeX4ht, LaTeX2HTML, OpenDocument, TeXnicCenter 2.0, biblatex-jura, Frakturschrift und Typographie, Buchmessennachlese, KOMA-Script, tocstyle, dtx-Dateien schreiben, DTP-Programme, PDF/A, Donald E. Knuth, Tagungen, Facebook

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 30. November 2009

Am 9. November 2009 (genauer: morgens um 2.22 Uhr unserer Zeit) ist TeX Live 2009 veröffentlicht worden. Näheres hierzu kann man in den Release Notes nachlesen. Es gibt auch wieder eine Liste der bekannten Bugs, die Karl Berry, wie auch in den Vorjahren, pflegen wird. Wer dies alles lieber auf Deutsch nachlesen möchte, kann das in einem Beitrag tun, den ich für den Heise Newsticker geschrieben hatte (einen Tag später mehr oder weniger abgeschrieben von der Konkurrenz bei Golem, die den Release ohne die Heise-Meldung ganz bestimmt verschlafen hätte; Aktuell-Meldung auch in c’t 25/2009, S. 52).

Hervorzuheben wäre nach alledem insbesondere, daß die TeX-Primitive \write18, die für einige Binaries von TeX Live standardmäßig freigegeben werden sollte, nun aus Sicherheitsgründen doch nicht für den Aufruf bestimmter Programme freigegeben worden ist. Man muß sie also weiterhin händisch aktivieren. Karl Berry hat gerade noch einmal bestätigt, daß es für TeX Live 2009 keine Updates zu LuaTeX geben wird. Die Distribution enthält LuaTeX 0.40.0, während Taco Hoekwater gerade Version 0.46.0 veröffentlicht hat. Wer immer mit der neuesten Version von LuaTeX arbeiten möchte, sei also nochmals auf ConTeXt Minimals verwiesen. Übrigens ist LuaTeX nun auch über MacPorts zu installieren. Maintainer ist Patrick Gundlach. Stand ist dort derzeit noch LuaTeX 0.43.0.

Eine kleine Blog- und Presseschau zu dem neuen Release von TeX Live hatte ich auf der Projekt-Mailingliste gepostet.

Auch MacTeX 2009 wurde zeitgleich freigegeben. Neu auf der dortigen Projekt-Homepage ist eine Liste mit direkten Links zu Spiegelservern, von denen man das 1,3 GB große MacTeX-Paket herunterladen kann, wenn der Mirror-Link auf der Startseite einmal nicht funktionieren sollte. Nachträglich wurden auch 64-Bit-Binaries für MacTeX veröffentlicht. Dank Nikola Lečić stehen seit kurzem auch Binaries für FreeBSD bereit. Die Plattform war aufgrund von Problemen mit den shared libraries von der Distribution nicht mehr unterstützt worden. Binaries sind nun für FreeBSD 6, 7 und 8 für 32 und 64 Bit verfügbar. Windows-Anwender werden sich vielleicht fragen, ob man besser TeX Live 2009 oder MiKTeX 2.8 installieren sollte. Joseph Wright hat dazu in seinem Blog ein paar Argumente zusammengetragen.

Übrigens könnte dies die letzte Version von TeX Live sein, die man from scratch vollständig neu installieren muß. Ein kontinuierliches Update der Vorjahresversion war bisher nicht möglich. Herbert Schulz hofft, daß sich dies zukünftig ändern könnte. Wenn man also laufend seine Pakete in TeX Live 2009 updatet, könnte sich der große Versionssprung von einer Version zur nächsten damit erledigen.

LaTeX News 19, der halbjährliche Newsletter des LaTeX-Projekts, war bereits im September erschienen. Das Projekt weist darauf hin, daß es rechtzeitig zu TeX Live 2009 einen Maintanance Release von LaTeX2e gegeben habe, lediglich kleinere Bugs im LaTeX-Kernel seien behoben worden, außerdem sei der Unicode-Support leicht verbessert worden. Dabei handele es sich um den ersten Release seit der Veröffentlichung der zweiten Auflage des LaTeX-Begleiters 2005/2006. Die Pflege des LaTeX2e-Kernel werde von nun an aber weniger intensiv erfolgen als in der letzten Zeit, da die noch darin verbleibenden Fehler mittlerweile eher wenig bedeutsam sind. Grundlegende Änderungen werde es auch nicht mehr geben, unter anderem um zu gewährleisten, daß ältere Dokumente weiterhin verarbeitet werden können. Intensiv werde dagegen weiterhin an dem Paket babel gearbeitet. Deshalb sei das Paket auch noch nicht in dem öffentlichen SVN-Repository zu finden, das neu eingerichtet worden ist. Neuerungen bei LaTeX3 werde es weiterhin bei den Paketen expl3 und xpackages geben.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß der TeX Catalogue auf sarovar.org nicht mehr weitergepflegt wird. Es gibt ihn jetzt nur noch auf CTAN. Deshalb verlinke auch ich in diesem Blog nur noch auf diese Version.

Weiterhin auf sarovar.org wird allerdings das pdfTeX-Projekt gehostet. Aktuelle Version ist seit dem 20. November 2009 pdftex-1.40.10-RC, ein Maintanance Release.

Von einigen Programmen hat es zwischenzeitlich Updates gegeben: Die Literaturverwaltung JabRef 2.6 beta 2 war Anfang November veröffentlicht worden. Die Extensions für OpenOffice.org Writer2LaTeX und Writer2xhtml sind schon seit September 2009 in der Version 1.0.0 final verfügbar. Die Installation erfolgt leicht über den Extension Manager von OpenOffice.org. Außerdem sind die TeX-Editoren WinShell 3.31 beta, LEd 0.53 und TexMakerX 1.9.3, ein Fork von Texmaker, den Benito van der Zander entwickelt, sind veröffentlicht worden.

Leider ist TeXTable, der flinke Helfer zum Erstellen von Tabellen auf dem Mac, seit geraumer Zeit nicht mehr über die bisherige Website herunterzuladen. Nachdem die Homepage des Programms schon einmal ganz offline war, ist sie mittlerweile wieder aufgetaucht, der Download-Link funktioniert aber nicht, man wird nur auf eine Leerseite weitergeleitet. Es wäre sehr zu hoffen, daß das Programm bald wieder erhältlich sein wird. Ich verwende es sehr gerne, um kleine LaTeX-Tabellen zu erstellen.

Von LyX hat es einen Bugfix-Release 1.6.4.2 für Snow Leopard gegeben. Und LaTeXiT 2.0.1 behebt Probleme mit Mac OS X Leopard Intel.

In der DANTE-eV-Mitgliederliste wurden vor kurzem mehrere Grafikeditoren erwähnt, die PS-Tricks-Quelltext exportieren können. Leider konnte ich diese Editoren noch nicht hinreichend testen, ich möchte die Hinweise auf Inkscape, GeoGebra, LaTeXDraw und jPicEdt aber gerne weitergeben. Zu dieser Art von geometrischen Zeichenprogrammen fällt mir noch der Klassiker Zirkel und Lineal (ZuL) ein, das aber wohl keinen PS-Tricks-Code exportieren kann.

Marc Ensenbach hat zu seiner Neubearbeitung von l2tabu schnell eine neue Version folgen lassen, und ich gelobe erneut, sie so bald wie möglich ins Englische zu übertragen.

Über die Fortführung des Projekts TeX4ht durch Radhakrishnan CV und Karl Berry nach dem Tod von Eitan M. Gurari hatte ich bereits berichtet. Neu ist nun dieses „web notebook“, in dem die beiden neuen Maintainer Material zur Funktion von TeX4ht sammeln, das ihnen unterkommt. Die schlecht zugängliche Dokumentation hat die Arbeit mit dem Programm schon immer erschwert. Zum Ausgleich war Eitan Gurari aber ausgesprochen hilfsbereit. Er las ständig die Newsgroup comp.text.tex mit und half bei Fragen immer gerne weiter. Offenbar ist es nicht ganz einfach, die notwendigen Informationen zusammenzustellen, um das Programm weiterpflegen zu können.

A propos Konverter: Nasser M. Abbasi beschreibt die Installation von LaTeX2HTML für MiKTeX 2.8. Auch der Urahn der LaTeX-Konverter stand unlängst auf dem Prüfstand eines Wikipedia-Löschverfahrens. Der Benutzer syncro begründete seinen Löschantrag: „Wenn dieses LaTeX-Helferleinchen wichtig ist, müsste die Relevanz im Artikel noch dargestellt werden und der Rest von WP:RSW erfüllt werden. So ist das kein tauglicher Artikel.“ Der Beitrag wurde letztlich beibehalten, weil es sich bei LaTeX2HTML um eine „bedeutsame, ehemalige Programmiersprache“ (sic!) handele, meinte der Admin jackdt am 1. November 2009 zur Begründung seiner Entscheidung. Es ist nicht ohne Mut, Artikel aus der Wikipedia zu verlinken, man weiß schließlich nicht, wie lange es sie noch geben wird …

Leif Lodahl vom Dänischen OpenOffice.org-Projekt berichtet übrigens in seinem Blog über eine Kontroverse um die Einführung des OpenDocument-Formats in der öffentlichen Verwaltung. Das dänische Parlament habe sich für einen Umstieg von MS-Office-Formaten auf OpenDocument ausgesprochen. Die Regierung habe wegen der zu erwartenden Kosten Bedenken geäußert. ODF wird schon seit langem in vielen Ländern in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt. Zuletzt machte IBM von sich reden: Der Konzern wird zur Einführung von ODF weltweit von MS Office auf das hauseigene Produkt Lotus Symphony wechseln, das auf OpenOffice.org 1 beruht.

Sven Wiegand hat zu einem Wettbewerb aufgerufen, um das Logo für die neue Version seines LaTeX-Editors TeXnicCenter 2.0 zu entwerfen. Benötigt werden genaugenommen zwei Logos, nämlich eines, das auch als Programm-Icon dient, und ein weiteres, das LaTeX-Dokumente systemweit repräsentiert. Entwürfe sollen bis Ende Dezember 2009 eingereicht werden. Im Januar und Februar 2010 soll dann eine Abstimmung stattfinden.

Dominik Waßenhoven hat in der Newsgroup de.comp.text.tex einen Fix für den Stil biblatex-jura bereitgestellt, weil er derzeit inkompatibel ist mit der aktuellen Version von biblatex.

Andrew West schrieb schon vor längerer Zeit in seinem Blog einen lesenswerten Beitrag über die Geschichte der Frakturschrift, mit vielen schönen historischen Beispielen. Über diese Schriften hat es gerade in der Xing-Gruppe Typographie eine kontroverse Diskussion gegeben, die auch für Außenstehende nachlesbar ist, soweit die Xing-Mitglieder ihr Profil für den allgemeinen Zugriff über das Internet freigeschaltet haben. Obwohl diese historischen Schriftarten bekanntlich aufgrund eines Erlasses im Jahre 1941 nicht mehr allgemein verwendet wurden, werden sie wahrscheinlich für alle Zeit mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden. Das ist sicherlich nicht verkehrt, wird aber der langen Geschichte der Fraktur auch außerhalb Deutschlands nicht gerecht. Im TeX Catalogue sind derzeit 11 „Gothic Fonts“ nachgewiesen, und seit kurzem gibt es auch ein neues Projekt zur Entwicklung von freien Unicode-Frakturschriften, die auch mit TeX verwendbar sein sollen. Das Frunge Fonts Project leitet seinen Namen von „FRei Und GEbrochen“ her und besteht seit dem Mai 2009 bei savannah.nongnu.org. Übrigens hat das Slanted Magazin dazu aufgerufen, noch bis Ende diesen Jahres Beiträge zum Thema Fraktur für die Ausgabe #10 einzureichen.

Das Thema Typographie hat mich in den letzten Wochen mehr als früher beschäftigt. In den einschlägigen Blogs und Foren findet man laufend eine Menge interessanter Beiträge. Jürgen Siebert hat unlängst in seinem Fontblog in zwei Beiträgen einen Überlick über den derzeitigen Stand der Font-Entwicklung gegeben. Im Anschluß an einen Beitrag aus dem Februar 2007 über den Übergang von Type-1- zu OpenType-Schriften beschreibt Siebert die weitere Entwicklung hin zu Embedded OpenType (EOT) und Web OpenType Fonts (WOFF) für verschiedene Anwendergruppen. Im Vimeo-Kanal von FontShop gibt es hierzu fünf begleitende Interviews zum Thema Webfonts mit Schriftgestaltern.

Auf Vimeo findet man überhaupt viel Schönes in Sachen Typographie, beispielsweise dieses Video von Erik Spiekermann „Typefaces give us signals“, der, nebenbei bemerkt, in seinem Blog auch gleich noch die nach seinem Dafürhalten „angemessene Verwendung“ für die Schrift Arial vorstellt: „Inflationsgeld aus Zimbabwe“. Weiterhin auf Vimeo findet man ein Video, in dem die Handhabung von Ligaturen mithilfe der Schriftsammlung von Mac OS X vorgeführt wird, ein „gut verstecktes Feature“. Das funktioniert natürlich nicht mit jedem Font, nur mit solchen, die auch über die erforderlichen Ligaturen verfügen.

In dem sehr rührigen TypoForum erörterte man inlängst über die Frage, wie man eine französische Anschrift richtig schreibe. Dort fand ich auch diese neuere Anleitung der EU zum Schreiben von Adressen und Telefonnummern.

Der Archivar Klaus Graf stellt in seinem Blog eine Neuerscheinung zur Anfänge des Buchdrucks vor: „Als die Lettern laufen lernten. Medienwandel im 15. Jahrhundert. Inkunabeln aus der Bayerischen Staatsbibliothek München“. Sein Blogbeitrag ist mit zwei schönen historischen Abbildungen versehen.

Heinz W. Pahlke erklärt in seiner Book-on-demand-FAQ, was es mit einer Normseite auf sich hat und verweist unter anderem auf eine Normseiten-Vorlage für den OpenOffice.org Writer im OOo-Wiki. Das LaTeX-Paket stdpage von Georg Verweyen erwähnt er leider in der Fassung seines Beitrags vom 25. November 2009 (noch?) nicht.

TeXnische Buchmessennachlese: „LaTeX. Das Praxisbuch“ aus dem Franzis-Verlag wird nicht mehr von den ursprünglichen Autoren Elke und Michael Niedermair verantwortet. Die vierte Auflage wurde von Alexander Schunk bearbeitet. Dabei wurde leider darauf verzichtet, den Satz in LaTeX auszuführen, was ein Unikum auf dem LaTeX-Buchmarkt sein dürfte. Hintergrund für den Wechsel in der Autorenschaft sind Unstimmigkeiten zwischen dem Verlag und den Autoren. Die Neubearbeitung hat unter anderem dazu geführt, daß der Umfang beinahe halbiert worden ist. Das alles ist aus meiner Sicht sehr bedauerlich, weil es sich bei dem Praxisbuch der Niedermairs um eine ganz vorzügliche Einführung gehandelt hatte, die insbesondere auch einen ausführlichen Überblick zu PSTricks enthielt. Wer sich nun in PSTricks einarbeiten möchte, findet hierzu an Werken in deutscher Sprache nur noch das Buch von Herbert Voß aus der Edition DANTE vor. Am Stand von Springer war zu erfahren, daß der zweite Band der auf drei Bände angelegten neuen LaTeX-Trilogie von Braune, Lammersch und Lammarsch erst im nächsten Jahr erscheinen solle. Im übrigen ist es zu einer gewissen Beruhigung am Markt gekommen, was Neuerscheinungen zu LaTeX angeht, nachdem es einige Jahre lang eine größere Zahl an neuen Titeln gegeben hatte. Weitere Eindrücke von der Buchmesse habe ich an anderer Stelle gebloggt.

Reibereien gibt es leider auch an anderer Stelle: Markus Kohm hat in seinem Blog angekündigt, er „werde ich in den nächsten Wochen“ sein „TeX-Engagement neu überdenken und neu bewerten“. Anlaß hierfür bot die Reaktion[1][2] auf einen Hinweis zum veränderten Verhalten von kpsewhich, den er auf der TeX-Live-Mailingliste gepostet hatte. Es reicht aber noch weiter zurück. Das ist alles schon so lange her, daß es schon in meinem allerersten Beitrag in diesem Blog enthalten war und daß ich mich auch mittlerweile an die Einzelheiten nicht mehr zuverlässig erinnern kann. Es ist – auch für mich als teilnehmendem Beobachter – viel zuviel böses Blut zu sehen, und ich würde mir sehr wünschen, daß sich die Beteiligten bitte bald wieder die Hand reichen mögen – zum Vorteil für alle Beteiligten, nicht zuletzt auch zum Nutzen der TeX-Anwender. Meine Haltung zum „Nachtragen“ habe ich vor kurzem in meinem anderen Blog beschrieben. Markus Kohm hat einen ersten Schritt getan und sich nun in seinem Blog entschuldigt.

Zuletzt hatte Markus Kohm eine Überarbeitung seines Pakets tocstyle angekündigt, das bisher nur in einer Alpha-Version vorliegt.

Joseph Wright führt bekanntlich seit einem Jahr ein überaus lesenswertes Blog, in dem neuerdings unter anderem eine mehrteilige Einführung in die Kunst des Schreibens eigener dtx-Pakete, des Erstellens von TDS-ZIP-Archiven, des Editierens von dtx-Dateien einschließlich der Veröffentlichung derselben auf CTAN sowie der „Automatisierung“ von CTAN-Veröffentlichungen zu lesen war. Die dort veröffentlichte Batch-Datei und das Makefile sind eine Alternative zu dem Perl-Skript ctanify von Scott Pakin, über das ich schon einmal berichtet hatte. Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit dem Unterschied zwischen „TeX counts and LaTeX counters“. In der TUG Interview Corner findet man seit kurzem auch ein Gespräch mit Joseph Wright, der noch sich nicht so lange, dafür aber umso rühriger am LaTeX-Projekt beteiligt hat. Ebenfalls neu ist dort übrigens ein Interview mit Idris Hamid, der sich vor allem um Pakete für die Sprachen Arabisch, Persisch und Urdu kümmert.

Obwohl es darin nicht um (La)TeX ging, war Heft 23/2009 der c’t durchaus auch für TeX-Anwender von Interesse, und sei es nur, um den Horizont des TeX-Anwenders zu erweitern: Darin findet man nämlich einen Vergleich von 11 proprietären und freien DTP-Programmen, in dem auch eine ganze Reihe von typographischen Grundbegriffen knapp erklärt werden. Leider hält c’t-Redakteur Peter König von LaTeX recht wenig, denn er erklärt lapidar:

„… außen vor bleibt das Textsatzsystem LaTeX, denn das erteilt dem für handgemachtes Layout existentiellen WYSIWYG-Prinzip eine klare Absage und erzeugt statt dessen aus kryptischen Steuercodes saubere, wenn auch reichlich förmliche Schriftstücke. Zwar gilt sein Formelsatz als überragend, wer aber nicht gezwungen ist, den Umgang damit zu lernen, darf sich die Plackerei ohne schlechtes Gewissen sparen.“

Wohl auch deshalb hat er sich nicht weiter um die neuen Renderrahmen in Scribus gekümmert, die unter anderem auch LaTeX-Quelltext direkt in ein Scribus-Dokument einbinden können. Sein Artikel ist trotzdem lesenswert, weil man darin einen schönen aktuellen Überblick über die Stärken und Schwächen der DTP-Programme erhält und weil man damit auch den Unterschied zwischen Textsatz und Desktop Publishing besser verstehen wird. In einem weiteren Artikel geht es um den ISO-Standard PDF/A zur Langzeitarchivierung digitaler Dokumente, einschließlich der mit dem Standard einhergehenden Probleme und einem Ausblick auf die weitere Entwicklung. Der Vergleichstest von Texteditoren, der sich ebenfalls in dem Heft findet, blendet Emacs und vi leider aus, und das mit einer etwas merkwürdigen Begründung:

„Emacs und vi verlangen aufgrund ihrer in über 30 Jahren historisch gewachsenen Bedienung enorm viel Einarbeitungszeit.“

Natürlich kann man alle dort aufgeführten Editoren auch hervorragend für das Bearbeiten von TeX-Quelltexten einsetzen, den Autor interessieren aber vor allem XML-, Java-, C- und sonstige Programmtexte.

Fefe hat in seinem Blog auf zwei Photos[3][4] hingewiesen, die Donald E. Knuth zusammen mit dem Hacker Jake mit in einem Knuth-T-Shirt rekursiver Pose zeigen. „I’m actually Knuth’s homeboy.“ Ein schönes Beispiel für Hacker-Humor und „ganz großes Hacker-Kino“, schreibt Fefe. Auch wenn man in Zeiten von Photoshop ja nie so ganz sicher sein kann, sind die Bilder wohl echt.

Neues von vergangenen und bevorstehenden Tagungen: Dominik Wagenführ hat seine Vorträge zur Einführung in LaTeX und zur Erstellung des FreienMagazin, die er auf der Ubucon gehalten hatte, auf seinem Blog veröffentlicht. Den einführenden Vortrag kann man auch bei RadioTux hören.

Im FreienMagazin 10/2009 findet man u. a. einen Bericht von Dominik Wagenführ über die letzte DANTE-Tagung in Esslingen.

Die TUG 2010, die vom 28. bis 30. Juni 2010 in San Francisco stattfiden wird, wirft ihre Schatten voraus. Mittlerweile ist die offizielle Seite zur Tagung bei der TeX Users Group online. Angekündigt sind „special appearances by Donald E. Knuth and other original Stanford TeX project members“, und auch Duane Bibby hat wiederum ein schönes Bild zu der großen 32. Geburtstagsparty gezeichnet. Man kann sich online anmelden und Vorschläge für Referate einreichen. Aber auch die TUG 2011 wird schon vorbereitet.

Das vierte internationale ConTeXt-Meeting wird vom 13. bis 18. September 2010 in Brejlov (Prague) in Tschechien stattfinden.

Für eine neue Ausgabe des PracTeX Journal im nächsten Jahr ist ein Call for Papers per E-Mail versandt worden. Diese Ausgabe der Online-Zeitschrift soll unter dem Motto „LaTeX Academic Work Bench“ stehen: „The goal of this issue is to present ideas on the use of LaTeX tools for education, teaching, and classroom purposes. We are looking for articles that can discuss the development of the tools, and their use and effectiveness. Actual examples and LaTeX sources are encouraged.“ Die Beiträge müssen nicht in Englischer Sprache verfaßt sein, es werden auch Artikel in anderen Sprachen angenommen. Hinweise für Autoren findet man auf der TUG-Website. Fristende ist am 31. Dezember 2009. Nachdem es in diesem Jahr gar keine Ausgabe des PracTeX Journal gegeben hat, werden sich hoffentlich wieder genug Autoren finden, die etwas beisteuern. Die Redaktion ist sichtlich darum bemüht, die Anforderungen durch die Freigabe der Sprache, in der die Papers verfaßt sind, so niedrig wie möglich zu halten. Dabei wundere ich mich nur darüber, daß der Call for papers nicht online zu finden ist, sondern anscheinend nur per Mail versandt worden ist.

Und zum Schluß wieder ein Hinweis in eigener Sache: Neben meinen Feeds auf Twitter und auf Identi.ca habe ich mittlerweile auch eine Seite zu diesem Blog auf Facebook eingerichtet. Adelheid Grob war so lieb, für die Seite ein schönes Logo zu erstellen, dafür möchte ich auch an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bei ihr bedanken. Auf allen drei Kanälen veröffentliche ich Neues rund um TeX & Friends, mehr oder weniger lange, bevor ich dann an dieser Stelle darüber blogge. Die neue Seite auf Facebook ist offen einsehbar, auch wenn man dort nicht angemeldet ist, und in 320 Zeichen kann man natürlich etwas mehr mitteilen als auf Twitter, deshalb gefällt mir dieses Angebot eigentlich derzeit recht gut. Es hat sich auf Facebook auch bereits eine kleine DANTE-Gemeinde zusammengefunden, vielleicht werden es ja noch mehr mit der Zeit.

TeX Live 2009, LaTeX2e-Update, TeXworks 0.2, Aquamacs Emacs 1.9 RC1, Evince 2.28.0, CTAN, Arial und Helvetica, Twitter und Identi.ca

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 1. Oktober 2009

Nachdem die derzeitige Test-Version unter Windows und unter Mac OS X (auch auf meinem Mac unter Leopard) stabil läuft, hat Projektleiter Karl Berry darauf hingewiesen, daß für den neuen Release von TeX Live 2009 nun nur noch die Übersetzungen des Manuals eingepflegt werden müßten. Einige lägen bereits vor, andere müßten erst noch geschrieben werden. Die Binaries seien fertiggestellt. Alle Pakete würden weiterhin auf den neuesten Stand gebracht, Updates können also derzeit noch auf CTAN hochgeladen werden. Tatsächlich haben die CTAN-Maintainer derzeit einiges zu tun, viele Paketautoren nutzen die Möglichkeit, neue Versionen ihrer Pakete oder ganz neue Ergänzungen auf CTAN bereitzustellen, damit sie noch in TeX Live 2009 aufgenommen werden können. Auf der CTAN-Announce-Mailingliste (auch auf Twitter und auf Identi.ca verfügbar) herrscht reger Betrieb. Allerdings hat der Abschluß der Arbeiten an der TeX-Distribution der TeX-Anwendervereinigungen stark an Bedeutung verloren, seitdem es den TeX Live Manager tlmgr gibt, mit dem neue Pakete leicht nachinstalliert werden können. Leider ist das Einspielen von Updates derzeit aber nur für die jeweilige TeX-Live-Installation möglich, und der Support für TeX Live 2008 war schon vor einiger Zeit eingestellt worden, weil das Team mit den Arbeiten an TeX Live 2009 alle Hände voll zu tun hatte. Die von Staszek Wawrykiewicz angekündigten Updates der Latin Modern Fonts, der TeX Gyre Fonts und von PS View sind mittlerweile auf CTAN verfügbar.

Das LaTeX3-Team hat übrigens in aller Stille einen kleineren Bugfix für LaTeX2e auf CTAN veröffentlicht.

Jonathan Kew hat derweil Version 0.2 des neuen Editors TeXworks veröffentlicht. Es gibt neue Binaries für Windows und Mac OS X. Für andere Plattformen müssen die Anwender mit dem Tarball vorliebnehmen. Es handelt sich dabei um den ersten „stabilen“ Branch von TeXworks, für den es nur noch Bugfixes geben wird. In der 0.2er-Reihe werden also keine neuen Features mehr hinzugefügt. Unter anderem wurde die deutschsprachige Lokalisierung nach Kritik überarbeitet.

David Reitter hat Aquamacs Emacs 1.9 RC1 veröffentlicht. Die Änderungen gegenüber der aktuellen Version sind nicht allzu umfangreich. Es handelt sich dabei auch eher um Kleinigkeiten. Für LaTeX-Anwender kann es hilfreich sein, daß das direkte Springen zu einem Fehler nach dem Kompilieren mit AUCTeX nun „zuverlässiger“ funktionieren soll.

Der Dateibetrachter Evince kann PDF-, PostScript-, DVI- und TIFF-Dateien darstellen. Obwohl Teil des Gnome-Projekts, ist er nun auch in einer Version für MS Windows zu haben. Ein msi-Installer der neuen Version 2.28.0 kann heruntergeladen werden.

CTAN-Maintainer Jim Hefferon hat bekanntgegeben, daß das Verzeichnis tools auf CTAN gelöscht worden sei. Dort waren vor allem Packer wie pkzip, compress oder arj bereitgestellt worden. Diese Sammlung war bei Gründung von CTAN ganz sicherlich sinnvoll. Heutzutage werden diese Tools aber standardmäßig zusammen mit den Betriebssystemen ausgeliefert, oder sie sind jedenfalls leicht über das Internet zu beziehen. Deshalb war es nicht mehr sinnvoll, die Programme auf CTAN auf dem neuesten Stand zu halten.

Einen schönen Test für Typographie-Interessierte bietet Ironic Sans. Das Blog fragt seine Leser: „So you think you can tell Arial from Helvetica?“. Wer sich der Aufgabe gewachsen fühlt (nur Mut!), kann in einem Quiz 20 Markenlogos, die ursprünglich in Helvetica gestaltet worden waren, mit einem gut gemachten Arial-Plagiat vergleichen. Die Unterschiede im Detail sind doch meistens recht deutlich (für den Hinweis danke ich Patrick Gundlach).

Zum Schluß eine Mitteilung in eigener Sache: Wegen des ständigen Zustroms von Spam-Followern, die eher der Latex- als der LaTeX-Welt zuzurechnen sind, habe ich heute meinen Twitter-Account, wo ich vorwiegend (aber nicht nur) die neuesten Nachrichten rund um TeX & Friends verbreite, bevor ich sie etwas ausführlicher an dieser Stelle blogge, fürs erste geschützt. Es war mir schlicht zu aufwendig geworden, diese Schmuddel-Accounts zu blocken, um mein Netzwerk sauber zu halten. Twitter hat hier seit langem ein Problem, unternimmt aber nichts dagegen. Wer mir von nun an folgen möchte, kann natürlich weiterhin wie gewohnt auf Twitter um Freischaltung bitten. Mein Account bei Identi.ca ist weiterhin frei lesbar. In der Regel poste ich dort dasselbe wie auf Twitter, ich bin mir aber noch nicht sicher, wie lange ich die beiden Accounts noch nebeneinanderher laufen lassen werde, denn der Trend geht leider ganz klar hin zum proprietären Twitter, auch bei meinen Followern.

MiKTeX 2.8, TeX Live 2009, TeXworks, Carbon Emacs Summer 2009, Kile 2.1 beta 2, LyX 1.6.4.1, Scribus 1.3.5.1, OpenOffice.org 3.1.1, OpenDocument, TeX4ht, LuaTeX 0.43.0, l2tabu 2.0, DTK 3/2009, Bücher, Tagungen, Vorträge

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 14. September 2009

In den vergangenen vier Wochen, die seit dem letzten Blog-Beitrag vergangen sind, herrschte weiterhin spätsommerliche Stimmung in der TeX-Gemeinde. Während sich die Anwender von TeX Live noch ein wenig bis zum bevorstehenden Release werden gedulden müssen, veröffentlichte Christian Schenk zwischenzeitlich (leider ohne Hinweis in seinem Blog) schon die Version 2.8 der TeX-Distribution MiKTeX. Für die Nachricht bedanke ich mich bei Joseph Wright. MiKTeX 2.8 kann auf allen Microsoft-Windows-Plattformen seit Windows 2000 bis einschließlich Windows 7 eingesetzt werden. Neu ist unter anderem, daß \write18, ein Befehl, der dazu dient, andere Programme aus TeX heraus zu starten, nun bei einigen Programmen, die MiKTeX bekannt sind, aktiviert („enabled“) ist. Beim Aufruf anderer Befehle ist \write18 weiterhin deaktiviert. Bei einer Installation mit der Option --no-registry erzeugt MiKTeX 2.8 keine Einträge in der berüchtigten Windows-Registry, sondern legt eine eigene Konfigurationsdatei an. Dadurch soll die Installation auf Mehrbenutzersystemen oder im Netzwerk erleichtert werden. Und, wie schon vorher durchgesickert war, wird diesmal auch der neue Editor TeXworks in einer Version mitgeliefert, die speziell für MiKTeX angepaßt worden ist. Zur Erinnerung: Bei TeXworks handelt es sich um einen kombinierten TeX-Editor und -Previewer, der auf den Spuren des bewährten TeXShop für Mac OS X von Richard Koch wandelt. Im Unterschied zu diesem ist TeXworks aber plattformunabhängig angelegt. Er soll vor allem Anfängern den Einstieg in das Arbeiten mit TeX, LaTeX und ConTeXt erleichtern.

Auch von zwei weiteren TeX-Editoren gibt es Neues zu berichten: Seiji Zenitani hat das schon angekündigte minor update seines Carbon Emacs für den Apple Macintosh mittlerweile auf der Projekt-Homepage veröffentlicht. Es handelt sich wegen der bekannten Probleme mit Emacs 23.1 noch einmal um einen Port, der auf Emacs 22.3.1 beruht, und es wurden vor allem viele der zahlreichen Zusatzpakete aktualisiert. Außerdem funktionieren einige Features aus meiner schon etwas älteren .emacs nun wieder. Ich möchte der Ursache hierfür – nicht nur aus Zeitgründen – nicht weiter nachgehen, sondern freue mich schlicht darüber.

Der Editor Kile für den KDE-Desktop ist mittlerweile ebenfalls in einer neuen Beta-Version 2.1 beta 2 erschienen, die allerdings, wie der Name schon sagt, nicht für den produktiven Einsatz gedacht ist.

Und auch von dem LaTeX-Frontend LyX gibt es eine neue Version. Aktueller Stand der Entwicklung ist nun LyX 1.6.4.1, und die Liste der neuen Features und Updates liest sich durchaus interessant: Insbesondere wurde der (verbesserungswürdige) LaTeX-Import mittels tex2lyx überarbeitet; und die Bedienoberfläche unterstützt nun auch die Eingabe chemischer Formeln mithilfe des Pakets mhchem. Es wurden auch viele Bugs behoben.

Von dem DTP-Programm Scribus, das neuerdings LaTeX-Quelltext rendern kann. gibt es ebenfalls eine neue Version: 1.3.5.1.

Und, last, but not least, OpenOffice.org 3.1.1 ist veröffentlicht worden, ein Bugfix-Release zu OOo 3.1.0. Leider konnte die deutsche Version für Apple Macintosh nicht gleichzeitig mit den Builds für Microsoft Windows und Linux veröffentlicht werden, weil sich bis zum Release-Zeitpunkt kein Tester für diese Plattform gefunden hatte. Die Tests für die lokalisierte Ausgabe konnten dann aber noch innerhalb weniger Tage nachgeholt und abgeschlossen werden. Bis dahin standen die RCs und die englischsprachige Fassung auf den Servern zur Verfügung, die von den Entwicklern bei Sun selbst getestet und freigegeben wird – ein Zeichen dafür, daß die Unterstützung der deutschsprachigen Macintosh-Community für das OpenOffice.org-Projekt anscheinend zu wünschen übrigläßt. Wer bei der QA mithelfen möchte, melde sich bitte auf der de-dev-Mailingliste des OOo-Projekts.

Bemerkenswert erscheint, daß sich IBM nunmehr von Microsoft Office abgewandt hat und intern auf seine eigene Bürosoftware Lotus Symphony, die auf OpenOffice.org 1.2 basiert, sowie auf das OpenDocument-Format umstellt, was als ein großer Erfolg für ODF zu werten ist, weil IBM eine Vorreiterfunktion im Markt zukommt, die wahrscheinlich viele Nachahmer nach sich ziehen dürfte. Lotus Symphony steht übrigens zum freien Download für diverse Plattformen bei IBM bereit. MS Windows wird dort an letzter Stelle genannt.

Die wichtigste Brücke zwischen LaTeX und dem Dateiformat ODT ist, natürlich, der Konverter TeX4ht, der nach dem Tod Eitan M. Guraris, wie bereits berichtet, von Radhakrishnan CV weitergepflegt wird. Das Projekt hat mittlerweile eine neue Homepage bei der TeX Users Group erhalten. Dort hat nun auch das Online-Manual seine neue Heimat gefunden. Der Quelltext wird auf Gna.org gehostet, und es gibt auch eine eigene Mailingliste für das Projekt.

Eine weitere Baustelle, die langsam Formen annimmt, ist – natürlich – LuaTeX, das mittlerweile bei Version 0.43.0 angekommen ist.

Marc Ensenbach hat Mark Trettins „LaTeX2e-Sündenregister“ l2tabu überarbeitet. Leider kann ich die neue Version 2.0 bis auf weiteres nicht mit der vorhergehenden Fassung unmittelbar vergleichen, da ich von dieser keine lokale Kopie zurückbehalten hatte. Weil das optische Laufwerk meines Rechners derzeit kaputt ist, kann ich dazu auch nicht auf eine ältere TeX Collection zurückgreifen. Deshalb bleibt mir nur der Vergleich mit meiner englischen Übersetzung … Demnach hat es Änderungen an folgenden Stellen gegeben:

  • In Abschnitt 1.8 wird empfohlen, vor der Verwendung von \sloppy zunächst die Laufweite der Schrift mithilfe des Pakets microtype zu ändern, um einen anderen (möglicherweise: besseren) Umbruch zu erhalten.
  • Unter 2.2.5 wird das Paket caption in einer Version ab dem 20. 12. 2003 empfohlen, während ich in meiner Übersetzung geschrieben hatte, nur Versionen einzusetzen, die nach dem 16. 7. 2004 fertiggestellt worden waren. Die Differenz kann dahingestellt bleiben, da es zwischenzeitlich wieder eine neue Fassung vom August 2008 gegeben hat.
  • Unter 2.2.6 wurde UTF-8 in die Liste der Eingabekodierungen aufgenommen. Deshalb entfiel der Tip zu UTF-8 in der Fußnote für Mac-Anwender. Daneben erfolgt neu der Hinweis, XeLaTeX benötige keine explizite Angabe der Eingabekodierung, weil und sofern damit Unicode-kodierte Texte verarbeitet werden.
  • In Abschnitt 2.2.8 wird nunmehr dazu geraten, den Bibliographiestil natdin in einer aktuellen Version zu verwenden und nicht, wie in früheren Fassungen von l2tabu, auf dinat auszuweichen. Zum Hintergrund vgl. einen früheren Blog-Beitrag.
  • In dem Abschnitt 2.3 zu „Schriften“ wird nun allgemein ein Skalierungsfaktor von 0.92 beim Einsatz von Helvetica genannt, bei Verwendung zusammen mit Palatino: 0.95.
  • In dem Abschnitt zum Mathematiksatz wurde eine Demonstration zu eqnarry* und align* hinzugefügt.
  • Leider wird unter 3.4 weiterhin behauptet, Pfade würden auf dem Mac mit Doppelpunkten notiert. Das mag unter früheren Versionsn von Mac OS der Fall gewesen sein. Unter Mac OS X ist aber – wie unter anderen Unices – der forward slash der richtige Verzeichnistrenner.

Insgesamt ist l2tabu ganz sicherlich auch weiterhin eine hilfreiche LaTeX-Stilfibel, die für mehr Durchblick bei der Vielzahl an älteren und neueren Paketen verhilft. Auch das Layout wurde etwas frischer gestaltet, u. a. durch die Umstellung der verwendeten Schriften. Hoffentlich kann ich bald eine Überarbeitung der englischen Übersetzung nachreichen.

Zum Schluß ein Blick zu den TeX-Anwendergruppen.

Vor einiger Zeit schon war die Ausgabe 3/2009 der DTK an die DANTE-Mitglieder versandt worden. Darin findet man u. a. einen umfangreichereren Beitrag von Christine Römer, in dem mehrere Pakete zum Setzen linguistischer Arbeiten vorgestellt werden, sowie ein Beitrag von mir zu den Neuerungen beim LaTeX-Export aus OpenOffice.org 3.1, über die ich ja schon mehrfach auch in diesem Blog geschrieben hatte. Herbert Voß bespricht die dritte Auflage (2008) von Dalheimer/Günther, „LaTeX: kurz & gut“ aus dem Verlag O’Reilly.

Übrigens ist Herbert Voß’ neues Buch „Präsentationen mit LaTeX“ mittlerweile in der Edition DANTE erschienen.

Die Website von DANTE ist übrigens nach längeren Vorarbeiten nunmehr vollständig überarbeitet worden.

Einige der Vorträge, die bei der Herbsttagung von DANTE am 11. und 12. September in Esslingen gehalten worden sind, stehen zum Herunterladen bereit.

Auf der gerade durchgeführten EuroTeX 2009 hatte Jonathan Fine einen Vortrag zum Thema „TeX: Rejoining the Mainstream“ gehalten. Seine Thesen hatte er vorab auf der Liste des LaTeX3-Projekts zur Diskussion gestellt. Jonathan Fine äußert sich insbesondere kritisch über LuaTeX, das er für einen „großen Fehler“ hält. Für die meisten Anwender sei XeTeX ausreichend. Der Vorsitzende der UK-TUG wünscht sich vor allem eine umfangreichere und stark verbesserte Online-Dokumentation, die er in der derzeitigen Form für unzureichend hält – was sicherlich nicht ganz unzutreffend ist. Seine Thesen wurden auf der LaTeX-3-Mailingliste durchaus kontrovers aufgenommen. Sein Vortrag auf der Tagung sei auf „weitgehende Zustimmung“ gestoßen.

Die TeX Users Group hat bekanntgegeben, daß die bisher veröffentlichten Interviews aus der TUG Interview Corner nun auch als Buch erhältlich seien. Außerdem werde die Tagung TUG 2009 vom 28.–30. Juni 2010 in San Francisco stattfinden. Zur Feier des 32. Geburtstags von TeX werde auch Donald E. Knuth hieran teilnehmen. Schließlich liegt Stanford, wie Amerikaner sagen würden, „nearby“.

(La)TeX in Wörterbüchern, Emacs 23.1, RefTeX 4.43, TeXworks, MiKTeX 2.8, TeX Live 2009, TeX Live Utility 0.70, OpenOffice.org 3.1.1, Scribus 1.3.5.1, XMind, blindtext, germkorr, bidi, XeTeX, TeX4ht und biblatex, Zeitschriftenaufsätze, MetaPost 1.207, scrlttr2en.tex, Tagungen

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 16. August 2009

Kein Zweifel, es geht voran: TeX und LaTeX haben nun auch Eingang in die allgemeinen Wörterbücher gefunden, wenn auch bisher nur online. Den Eintrag zu LaTeX im deutschen Wiktionary gibt es schon länger. PONS hat nun nachgezogen und (zugegebenermaßen auf Vorschlag) TeX und LaTeX in sein Verzeichnis zur Deutschen Rechtschreibung aufgenommen.

Der Schwerpunkt dieses Blog-Beitrags liegt aber auf den Anwendungen rund um (La)TeX:

Emacs 23.1 ist am 29. Juli 2009 veröffentlicht worden, was vor allem eine gute Nachricht für Linux- und andere Unix-Anwender ist. Unter den neuen Features wird u. a. ein neuer „Doc View Mode“ zum Betrachten von PDF-, PostScript- und DVI-Dateien genannt. Für den Alltag dürfte vor allem das Markieren „bei gedrückter Umschalttaste“ sehr gewöhnungsbedürftig sein. Der Unicode-Support wurde erneut verbessert, und der nXML-Mode ist nun in Emacs integriert worden. Auch wurde die Schriftdarstellung unter X11 nachhaltig verbessert (Antialiasing, OpenType-Fonts).

Leider ist vom Einsatz der neuen Version auf dem Mac vorläufig abzuraten. Es ist sehr einfach, Emacs unter Mac OS X selbst zu kompilieren. Die Anleitung dazu findet sich im nextstep-Verzeichnis der Quellen, die man von gnu.org herunterladen kann. In den Release Notes und in den Install-Dateien in der Distribution erfährt man, daß Mac OS X nicht mehr länger über Carbon unterstützt werde. Es wird nur noch ein einheitlicher „NeXTSTEP-basierter Port“ gepflegt. Hintergrund für diese Umstellung ist ein Zerwürfnis im Projekt. Das Ergebnis ist derzeit zum Arbeiten auf dem Mac leider unbrauchbar. Der Editor ist weder bei den Dateidialogen noch bei der Tastaturbelegung wie gewohnt in das System integriert worden und läuft auch nicht stabil.

Seiji Zenitani hat folglich auf Nachfrage mitgeteilt, er plane zwar ein kleines Update für sein Carbon Emacs Package. Im laufenden Jahr werde es aber keinen Release auf der Basis der neuen Version 23 geben. David Reitter bietet dessenungeachtet ziemlich unerschrocken eine Vorabversion seines Aquamacs 2.0 als „Preview 1“ an – wenn auch begleitet von einer deutlichen Warnung an den User.

Die Probleme würden im nächsten Release 23.3 behoben, heißt es. Bis dahin sollte man auf dem Mac beim alten Emacs 22 bleiben.

In der Zwischenzeit kann man die neue Version 4.43 von RefTeX testen. RefTeX ist ein Emacs-Mode zum Einfügen von Labels und Referenzen aller Art (Querverweise, Literaturzitate, Indexeinträge) in LaTeX-Quelltexte. Der Mode erleichtert auch die Navigation in großen LaTeX-Dokumenten, indem er ein eigenes Inhaltsverzeichnis erstellt, über das man Marken im Quelltext direkt ansteuern kann. Die Unterstützung zum Einfügen von Querverweisen mit den Paketen varioref, fancyref und hyperref sei ebenso verbessert worden wie die Arbeit mit BibTeX-Dateien, teilt Ralf Angeli für das AUCTeX-Team mit.

Joseph Wright schreibt in seinem Blog, der neue Editor TeXworks, über den ich schon mehrfach geschrieben hatte, werde nicht nur in TeX Live 2009, sondern auch in MiKTeX 2.8 enthalten sein. Bei MiKTeX würden auch die Dateibindungen des Systems für tex- und sty-Dateien auf TeXworks festgelegt. Neue Binaries zum Testen für MS Windows und Apple Macintosh werden laufend von Jonathan Kew bereitgestellt. Joseph Wright vergleicht auch die Testversionen der beiden TeX-Distributionen. Wenig überraschend, sind sie unter der Haube größtenteils identisch. Unterschiede beschränken sich auf Features, die für die meisten Anwender keine große Rolle spielen dürften. So ist LuaTeX, das sich weiterhin in Entwicklung befindet, nur in TeX Live enthalten. Beide TeX-Distributionen befinden sich weiterhin in der Testphase und sollen demnächst freigegeben werden.

Adam R. Maxwell hat derweil seine TeX Live Utility in der Version 0.70 veröffentlicht. Es handelt sich um einen Bugfix-Release, der die grafische Oberfläche für den TeX Live Manager tlmgr für die Integeration in die nächste Version von MacTeX vorbereitet.

Wenn alles glattgeht, ist der Release von OpenOffice.org 3.1.1 für den 27. August 2009 geplant.

Von der DTP-Anwendung Scribus gibt es nun auch eine native Version für Apple Macintosh, die einen weiteren Reiz hat: Die Entwickler haben dem Programm nämlich auch einen neuen Rahmentyp spendiert, in dem Quelltext aus fremden Markupsprachen gerendert werden kann. So kann Scribus 1.3.5.1 in den neuen „Renderrahmen“ LaTeX rendern (aber auch die Formate Gnuplot und LilyPond). Dazu wird pdflatex eingesetzt. Auf dem Mac funktioniert das mit MacTeX 2008 aber nur, wenn man zuvor bei den Einstellungen unter „Externe Tools“ den Befehlsaufruf für LaTeX zu „/usr/texbin/pdflatex –interaction nonstopmode“ ändert. Dabei achte man auf den führenden Schrägstrich. Der vollständige Pfad zu pdflatex muß angegeben werden, weil Scribus die TeX-Binaries nicht selbständig findet. Mit TeX Live aus den MacPorts arbeitet Scribus hingegen auf Anhieb zusammen; ebenso mit OpenSuSE Linux 11.2.

Das neue Feature empfiehlt sich natürlich vor allem für mathematische Formeln, die in einen Text eingefügt werden sollen. Zu denken ist aber auch an Zeichnungen, die mit LaTeX erstellt werden. Nach dem Einfügen des Renderrahmens wird standardmäßig zunächst ein Blindtext eingefügt, den man dann über das Kontextmenü des Rahmens unter „Quelltext bearbeiten“ ändern kann. Dazu kann entweder das sich öffnende Fenster von Scribus oder per Mausklick auch ein externer Editor verwendet werden. Hier kann man nun beliebigen LaTeX-Quelltext einfügen. Zur Referenz steht das Scribus-Wiki bereit. Unbefriedigend ist, daß die Präambel des LaTeX-Dokuments nicht geändert werden kann, sie ist in Scribus „fest verdrahtet“ vorgegeben. Deshalb ist es nicht möglich, ergänzende Pakete hinzuzuladen, was die Einsatzmöglichkeiten letztlich unnötig und erheblich einschränkt. Der Verzicht auf diese Beschränkung wäre deshalb der wichtigste Wunsch für die weitere Entwicklung des spannenden neuen Features. Es ist ein Musterbeispiel für die hohe Leistungsfähigkeit von Lösungen, die auf freien Formaten aufbauen. Übrigens beherrscht Scribus auch den Import von Texten aus OpenOffice.org Writer, einschließlich der Formatvorlagen.

Christoph Bier, Autor der Einführung typokurz, weist in seinem Blog auf ein weiteres nützliches freies Programm hin, das auch für LaTeX-Anwender von Interesse sein kann. XMind dient zum Erstellen von Mindmaps, also Übersichten, mit denen man Zusammenhänge und Strukturen bei der Planung oder schlicht beim Nachdenken über ein Thema oder über ein Projekt grafisch darstellen kann. Die dabei erstellte Übersicht kann man aus XMind als HTML exportieren. Dabei wird die Darstellung in eine JPG-Grafik umgesetzt, die man auch leicht mit pdflatex in ein LaTeX-Dokument übernehmen kann. Das Programm sollte von SourceForge heruntergeladen werden; auf der Projekt-Homepage setzt der Download nämlich merkwürdigerweise eine Registrierung voraus. Das Programm steht für Linux, Windows und Mac OS X bereit. Der Dokumentenaustausch zwischen den Plattformen sei problemlos möglich, wie ich erfahren habe.

Auch bei einigen LaTeX-Paketen hat sich etwas Neues getan:

Knut Lickert hat sein Paket blindtext überarbeitet. In Version 1.9b steht nun auch ein Blindtext für den mathematischen Formelsatz zur Verfügung. Außerdem werden mehrsprachliche Dokumente mit polyglossia und XeTeX ebenso unterstützt wie französische Texte.

Für deutschsprachige Texte von Interesse sein kann das neue Paket germkorr von Timo Baumann, das eine Kerningkorrektur für deutsche Anführungszeichen bewirkt.

Vafa Khalighi hat sein Paket bidi für den bidirektionalen Satz mit XeTeX erweitert, so daß man es nun auch mit hyperref verwenden kann. Vafa Khalighi erklärt auch in einem Posting, wie man XeTeX händisch updaten kann.

Radhakrishnan CV hat sich mittlerweile bereiterklärt, den mächtigen Konverter TeX4ht weiterzupflegen. Er hat einen Patch bereitgestellt, der einen Fehler bei der Verarbeitung von Dokumenten beseitigt, die mithilfe von biblatex erstellt werden. Die neue Version von biblatex.4ht ersetzt die ältere Fassung in der bestehenden TeX4ht-Installation. Es empfhiehlt sich vorsorglich, die ältere Version vor dem Patchen umzubenennen.

Übrigens weist Karl Berry auf einen lesenswerten Aufsatz hin, der 2004 in der Zeitschrift TUGboat erschienen war. Der unlängst verstorbene Entwickler von TeX4ht Eitan Gurari gibt darin eine grundlegende Einführung in die Bedienung des Konverters.

Ein weiterer bemerkenswerter Zeitschriftenaufsatz ist gerade erschienen. Die Notices of the AMS haben den dritten Teil von George Grätzers Serie[1][2] What is New in LaTeX? veröffentlicht. Der Beitrag ist dem Andenken von Michael Downes gewidmet und handelt von der Formatierung von Literaturzitaten im mathematischen Schrifttum mithilfe von amsrefs.

MetaPost ist derweil bei Version 1.207 angekommen.

Jan Beilicke hat dankenswerterweise eine englische Übersetzung meiner Briefvorlage für die Briefklasse von KOMA-Script scrlttr2 angefertigt.

Die Jahrestagung der TeX Users Group TUG 2009 in Notre Dame ist durchgeführt worden. Die Vorträge konnten dieses Jahr übrigens erstmals per Videostream live verfolgt werden. Leider wurde dies erst sehr kurzfristig in comp.text.tex und auf texhax angekündigt, als die Tagung schon lief – ein Beispiel für die leider schlecht konzipierte Öffentlichkeitsarbeit der TeX-Anwendervereinigungen. (Ein weiteres Beispiel hierfür ist der gerade erfolgte Relaunch der Website von DANTE, der bisher auch nirgends offiziell angekündigt worden ist.) Die Tagungsbeiträge sind aber nun als Video- und Audio-Podcast und per Livestream verfügbar, und sie können allen empfohlen werden, die sich über den aktuellen Stand der Entwicklung bei den dort vertretenen TeX-Projekten informieren möchten.

Die nächsten Tagungen stehen im September und im Oktober bevor. Die Herbsttagung von DANTE findet am 12. September 2009 an der Hochschule Esslingen-Stadtmitte statt. Der Veranstaltungsort wurde also gegenüber der ursprünglichen Ankündigung in die Innenstadt verlegt. Die italienische GuIT wird ihre sechste Tagung währenddessen am 17. Oktober 2009 in Pisa durchführen.

CRE 127, Eitan M. Gurari, Detexify^2, TeXworks, TeX Live 2009, MacTeX, PDF-Tools, KOMA-Script, Memoir, l2kurz auf Persisch, LuaTeX, ConTeXt, Zotero, Zeitschriftenbeiträge

Veröffentlicht in Neuigkeiten von jfenn am 18. Juli 2009

Zu Anfang zunächst einige Ergänzungen zu meinem letzten Blog-Beitrag: Der Podcast zu TeX und LaTeX in Tim Pritloves Chaosradio Express 127 hat zu einer sehr lebhaften Resonanz im Chaosradio Blog geführt, wo es bis heute 76 Kommentare gegeben hat, was auch für die diskutierfreudige Hörergemeinde des CRE eine erfreulich große Zahl darstellt. An der Diskussion hat sich auch Joachim Schrod beteiligt. Er beantwortet einige Fragen und Kommentare von Hörern, und er führt auch einige Punkte, die in dem Podcast zur Sprache gekommen waren, weiter aus.

Dave Walden hat einen Nachruf auf Eitan M. Gurari entworfen, der in der nächsten Ausgabe von TUGboat erscheinen soll. Der Entwickler des Konverters TeX4ht war am 22. Juni 2009 verstorben. Er wollte bei der Tagung TUG 2009 einen Vortrag halten, die am Ende dieses Monats in Notre Dame im US-Staat Indiana stattfinden wird.

Das Online-Tool Detexify von Daniel Kirsch zur Auswahl von LaTeX-Symbolen wurde weiterentwickelt und steht nun unter einer neuen URL als Detexify^2 zur Verfügung.

Die Entwicklung des neuen Editors TeXworks ist weiter vorangekommen. Das Projekt hat nun die stolze Versionsnummer 0.1 erhalten. Neben Binaries für Windows gibt es nun auch neue Universal Binaries für Mac OS X auf der Projekt-Homepage bei Google Code. Der Editor hat auch ein Icon erhalten, das in den neuesten Versionen so bzw. so aussieht. Die Version für den Mac ist brerits recht brauchbar geworden, zeigt im Test aber noch einige mehr oder weniger grobe Schnitzer. Vom produktiven Einsatz ist derzeit also noch abzuraten. Auf dem Mac wird man wahrscheinlich eher beim Original bleiben und den Editor TeXShop verwenden, der bekanntlich als Vorbild für TeXworks gedient hatte. TeXworks soll zusammen mit der Windows-Version von TeX Live 2009 und in MacTeX 2009 verteilt werden.

Die Vorbereitungen und Tests für TeX Live 2009 laufen derweil weiter. Dick Koch hat gerade eine neue, korrigierte Vorab-Version von MacTeX bereitgestellt, die man von den CTAN-Spiegelservern herunterladen und ausprobieren kann. Die derzeit letzte Version trägt die Bezeichnung: mactex-2009-july-17.mpkg.zip. Sie ist 1,3 GB groß.

Das freieMagazin 7/2009 ist erschienen und berichtet ab Seite 44 unter anderem über freie Tools zum Zerteilen von PDF-Dateien. Florian E. J. Fruth verweist zunächst auf die bereits in der März-Ausgabe erschienene „Bastelstunde“ von Thorsten Schmidt zu dem PDF-Toolkit pdftk, in der die Bearbeitung von PDF-Dateien mithilfe des Kommandozeilentools bereits vorgestellt worden war. Eine weitere empfehlenswerte Einführung von Stefan Lagotzki findet man übrigens in DTK 4/2004 ab Seite 19. Im Ergebnis empfiehlt Fruth übrigens zum Zerteilen von PDF-Dateien dann eher die Programme PDF-Shuffler und PDF-Quicksplit.

Am 14. Juli 2009 wurde KOMA-Script 3.04 veröffentlicht. Auf einige Neuerungen hatte ich bereits hingewiesen. Neu hinzugekommen ist nun eine lco-Datei zum Bedrucken von Etiketten mit der Briefklasse scrlttr2. Markus Kohm erkundigt sich übrigens in seinem Blog, ob er weiterhin über die Entwicklung von KOMA-Script und über das KOMA-Script Documentation Project bloggen solle. Bisher haben sich sämtliche Teilnehmer an der Umfrage dafür ausgesprochen. Markus hegt aber noch Zweifel, weil die Anzahl der Teilnehmer doch recht klein ist. Wer seine Stimme abgeben möchte, melde sich bei dem Projekt an und beteilige sich an der Umfrage im linken Seitenrand unterhalb der Nagivation.

Auch zur Memoir-Klasse von Peter Wilson gibt es Neues zu berichten. Lars Madsen hat einige kleinere Updates eingearbeitet und das Manual auf den neuesten Stand gebracht.

Von der bewährten LaTeX-Einführung l2kurz gibt es nun auch eine persische Übersetzung von Mehdi Omidali. Vafa Khalighi weist darauf hin, daß sie mithilfe von XeTeX mit den Erweiterungen xepersion und bidi gesetzt wurde. Das Ergebnis ist aus drucktechnischer Sicht sehr beachtlich – auch wenn man der persischen Sprache nicht mächtig ist. Probleme gibt es derzeit noch noch mit dem Paket hyperref beim Textsatz von rechts nach links, wie Vafa Khalighi auf Nachfrage erklärt[1],[2]. Die Bookmarks in der PDF-Datei funktionierten deshalb leider nicht.

Der aktuelle Stand von LuaTeX ist v0.42.0. Taco Hoekwater hat also diesmal keine Beta-Version veröffentlicht. Es handelt sich aber trotzdem nur um einen „snapshot release“, der nicht für den produktiven Einsatz gedacht ist.

Auch zu ConTeXt gibt es Neuigkeiten: Das Wiki ConTeXt Garden wird am 24. Juli 2009 fünf Jahre alt, schreibt Patrick Gundlach im ConTeXtgarden-Blog. Herzlichen Glückwunsch, und vielen Dank an die Maintainer! Außerdem gibt es jetzt ein Git-Repository, das den gesamten ConTeXt-Quelltext bereitstellt. Es wird täglich kurz nach Mitternacht synchronisiert. Dort findet man also auch die neue aktuelle Version, die Hans Hagen am Freitag veröffentlicht hat. Voraussetzung ist LuaTeX 0.42.

Derzeit teste ich weiterhin Zotero 2.0 beta in Firefox 3.5 – zweimal bleeding edge, sozusagen. Das herausragende neue Feature von Zotero 2 ist der Austausch von bibliographischen Daten im Team über den Zotero-Server. Wer sich an dem Test beteiligen möchte, kann sich gerne die beiden Gruppen anschauen, die ich vor kurzem dort angelegt habe: In die Gruppe texandfriends habe ich einige teXnische Titel eingestellt. Die Gruppe openoffice.org ist derzeit noch leer. Eine weitere Gruppe habe ich zur sozialrechtlichen Literatur eingerichtet. Wer Zotero zum Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit einsetzen möchte, sollte derzeit noch bei der stabilen Version 1.0 bleiben.

Abschließend ein Hinweis auf zwei Zeitschriftenbeiträge mit Bezug zu (La)TeX. Klaus Peters, der einst in den 1960er Jahren das Mathematik-Programm bei Springer aufgebaut hatte, schreibt in den Notices der AMS (August 2009, 819–822) über das Thema Why publish Mathematics?, und natürlich kommt auch TeX darin vor (821):

The technological environment of publishing has changed and continues to change dramatically. I will list and briefly comment on two aspects: … In my lifetime as a publisher two major innovations affected the production process. a) Offset printing … b) A new method of typesetting, TeX, was developed, and it conquered the scientific community and soon the publishing industry by storm. This program allows authors to prepare manuscripts in a form that resembles classical typesetting and seemingly eliminates a whole step in the production process. The benefits are enormous, and, if used appropriately, TeX saves time and money to a degree that has probably not been fully studied and appreciated. However, as with offset printing, the use of TeX has encouraged a trend towards acceptance of manuscripts in a form that resembles finished products and seems to allow bypassing the editing and designing process that is essential for good book making. The uncritical analysis of the consequences of such technological innovations has led to misunderstandings that affect the valuation of the role of publishers. …

Es wäre zu ergänzen, daß auch in denjenigen Fächern und bei den Verlagen, bei denen üblicherweise nicht mit (La)TeX gearbeitet wird, das Lektorat ebenfalls schon längst eingespart worden ist. TeX hat hier also sicherlich in der damaligen Zeit, als es erstmals Verbreitung fand, einen wichtigen Anstoß für die Entwicklung des Herstellungsprozesses gegeben. Die Entscheidung aber, nicht nur den Satz, sondern auch das Lektorat und schließlich auch das Korrektorat ganz in die Hände des Autors zu legen (im Falle meiner Dissertation: auch die Formulierung des Werbetexts und des Klappentexts), lag und liegt bei den Verlagen.

Weiterhin erscheint in c’t 16/2009 auf Seite 152 eine FAQ zum Textsatz mit TeX/LaTeX, die ich in Zusammenarbeit mit der Redaktion geschrieben habe. Als Adressat hatten wir dabei einen Anfänger im Blick, der üblicherweise mit einer Textverarbeitung unter MS Windows arbeitet und der sich fragt, ob er den Schritt in die TeX-Welt wohl wagen solle. Das Zusammenspiel von TeX-Distributionen, -Editoren und Previewern wird deshalb ebenso erklärt wie die Pflege einer TeX-Distribution. In der „Hotline“ auf Seite 149 f. erkläre ich außerdem, warum man Writer2LaTeX nun in OpenOffice.org 3.1 nachinstallieren muß und wie man dabei vorgeht.