Zurück zum TeX Catalogue

Zugegeben: Ich habe ein schlechtes Gewissen, denn ich habe mein Baby, den Topic Index zum TeX Catalogue, schon lange vernachlässigt – viel zu lange, denn ich mag ihn ja eigentlich immer noch sehr. Obwohl ihm mit ctan.org schon seit längerem eine starke Konkurrenz erwachsen ist. Die Suchmaschine dort funktioniert eigentlich sehr schön, Gerd Neugebauer hat erst gestern ein Update eingespielt, und natürlich ist sie viel aktueller und mächtiger als meine händisch gepflegte Liste – wenn man die richtigen Begriffe kennt, nach denen man suchen muß. Und das ist oft nicht der Fall. Für einen thematischen Einstieg halte ich deshalb gerade für Benutzer, die Englisch nicht als Muttersprache sprechen – und das dürften die allermeisten sein –, den Catalogue für unverzichtbar. Nicht weil er auf Deutsch wäre, denn das ist bekanntlich nicht der Fall, sondern weil er tatsächlich Themen präsentiert und die ganze Vielfalt der Pakete rund um TeX and Friends im sachlichen Zusammenhang erschließt. Das dürfte nicht nur für Anfänger hilfreich sein, denn bei der CTAN-Suche sind nach wie vor auch immer wieder Pakete unter den Ergebnissen, die aus ganz anderen Bereichen als dem gesuchten stammen. So ist das eben bei einer Volltextsuche ohne Empfehlungssystem im Hintergrund.

Deshalb habe ich damit begonnen, den Topic Index Schritt für Schritt zu aktualisieren – unter anderem mithilfe der Suche des CTAN-Portals. ;) Und das ist durchaus sehr interessant, denn ich war nun schon mehrere Jahre nicht mehr dazu gekommen, Updates einzuarbeiten, so daß da eine Menge liegengeblieben ist. Natürlich weiß ich das, denn ich habe ja kontinuierlich in der DTK über die „Neuen Pakete auf CTAN“ berichtet. Aber ich hatte es nicht geschafft, die neuen Pakete parallel dazu im Catalogue einzupflegen. Außerdem gibt es, wie ich gerade wieder selbst feststellen mußte, immer wieder Pakete, die auf CTAN installiert oder erneuert werden, ohne daß es dazu eine Ankündigung gäbe.

Ich gelobe Besserung, was mein Engagement angeht, und habe mir vorgenommen, mich im neuen Jahr wieder mehr der TeX-Dokumentation zuzuwenden. Nach der Erstellung des neuen Abschnitts über Registerhaltigkeit und Raster mit LaTeX habe ich nun noch die Teile zu Fußnoten, Endnoten und Randnotizen sowie zu BibLaTeX aktualisiert. Es ist ein Anfang.

Jetzt tritt aber erst einmal wieder eine Unterbrechung ein, denn ich bin nach Diktat verreist und verabschiede mich in die Winterpause.

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Eine Einführung zu LuaLaTeX

Wenn man sich in LuaTeX einarbeiten möchte, gibt es außer dem Buch von Herbert Voß weiterhin nur die kleine Einführung von Manuel Péguorié-Gonnard „A Guide to LuaLaTeX“, lualatex-doc. Zu Weihnachten 2011 hatte ich mir vorgenommen, sie auf Deutsch zu übersetzen. Damals war mir aber etwas dazwischengekommen, und so ließ ich es sein, behielt das Vorhaben aber seitdem die ganze Zeit über auf meiner Liste.

Weihnachten 2013 bot sich Gelegenheit zu einem neuen Anlauf. Fünfzehn Seiten auf Deutsch zu übertragen, schien mir diesmal machbar. Dabei hätte ein Aufsatz für die DTK herauskommen können. Ich begann ganz von vorn und schloß das Projekt nach vier Tagen ab – um erst danach zu entdecken, daß mir zwischenzeitlich jemand zuvorgekommen war. Erst als ich vorsorglich im TeX Catalogue nachschaute, ob es noch Pakete gebe, die ich in dem Abschnitt zu LuaTeX im Topic Index ergänzen könnte, stieß ich auf lualatex-doc-de von Christine Römer aus dem vergangenen Sommer. Das Paket war mir entgangen, weil es nicht auf der CTAN-Announce-Mailingliste angekündigt worden war. Deshalb hatte es auch nicht in meine Kolumne zu den „Neuen Paketen auf CTAN“ in der DTK Eingang gefunden.

Sehr schade, also. Die Arbeit hätte ich mir sparen können – und doch nicht, denn jede Übersetzung hat ihre Vorzüge und Schwächen. Deshalb möchte ich meinen Text doch zugänglich machen und habe ihn zwar nicht auf CTAN (denn dort gibt es ja schon ein Paket „lualatex-doc-de“), sondern auf meine private Website gestellt. Dort findet man nun also

Die Übersetzung steht, wie das englische Original, unter der GFDL.

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Kontonummern setzen

Bei meinem Kurs zur Digitalen Typographie an der VHS habe ich für den praktischen Teil zur Detailtypographie unter anderem auf Christoph Biers knappe Einführung typokurz zurückgegriffen, die in ihrer heutigen Fassung vor ziemlich genau vier Jahren aus einer intensiven Diskussion in der Newsgroup de.comp.text.tex hervorgegangen war – die erste Version datiert gar aus dem Jahr 2005 (meine Güte, wie die Zeit vergeht! ;).

Gibt es seitdem Neues? Ja, die Angabe von Kontonummern wird derzeit von dem Schema Kontonummer, Bankleitzahl auf die IBAN-Notation umgestellt, und die Banken haben BIC-Codes erhalten. Wir erinnern uns: Seither war es üblich, Kontonummern von hinten nach vorne in Dreiergruppen zu gliedern, während Bankleitzahlen von vorne nach hinten in Dreiergruppen gegliedert werden – zwischen den Gruppen jeweils ein enger Zwischenraum.

Natürlich wird über IBAN-Nummern und BIC-Codes in den einschlägigen Foren diskutiert, denn sie sind deutlich schwerer handhabbar als die alten Kontonummern und die BLZ. Offenbar sind sie nicht für Menschen gemacht worden, sondern für Computer: Viel zu lang sind sie, so lang, daß man sich sogar Gedanken darüber gemacht hat, ob man sie auf einem Briefbogen trennen dürfe (sic!). Sperrig sind sie, nicht selbsterklärend – mit einem Wort: Sie sind europäisch.

Empfohlen wird derzeit die Gliederung der IBAN in Vierergruppen von vorne. Dabei scheint mir aber ein enger Zwischenraum, wie ich ihn bisher bei Kontonummer/BLZ verwendet hatte, zu eng. Die lange, sperrige Nummer braucht eine stärkere Untergliederung, damit man sie besser erfassen kann, um sie von einer Rechnung abzuschreiben und in ein Überweisungsformular zu übertragen. Der Blick geht mehrfach hin und her, das Auge muß sich dabei an mehreren Punkten sicher orientieren können. Deshalb verwende ich hier ausnahmsweise normal breite Zwischenräume.

Anders als in dem im vorigen Absatz verlinkten Beitrag behauptet, wird der BIC-Code aber üblicherweise nicht getrennt. Es ist einfach ein alphanumerisches Kürzel für die Bank, das aus 8–11 Zeichen besteht.

DE12 3456 7890 1234 5678 90
HELADEF1822

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KOMA-Script und CTAN

Markus Kohm hat in seinem Blog darauf hingewiesen, daß er die neue Version 3.13 von KOMA-Script, die er am 19. Dezember 2013 veröffentlicht hat, nicht mehr selbst auf CTAN hochladen werde. Das Paket kann weiterhin von BerliOS bezogen werden, wo das Projekt gehostet wird. Dort ist ein TDS.ZIP verfügbar, das direkt in jeden TDS-konformen texmf-Baum entpackt werden kann.

Als Grund für sein Zögern, CTAN weiterhin direkt zu beliefern, nennt Markus Kohm die Wünsche der CTAN-Maintainer und die vielen Nachfragen nach dem letzten Upload. Man möchte dort keine TDS-Archive mehr haben, der „CTAN-Bürokratismus“ habe ihn verdrießlich gemacht, MiKTeX bediene sich direkt auf BerliOS, während TeX Live (und MacTeX) ausschließlich auf CTAN zugriffen.

Sein Blogpost ist die (sehr lesenswerte) Geschichte eines engagierten Entwicklers, der immer zum Support bereitstand. Das kommt auch in der umfangreichen und gehaltvollen Anwenderdokumentation zum Ausdruck. Markus Kohm hatte auch mir zur Veröffentlichung meiner Diss bereitwillig für Fragen zur Verfügung gestanden, und dafür war und bin ich ihm dankbar. Bei der weiten Verbreitung von KOMA-Script ist es zudem gut nachvollziehbar, daß der Support für ihn mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist und daß er überhaupt für Entwicklung und Veröffentlichung einen möglichst effizienten Weg sucht. Das schließt den Upload auf CTAN ein.

Dem Streit geht ein Vorspiel voraus. Schon im Jahr 2008/2009 hatte es ähnliche Meinungsverschiedenheiten gegeben. Es gab auch böses Blut damals, aber die genauen Interna werden in so einem Fall ja nicht vollständig bekannt.

Es sollte aber jedenfalls klar sein, daß KOMA-Script in vielfacher Hinsicht ein Sonderfall ist: Es gibt kaum ein Paket, das so bedeutsam ist für europäische LaTeX-Anwender, und es gibt kaum ein Paket, das so komplex zusammengesetzt ist, was sich auch auf den Installationsprozeß auswirkt.

Es wäre jedenfalls sehr wünschenswert, hier eine Lösung zu finden, denn – nachdem Markus Kohm schon einmal angedeutet hatte, daß er selbst eigentlich keinen Bedarf mehr an einer Weiterentwicklung habe – steht nun die Entwicklung überhaupt für ihn zur Disposition, denn wenn KOMA-Script nur noch auf BerliOS verfügbar wäre, so daß es keine offiziellen Releases mehr gäbe, käme das, da muß ich ihm Recht geben, faktisch einer Einstellung der Entwicklung gleich. Und das wäre ein sehr großer Verlust für LaTeX, der unbedingt vermieden werden sollte.

Update 27. Dezember 2013: Mittlerweile steht die neue Version von KOMA-Script auf CTAN zur Verfügung. Außerdem gibt es ein „neues“ Paket koma-script-obsolete, das die Klassen und Pakete enthält, die schon seit längerem nicht mehr unterstützt werden.

Update 29. Dezember 2013: Markus Kohm hat heute in seinem Blog bekanntgegeben, daß er zur Verteilung von KOMA-Script testweise ein experimentelles TeX-Live-Repositorium anbietet. Die Verwendung erfolgt ausdrücklich auf eigene Gefahr. Hintergrund ist, daß TeX Live über mehrere Repositories aktuell gehalten werden kann. Dagegen spricht erst einmal natürlich nichts, denn das ist eine elegante Lösung, um das zentrale Update via CTAN zu umgehen und selbständig Releases veröffentlichen zu können, die über den gewohnten TeX-Live-Manager tlmgr eingespielt werden können. Mir persönlich würde aber das Entpacken des TDS.ZIP-Archivs in meinen lokalen texmf-Baum völlig ausreichen, zumal ich sowieso nur etwa alle drei Monate Updates von MacTeX fahre.

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Registerhaltigkeit und Raster mit LaTeX

Beim zweiten Durchlauf meines Kurses zur Digitalen Typographie an der VHS Frankfurt am Main habe ich endlich einmal Gelegenheit gefunden, mich etwas mit dem Thema „Gestaltungsraster und LaTeX“ zu beschäftigen.

Natürlich kann man das ignorieren und ganz formidabel mit LaTeX arbeiten, ohne sich um die allgegenwärtigen Raster in unseren Büchern und Zeitschriften zu kümmern. Registerhaltigkeit ist modern und man hat sich an sie gewöhnt, sie ist aber bis heute mit LaTeX kaum zu erreichen. Sie ist m. E. allerdings auch nicht unbedingt anzustreben. Wenn man die zweispaltig gesetzten juristischen Fachzeitschriften des Erich Schmidt Verlags und des Verlags C. H. Beck miteinander vergleicht, zeigt sich, daß man auch eine Bleiwüste mit vielen Zwischenüberschriften und noch viel mehr Fußnoten sehr gut ohne Einhaltung eines Grundlinien- oder sonstigen Rasters setzen kann. C. H. Beck verfährt so. Auf mich wirkt das lebendiger. Die über vier Spalten ausgebreitete Präzision bei der Plazierung von Zeilen, Bildern und Tabellen wirkt leicht etwas tot und erscheint mir eher einfallslos und mechanisch, technokratisch, starr.

Und trotzdem vermisse ich ein Raster bzw. Registerhaltigkeit auch beim Arbeiten mit LaTeX manchmal, seitdem ich Scribus und sein Vorbild Adobe InDesign näher kennengelernt habe. Es gibt Aufgaben, die ich derzeit nicht ohne weiteres mit LaTeX angehen würde, weil ich dazu lieber ein Raster im Hintergrund habe, auf das bezogen ich Rahmen plazieren und anschließend mit Text und Bildern füllen kann. Und ConTeXt, das oft als Alternative zu LaTeX für den registerhaltigen Satz genannt wird, erscheint mir wegen der Einarbeitung eher als Overkill.

In einem neuen Abschnitt im Topic Index zum TeX Catalogue habe ich einige Pakete zusammengetragen, die so ein grid ermöglichen oder unterstützen sollen – entweder indem sie die Positionierung von Text oder Grafik auf dem Blatt innerhalb eines Koordinatensystems ermöglichen oder indem sie sonst Raster als Hilfen zur Orientierung auf der Seite oder – allgemeiner – bei Kolumnen bereitstellen. Sie lohnen ganz sicherlich einen kritischen Blick, und ich werde sie mir in den nächsten Monaten näher anschauen.

Mein Typographie-Kurs an der VHS Frankfurt ist übrigens sehr frei angelegt und damit unabhängig von der Software. LaTeX wird neben den gängigen Textverarbeitungen und DTP-Lösungen berücksichtigt. TeX steht auf den Rechnern im Schulungsraum bisher leider nicht zur Verfügung. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten privat und beruflich mit den kommerziellen Programmen, so daß etwa eine Demonstration mit LibreOffice für sie oft der erste Kontakt mit freier Software überhaupt ist. Die meisten reagieren darauf mit neugierigen Fragen, und natürlich wäre es schön, dem einen oder der anderen den Blick zu weiten nicht nur für die Typographie, sondern auch für hochwertige Alternativen zu Microsoft und Adobe. Die nächsten Termine für den Kurs sind Ende März/Anfang April und Ende Juni 2014.

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TeX im Jahr 2013

Dreimal Blitzlicht auf die TeX-Szene am Ende des Jahres 2013:

Auf der Mac-OS-X-Liste diskutiert man heute über TeX auf dem iPad. Es gebe da eine App, die sich aber noch in Entwicklung befinde, heißt es aus berufenem Munde. Sie funktioniere mit einer externen Tastatur, wenn es auch keine Shortcuts gebe, uns im übrigen gelte: Well, it needed some memory increase to get the german lshort compiled, but the author answers questions and will make reasonable modifications on request. Nun kann man sich fragen, was jemand dazu bringe, mit dem iPad zu teXen, denn das ist – ohne Tastatur! – eine Hardware, die gerade nicht zum Schreiben, nicht zum Arbeiten, nicht zum Erstellen von Inhalten, also nicht für den kreativen Einsatz bei Texten, sondern zum bloßen Konsumieren der App Stores konzipiert worden ist. Das ist auch der Grund, weshalb ich mit Tablets nichts anfangen kann. Aber man sieht immerhin, daß TeX hier – ebenso wie im Bereich des E-Publishing – hinter der übrigen Entwicklung ganz offenbar hinterherhinkt, denn der Bedarf bei den Benutzern ist durchaus vorhanden, aber die Programme sind nicht da. Daran hat sich seit 2011 nichts geändert. Und auch wenn Tablets nur etwa zehn Prozent der Benutzer betrifft: TeX ist auf den mobilen Plattformen so gut wie abwesend, sonst gäbe es solche Diskussionen nicht.

Die (englische) zweite Auflage des LaTeX-Begleiters ist vor kurzem als E-Book erschienen. Clemens Niederberger hat eine gehaltvolle Rezension dazu geschrieben. Wenn man bedenkt, daß schon einige gestandene LaTeX-Benutzer aufgegeben haben bei dem Versuch, ihre Quellen mit vertretbarem Aufwand nach EPUB zu konvertieren, muß es eine Aufgabe von geradezu herkulischem Ausmaß gewesen sein, das bei den komplexen Quellen des LaTeX-Begleiters zu bewerkstelligen, denn Pearson (man erinnert sich: der Verlag, der zu Anfang des Jahres aus dem IT-Bereich weitestgehend ausgestiegen war) bietet das Buch als Bundle in den DRM-freien Formaten PDF und EPUB sowie als MOBI gleichzeitig an. Bis zum Januar 2014 beträgt der Preis mit dem Code LATEXT2013 US$ 14,99, danach US$ 29,99. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen, es ist für mich persönlich aber nur ein nice to have neben dem schön gesetzten Buch-Buch zum Nachschlagen beim Arbeiten. Diese Neuausgabe war ganz sicherlich das literarische Ereignis zum Abschluß des TeX-Jahrs 2013, aber außerhalb der Blogs, der Webforen und der gerade in der Auslieferung befindlichen TeXnischen Komödie fand es keinerlei Resonanz in den Medien, auch nicht in dem Teil der Presse, der sich bisher immer mal wieder für TeX erwärmen konnte.

„Die TeX-Entwicklung ist schneller geworden“, schrieb mir ein Kollege, als ich ihn auf das besagte E-Book hinwies. Und in den Kommentaren zur Besprechung des LC2 als E-Book hieß es: „Es wäre aber noch besser gewesen, wenn man diese Einrichtung mit einer Überarbeitung verbunden hätte. Es ist m.E. nämlich nicht so, dass sich in den letzten Jahren, da nichts verändert hat. In meiner deutschen Ausgabe ‚Der LaTeX Begleiter‘ wird beispielsweise bibtex breit dargestellt. Es ist ja nun durch biblatex weitgehend obsolet geworden.“ Ist das wirklich so? Ich gebe es zu: Ich habe immer mal wieder damit gespielt, aber ich habe letztlich keine der neueren Entwicklungen aus den letzten sechs, sieben Jahren in meinen persönlichen Workflow übernommen. Weder XeTeX noch LuaTeX haben Fragen beantwortet, die ich gestellt hatte. Ich brauche sie nicht. Latin1 reicht mir als Kodierung für meine Texte weiterhin völlig aus. Und ich bin auch BibTeX treu geblieben, wenn ich es denn mal brauche. Geht es nur mir so? Auch an anderen Stellen sehe ich eine gewisse Zielerreichung. Markus Kohm etwa schrieb im Juli in seinem Blog, es gebe nun schon seit über einem Jahr keine neue Version mehr von KOMA-Script, weil er selbst dafür keinen Bedarf mehr habe. (La)TeX hat einen gewissen Stand der Entwicklung erreicht, und auch seine Benutzer haben ihren Weg gefunden, damit zu arbeiten. Man richtet sich ein, und es ist gut so. Es funktioniert ja auch praktisch alles. Ist der LaTeX-Begleiter also „veraltet“? Alles, was er enthält, ist weiterhin auch für diejenigen, die XeTeX oder LuaTeX benutzen, relevant. Und BibTeX ist ein stabiles Werkzeug, wenn auch die weitere Entwicklung von BiblaTeX (idealerweise mit Biber zu verwenden) nach einer Zeit der Ungewißheit seit 2012 gesichert scheint. Von dem ursprünglichen Entwickler des Pakets Philipp Lehman fehlt leider offenbar weiter jede Spur.

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MediaWiki to LaTeX

Dirk Hünniger hat am 18. November 2013 auf der Mailingliste TeX-D-L seinen neuen Online-Konverter mediawiki2latex angekündigt, mit dem man sich Wikipedia-Artikel direkt als ein schön gesetztes PDF ausgegeben lassen kann. Im Hintergrund arbeitet das Textsatzsystem LaTeX, das PDF wird mithilfe des Treibers xdvipdfmx erzeugt. So wird aus jedem Wikipedia-Artikel ein sorgsam gesetztes Paper einschließlich Inhaltsverzeichnis, Autorenliste und GNU-Lizenztexten – eine Alternative zur Buchfunktion, die auf den Wikimedia-Projekten seit längerem bereitsteht. Der Benutzer hat schon für zahlreiche Bücher auf Wikibooks PDF-Versionen zum Download erstellt, die dort lokal verfügbar sind.

Zuerst in: Wikipedia:Kurier, 18. November 2013.

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Von LaTeX nach EPUB III

„Seit vielen Jahren schreibe ich die meisten meiner Bücher mit LaTeX. Zwar ist die Layout-Bastelei oft mühsam, ansonsten ist LaTeX für meine Anforderungen aber perfekt geeignet – egal, ob das Buch 100 oder 1000 Seiten umfasst. Erst seit ich versucht habe, aus meinen LaTeX-Quelltexten eBooks in den Formaten ePub oder AZW (Amazon) zu erzeugen, zweifle ich an der Zukunft von LaTeX.“

Das schrieb nicht irgendwer, sondern Michael Kofler im März 2012, der in die Sackgasse LaTeX geraten war. Und er fährt fort: „Der Weg von LaTeX in ein modernes eBook-Format ist steinig und mit soviel manuellem Aufwand verbunden, dass er sich selten lohnt.“

Auch wenn es also geht, wenn man einen fähigen Konverter für die Strecke LaTeX→EPUB gefunden hat, stimmt immer noch nicht alles, händisches Nachbearbeiten ist angesagt, und dabei bleibt LaTeX am Ende ganz schlicht aus finanziellen Gründen auf der Strecke: „Rechenaufgabe: Die Umwandlung eines LaTeX-Manuskripts in ein Kindle-eBook beansprucht bei einer Textmenge von ca. 150 Seiten ca. zwei Tage. Pro verkauftem Exemplar erhalten Sie z. B. 5 EUR. Wieviel Stück müssen Sie verkaufen, damit Sie einen angemessenen Stundenlohn für die eBook-Umwandlung erzielen? In den meisten Fällen weit mehr, als zu erwarten ist…“

Damit stellt sich die Frage erneut, über die ich zuletzt Anfang 2011 geschrieben hatte: Der Einsatz von LaTeX als Ausgangsformat scheitert vielfach daran, daß es Probleme bei der Weiterverarbeitung der Quelldatei gibt. Mal fehlen Konverter, mal hakt es bei deren Güte.

Das Problem, das am Anfang des „LaTeX Web Companion“ stand, stellt sich heute erneut und anders. Ging es damals darum, „Autoren, vor allem Wissenschaftlern, die nicht in der Welt von Microsoft Word oder QuarkXpress leben,“ den Weg ins Web zu ebnen, so geht es heute darum, ihnen das Publizieren für Print und E-Book aus derselben Quelle zu ermöglichen. Der Übergang im Printbereich von PostScript zu PDF war durch die Entwicklung von dvipdfm(x) und PDFLaTeX gelöst worden. Danach kamen HTML und XML als neue Zielformate hinzu, was sich aus verschiedenen Gründen schon schwieriger gestaltete. Aber der Weg von LaTeX ins E-Book-Zeitalter stellt sich nun ganz offenbar als noch schwieriger dar. Vor allem wohl, weil es an Entwicklern fehlt, die Interesse daran haben, einen entsprechenden leistungsfähigen Konverter zu schreiben.

LaTeX ist schon längst ein Opfer seiner Mächtigkeit und seiner Flexibilität geworden. Die vielen Ergänzungen, auf die Autoren zurückgreifen oder die sie leicht selbst schreiben können, verhindern meist eine leichte Konvertierung in ein anderes Format mit den gängigen Konvertern. Andererseits ist es bekannt, daß Doc-Management für das parallele Publizieren in LaTeX und anderen Formaten etwas Vorbereitung und Planung verlangt. Wer von vornherein bereits bei der Texteingabe auf Erweiterungen verzichtet, wer minimales Markup verwendet und einen gangbaren Workflow einhält, kann zumindest eine reine Textwüste verhältnismäßig leicht in eine andere Auszeichnungssprache wie HTML oder MediaWiki umsetzen. Alles weitere – und dazu gehören dann schon die einfacheren mathematischen Formeln, aber auch Zeichnungen und sonstige Grafiken – stellt den Konverter bereits auf eine Belastungsprobe. Es ist ganz sicherlich möglich, zumindest einfacher strukturierte Texte mit LaTeX zu schreiben und in eine Vielzahl von anderen Formaten umzuwandeln – man muß aber die Beschränkungen, denen man dabei unterliegt, von Anfang an berücksichtigen, und natürlich sollte man, wie bei allen Konvertierungen, auch auf Überraschungen gefaßt sein.

Die eigentlich interessante Frage ist aber, ob dieser Zustand für professionelle Anwender weiterhin akzeptabel ist? Ganz offenbar ist dem nicht so, denn ausgerechnet der Münchener Verlag OpenSourcePress, der von Anfang an auf LaTeX gesetzt hatte und der über eine recht stattliche Backlist verfügt, hat im Mai seinen Abschied von LaTeX bekanntgegeben: „Nach 10 Jahren haben wir unser meistgenutztes Werkzeug an den digitalen Nagel gehängt, und der Schritt war zugegebenermaßen von einiger Unsicherheit und Melancholie begleitet – zumal ich selbst dieses Werkzeug bereits seit 20 Jahren in Gebrauch hatte“, schrieb Markus Wirtz im Verlags-Blog. Die Konverter in Richtung EPUB hätten versagt, neue Pakete sich nicht mit den alten Quellen vertragen. Am Ende habe man beschlossen, daß das auf Dauer kein gangbarer Weg sei. Man stieg um von LaTeX auf – ein Trommelwirbel! – AsciiDoc als Eingabeformat. Und von dort aus geht es dann via DocBook und XSLT in die diversen Ausgabeformate für Print, Bildschirm und mobil. Andere verwenden Pandoc und schreiben ihre Texte jetzt in Markdown – so auch heute das Bekenntnis eines langjährigen LaTeX-Benutzers heute nachmittag auf der Mitgliederliste von DANTE.

Sie alle befinden sich in guter Gesellschaft. Schon bei der EuroTeX 2005 hatte Sebastian Rahtz seinen Beitrag über ein „TEI/TeX-Interface“ mit der Empfehlung beendet: „Forget about teaching people \{}, …embrace semantically clean markup, forget trying to make TeX the centre of the universe, …develop TeX to keep being the best typesetting engine“.

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Pearson verlegt (fast) keine IT-Fachbücher mehr

Wie Heise online heute meldet, streicht Pearson den größten Teil der IT-Fachliteratur aus seinem Programm. Betroffen sind die Marken Addison-Wesley und Markt & Technik, in denen auch grundlegende TeX-Literatur erscheint. Die Buchreihe Pearson Studium, in der der LaTeX-Begleiter verfügbar ist, wird zwar fortgeführt, heißt es in der Meldung, man wolle sich aber „auf Lehrbücher für Schule, Ausbildung und Studium konzentrieren“.

Es kann gut sein, daß Schriftenreihen wie die Edition DANTE bald die letzten Titel sein werden, die überhaupt noch verlegt werden. Der Handel zieht sich derzeit ebenfalls zurück: Hugendubel Frankfurt hatte letzte Woche kein einziges LaTeX-Buch mehr vorrätig. Und auch der Verweis auf freie Projekte wie die englische LaTeX-Einführung auf Wikibooks (hier in einer mit LaTeX gesetzten Ausgabe), auf die in einer Diskussion verwiesen worden ist, sind zwar lobenswerte Projekte, sie ersetzen aber letztlich keine guten Bücher, weil Wikimedia-Projekte selbst zur Qualitätssicherung auf Literatur angewiesen sind.

Immerhin dürfte es sich empfehlen, die Qualität freier Anleitungen weiter zu verbessern und die Anstrengungen, die in die Dokumentation fließen, zu erhöhen, um das Wissen über die Arbeit mit TeX zugänglich und aktuell zu erhalten. Das gilt vor allem für Anleitungen in deutscher Sprache, die für Anfänger wichtig sind.

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CTAN wird weiterentwickelt

Die Arbeiten am Comprehensive TeX Archive Network CTAN gehen weiter voran. Nachdem das Webportal im vergangenen Monat einem Relaunch unterzogen worden war, hat Gerd Neugebauer nun die nächste Alpha-Version des neuen Portals vorgestellt, auf der man ein eigenes Benutzerkonto anlegen kann. Registrierte Benutzer können Pakete kommentieren und über sie abstimmen. Auf diese Weise soll die Community bei der Pflege des Datenbestands auf CTAN mitwirken können. Der Account kann jederzeit wieder gelöscht werden. Gerd Neugebauer bittet um Feedback, sinnvollerweise auf der dazu eingerichteten Mailingliste ctanweb. Benutzer sollten beachten, daß es weiterhin Probleme bei einzelnen Features geben kann. Die Suche auf ctan.org ist derzeit noch nicht vollständig implementiert worden, und auch beim Hochladen von Dateien kann es zu Problemen kommen.

Weiterhin ist ein neuer nordamerikanischer CTAN-Server eingerichtet worden. Der Vorsitzende der TeX Users Group Steve Peter schreibt in den TUG News für den Monat Januar 2013, die Domain tug.ctan.org löse nun dank der Mithilfe von Nelson Beebe auf einen Server an der Universität Utah auf. Er ersetzt den früheren nordamerikanischen CTAN-Knoten, der bis zum Ausscheiden von Jim Hefferon aus dem CTAN-Team im Januar 2011 am Saint Michael’s College in Colchester, Vermont, in Betrieb war.

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