Türkische LaTeX-Einführung, LuaTeX, TeX Live 2009, TeX Live Utility 0.66, TexWriter, Writer2LaTeX, ODF in MS Office 2007 SP2, LaTeX und Instant Messaging, Zeitschriftenbeiträge
Das erste Buch über LaTeX in türkischer Sprache ist seit kurzem im PDF-Format auf CTAN verfügbar. „Adım Adım LaTeX“ („LaTeX Schritt für Schritt“, übersetzt die „LaTeX Community“) von Abdugafur Rakhimov und Orhan Kesemen wurde zuerst im Jahre 2004 veröffentlicht. Es handelt sich um den ersten Band der Einführung. Die Autoren haben vor kurzem einen zweiten Teil veröffentlicht, und sie beabsichtigen, dem README zufolge, diesen sobald wie möglich ebenfalls im Internet zugänglich zu machen. Daneben gibt es noch eine türkische Übersetzung des Klassikers l2kurz, die Bekir Karaoglu besorgt hat.
Die Entwicklung von LuaTeX geht derweil planmäßig weiter voran. Derzeit ist Version beta 0.40.0 aktuell. Die stabile Version 0.40 soll in TeX Live 2009 einfließen. LuaTeX 1.0 ist übrigens für das Jahr 2012 vorgesehen, genau 30 Jahre nach der Veröffentlichung von TeX82. Einzelheiten zur Entwicklung von LuaTeX sind in der Präsentation zu dem Vortrag nachzulesen, den Hans Hagen bei der DANTE-Tagung im Februar 2009 in Wien gehalten hatte.
Joseph Wright zufolge soll der Feature freeze für TeX Live 2009 „irgendwann im Mai“ erfolgen.
Neue TeX-Software für den Mac: Adam R. Maxwell hat seine TeX Live Utility, das graphische Frontend zu dem TeX Live Manager tlmgr für MacTeX, überarbeitet. Version 0.66 arbeitet nun mit texdoc 0.42 zusammen. Herbert Schulz weist auf einen neuen LaTeX-Editor hin, der gerade als Beta-Version veröffentlicht worden ist: TexWriter. Anders als der bewährte TeXShop von Dick Koch, stellt TexWriter Texteingabe und PDF-Vorschau im selben Fenster dar. Der Editor läuft unter Mac OS X Leopard und dürfte einen Test wert sein.
Die bereits erwähnte Entfernung des LaTeX-Exportfilters aus der Entwicklerversion von OpenOffice.org ist mittlerweile für den in Kürze bevorstehenden Release von OOo 3.1 bestätigt worden. Writer2LaTeX ist im aktuellen OpenOffice.org 3.1 RC2 nicht mehr enthalten und muß deshalb über den Extension Manager nachinstalliert werden.
Microsoft hat seine Ankündigung umgesetzt und den Kunden im Rahmen seiner Document Interop Initiative nunmehr ODF-Filter für MS Office bereitgestellt. Sie sind Teil des Service Pack 2 für MS Office 2007. Mithilfe dieser Filter wäre grundsätzlich auch ein Datenimport von LaTeX-Dokumenten möglich, denn der Konverter TeX4ht vermag bekanntlich ODT-Dateien zu erzeugen. Die ersten Berichte von Anwendern und Entwicklern sind eher zurückhaltend ausgefallen: Weder Excel noch PowerPoint sind vollständig kompatibel mit OpenOffice.org 3. Anscheinend verwendet Microsoft ODF nur als Container für das hauseigene Office Open XML. Außerdem erzeugen die Filter noch die ältere Version ODF 1.0. Wer als MS-Office-Anwender Wert auf zuverlässigen Datenaustausch mit OOo legt, sollte sich deshalb besser das Sun-ODF-Plugin für MS-Office installieren, das wohl parallel betrieben werden kann, oder gleich OpenOffice.org verwenden.
Nach dem Verkauf von Sun an Oracle, wird übrigens die Gründung einer Stiftung für das OpenOffice.org-Projekt unter neuen Vorzeichen diskutiert.
Ein schönes und potentiell nützliches Feature stellt das LaTeX-Plugin von Zachary West für Adium bereit, den freien Multi-Protokoll-Client für den Apple Macintosh. Zwar wird Mac OS X bekanntlich mit einer eigenen Instant Messaging-Software ausgeliefert, aber eigentlich macht Chatten auch auf dem Mac erst mit Open-Source-Anwendungen richtig Spaß. Wer nur Jabber oder andere XMPP-Dienste nutzen möchte, kann auf Psi zurückgreifen. Wer daneben auch andere, proprietäre Protokolle verwenden möchte, sollte sich den wesentlich mächtigeren und sehr komfortabel zu bedienenden Adium einmal anschauen. Im Gegensatz zu dem recht einfach gehaltenen iChat, kann man sich damit beispielsweise auch einen Jabber-Account einrichten.
Adium kann mithilfe des gerade erwähnten Plugins während des Chats LaTeX-Quelltext in einer Preview darstellen (eine funktionstüchtige TeX-Installation dürfen wir bei den Lesern dieses Blogs voraussetzen). Die Funktion stand bis Version 1.0.6 standardmäßig in Adium zur Verfügung, wie man liest, wurde dann aber entfernt (wer, bitte, kommt denn auf solche Ideen?), sie kann seitdem gesondert nachinstalliert werden. Mathematische Formeln, die in $$ … $$ oder in \[ … \] eingeschlossen sind, werden beim Senden automatisch geTeXt und in eine PNG-Datei gewandelt. Sie erscheint dann in Adium anstelle des Quelltexts, und auch der Empfänger kann sich korrekt ausgezeichnete LaTeX-Codefragmente auf diese Weise „live“ graphisch darstellen lassen – sofern auch sein IM-Client über eine LaTeX-Unterstützung verfügt. Den Kommentaren von Anwendern zufolge, scheint das Adium-Plugin leider nur auf Intel-Macs zu laufen, Power-PC-Anwender müssen demnach also leider auf dieses Feature verzichten. Vergleichbare Lösungen gibt es übrigens für den IM- und IRC-Client von KDE Kopete (KopeTeX) sowie für die Clients Pidgin und Miranda. (Vindauga danke ich für die freundliche Rückmeldung zu Kopete).
Zum Abschluß ein Überblick über die TeX-Zeitschriften, die in der letzten Zeit online gestellt worden sind:
Ausgabe 5 von Ars TeXnica ist mittlerweile auf der Website der italienischen TeX-Anwendervereinigung GuIT veröffentlicht worden. Unter den rein italienischsprachigen Beiträgen findet sich u. a. eine Einführung in XeTeX von Massimiliano Dominici.
Javier Bezos berichtet in TeXemplares 8 von CervanTeX über die Entwicklung der neuen spanischen Trennmuster, die vor kurzem in babel integriert worden sind. Der Beitrag befaßt sich insbesondere mit der Trennung von Wörtern, die einen Bindestrich enthalten.
Das Asian Journal of TeX besteht erst seit 2007. In Ausgabe 2/2008 berichtet Juho Lee über das koreanische Alphabet Hangeul und seine typographisch korrekte Umsetzung in ko.TeX (ein Beitrag in koreanischer Sprache).
MAPS 35 von der niederländischen NTG enthält u. a. eine Einführung in pgf/TikZ von Wili Egger.
Zeitschriftenaufsatz, Videokurs, l2tabu und natdin, Writer2LaTeX, MacTeX 2008, LuaTeX, DANTE
George Grätzer hat den zweiten Teil in einer Reihe von Aufsätzen über die neuere Entwicklung von LaTeX in der Mai-Ausgabe der „Notices of the American Mathematical Society“ veröffentlicht (S. 627–629). Der Beitrag ist als PDF-Datei herunterzuladen und stellt die Entwicklung der wichtigsten TeX-Distributionen dar, von den ersten Anfängen über die Gründung von CTAN bis zu MiKTeX und TeX Live. Es ist paradox (S. 628 f.):
Curiously, as the TeX installations get so much more technically complicated, the main direction of the development is clear: from the user’s perspective, everything is getting so much simpler.
On my Mac, I download MacTeX (which includes TeXShop and TeX Live). I get a standard Mac installation dialog box: I confirm the location of the installation on my hard disk, click on install, and I am done. Compare this with the thirty-page installation manuals of just a few years ago.
Hinweise auf Hilfen für Anfänger runden den Beitrag ab.
Weniger bekannt dürfte insbesondere sein, daß auf CTAN auch eine Reihe von neun Video-Präsentationen im Quicktime-Format bereitsteht, in denen George Grätzer eine schöne, anschauliche Einführung in die allerersten Schritte für den LaTeX-Anwender (nicht nur auf dem Mac) gibt. Wer auf einem MacBook arbeitet, sollte darauf achten, die Größe der Darstellung in Quicktime mit „CMD-0“ auf die Hälfte zu verkleinern, weil die Kontrollelemente des Players wegen der hohen Auflösung der Videos sonst nicht sichtbar sind. Die Tutorials können auch im VLC media player wiedergegeben werden.
Dominik Waßenhoven hat in der deutschsprachigen TeX-Newsgroup de.comp.text.tex darauf hingewiesen, daß l2tabu, „Das LaTeX2e-Sündenregister“ über „Veraltete Befehle, Pakete und andere Fehler“ von Mark Trettin, in einem Punkt mittlerweile überholt sei: In Version 1.8 heißt es unter 2.2.8 auf Seite 11 der PDF-Version, der BibTeX-Stil natdin sei obsolet. Stattdessen wird empfohlen, das Paket dinat von Helge Baumann zu verwenden. Beide Pakete dienen dazu, ein Literaturverzeichnis nach DIN 1505 mithilfe von BibTeX zu erstellen. Weil natdin von K. F. Lorenzen mittlerweile aber überarbeitet worden ist, könne das Paket wieder zusammen mit natbib eingesetzt werden. natbib von Patrick W. Daly und Arthur Ogawa implementiert numerierte Literaturangaben sowie Zitate im Autor-Jahr-Schema.
Auf die Entwicklung von Writer2LaTeX zu einer OpenOffice.org-Extension hatte ich bereits hingewiesen. Wegen der zwischenzeitlich aufgetretenen technischen Probleme bei der Verwendung der Extension von Writer2LaTeX 1.0 beta mit OOo 3.1 und wegen der angeblich mit OpenOffice.org inkompatiblen Lizenz, haben Entwickler nun im Chat vom 6. April 2009 vorgeschlagen, Writer2LaTeX ganz aus dem in den nächsten Wochen bevorstehenden neuen Release von OpenOffice.org zu entfernen (vgl. die Issues 100744 und 100836). Nach Lage der Dinge ist leider nicht zu erwarten, daß dem insoweit geäußerten Widerspruch Gehör geschenkt wird. Den LaTeX-Export wird man wahrscheinlich zukünftig per Extension in OpenOffice.org nachrüsten müssen. Das Release-Datum für OOo Version 3.1 ist unterdessen offiziell auf Ende April 2009 verschoben worden.
Dick Koch hat bekanntgegeben, daß der „Corrupt Font Cache Bug“ beim Einsatz von MacTeX 2008 behoben worden ist. Unter Apple Macintosh wird standardmäßig pdfTeX zur Erzeugung von PDF-Dateien verwendet. Nach dem erneuten Setzen eines Dokuments wurden bei einigen Anwendern plötzlich die gewohnten Fonts durch andere ersetzt. Der Fehler betraf alle Anwendungen, die auf die PDF-Routinen von Mac OS X zurückgreifen, also etwa TeXShop oder LaTeXiT. Der Fehler betrifft den Font Cache des Systems und kann, nachdem er aufgetreten ist, nur durch einen Neustart des Systems behoben werden. Melissa O’Neill war es in Zusammenarbeit mit den übrigen Entwicklern der zugrundeliegenden Anwendungen gelungen, die Ursache für dieses äußerst schwer zu ermittelnde Problem herauszufinden. Es zeigte sich, daß ein Bug in pdfTeX, der bereits seit 2004 auf allen Plattformen existiert, dafür verantwortlich war, aber auch dvips und einige Fonts in TeX Live stellten sich als fehlerhaft heraus. Diese Fehler können nicht über den TeX Live Manager tlmgr behoben werden. Das MacTeX-Team stellt deshalb auf der hierzu eingerichteten Seite einen Patch bereit, der als Paket leicht installiert werden kann. Hierdurch werden neue Versionen von pdfTeX und dvips installiert. Fehlerhafte Fonts werden dann beim Einbetten in die PDF-Datei automatisch korrigiert. Auf der genannten Website finden sich auch weitere Informationen zu dem Problem – das mir im übrigen bisher noch nicht begegnet ist. Wahrscheinlich kommt es darauf an, mit welchen Fonts man arbeitet, auf der MacOSX-TeX-Liste gab es nämlich einige Danksagungen betroffener Anwender. Zu erwähnen bliebe, daß der Bugfix nur zusammen mit MacTeX 2008 zu verwenden ist. Andere Distributionen, z. B. BasicTeX, müssen mithilfe anderer Patches, die man ebenfalls auf der genannten Seite findet, händisch gefixt werden.
Die aktuelle Version von LuaTeX ist mittlerweile beta 0.39.0 (dort auch die Release Notes).
Zum Abschluß sozusagen eine „Hausmitteilung“: Die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX (DANTE) e.V. war am 14. April 1989 gegründet worden und wurde somit am vergangenen Dienstag 20 Jahre alt. Dem Glückwunsch „Alles Gute DANTE, auf die nächsten 20 Jahre!“ müssen sich alle TeX-Anwender anschließen, wenn man bedenkt, was alles in dieser Zeit durch den unermüdlichen Einsatz von (letztlich nicht allzu vielen) ehrenamtlichen Mitarbeitern am Projekt erreicht wurde. Wer die weitere Entwicklung von TeX fördern möchte, möge dem Verein beitreten.
BibTeX2Wikipedia, KOMA-Script 3.03, LilyPond und ConTeXt, pgfplots, LyX 1.6.2, OpenOffice.org Planet, Interviews
Da in der deutschen Wikipedia seit dem 11. März 2009 über die Literaturliste des Artikels zu „LaTeX“ diskutiert wird, las ich mir die diesbezüglichen Empfehlungen in der Wikipedia-Hilfe durch – und stieß dabei auf den Online-Konverter von Arne Nordmann. Damit können BibTeX-Dateien entweder per Copy/Paste oder per Datei-Upload in das Format der offiziellen Literaturvorlage gewandelt werden, die für die deutsche Wikipedia empfohlen wird. Ein Test mit eigenen BibTeX-Einträgen verlief überwiegend positiv. Bei längeren Zeilen mußten Umbrüche händisch repariert werden.
Markus Kohm hat in seinem Blog einige neue Features der bevorstehenden Version 3.03 von KOMA-Script erwähnt:
Das betrifft in erster Linie scrlttr2, das direkt Port-Payé unterstützen wird. Daneben wird es in typearea ein experimentelles Feature geben, mit dem ich selbst allerdings nicht besonders glücklich bin: der Umschaltung des Seitenformats innerhalb des Dokuments bei Verwendung von dvips. Die derzeitige Lösung ist ein ziemlich übler Hack. Eine saubere Lösung wäre jedoch sehr, sehr aufwändig. Deshalb schrecke ich derzeit vor der Implementierung bzw. erst einmal Experimenten zur Implementierung noch zurück. Dies umso mehr, als ich den dvips-Weg für nicht mehr wirklich zeitgemäß für ein komplettes Dokument halte. Die direkte Erzeugung eines PDF ist einfach deutlich leistungsfähiger. dvips hat seine Berechtigung nach meinem Dafürhalten in erster Linie noch bei Verwendung von PS-Tricks, dann aber weniger für das gesamte Dokument als für Wege wie pst-pdf.
Henning Hraban Ramm hat eine neue Version des ConTeXt-Moduls für die Notensatz-Software LilyPond 2.12 veröffentlicht, in der mehrere Fehler berichtigt worden sind. Ein Anwender beklagte sich darüber, daß mit dem Modul nicht eine, sondern zwei EPS-Dateien erzeugt würden. Dem Autor zufolge gehe dieses Problem aber nicht auf das neue Modul zurück, es liege an LilyPond. Der Fehler sei den Entwicklern bekannt.
Für das Paket pgfplots von Christian Feuersänger gibt es jetzt eine eigene Mailingliste pgfplots-features. Das Paket dient zum Zeichnen von Funktionsplots und setzt auf dem Paket pgf von Till Tantau auf.
LyX 1.6.2 ist veröffentlicht worden. Es handelt sich um einen Bugfix-Release, in dem viele Fehler behoben worden sind, die in den Vorgängerversionen 1.6.0 und 1.6.1 enthalten waren. Teilweise handelte es sich dabei um Bugs, die Datenverlust zur Folge hatten. Ein Upgrade wird daher allen Anwendern empfohlen. Außerdem wurde die allgemeine Performance von LyX verbessert. Derzeit ist nur der Quelltext verfügbar. Binaries für Microsoft Windows, Apple Macintosh und Linux werden, wie üblich, sehr bald dort herunterzuladen sein.
Sun hat mit „OpenOffice.org Planet“ einen Nachrichten-Aggregator zu Entwickler-Blogs über OpenOffice.org eingerichtet. Wer also die Entwicklung von OpenOffice etwas eingehender verfolgen möchte, kann jetzt auf eine zentrale Anlaufstelle zurückgreifen (selbstverständlich mit RSS-Feed).
Zum Schluß wieder ein Hinweis auf zwei neu veröffentliche Interviews. Die Chemnitzer Linux-Tage 2009 fanden dieses Wochenende statt, und auch DANTE war hier vertreten. DANTE-Vorsitzender Klaus Höppner hat RadioTux ein Interview gegeben, das im freien Audio-Format Ogg-Vorbis und als mp3-Datei zum Download bereitsteht (URLs nachträglich angepaßt am 22. April 2009). Weiterhin hat Dave Walden Sebastian Rahtz für die TUG Interview Corner befragt.
DE-TeX-FAQ, DTK 1/2009, Baskerville, marginnote, splitindex, TeX at 30, Neuerscheinung, silence, TeX Pearls, Software-Updates
Bei der gerade durchgeführten DANTE-Frühjahrstagung in Wien wurde unter anderem das neue Wiki zur Überarbeitung der deutschsprachigen TeX-FAQ vorgestellt. Die Inhalte der bisherigen FAQ, die sich weiterhin auf dem Stand von September 2003 befindet, werden nun Schritt für Schritt in das Wiki überführt und dabei auf den neuesten Stand gebracht. Alle Inhalte stehen dort nunmehr unter CC-by-nc-sa-Lizenz. Solange die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, sollte man aber weiterhin auf die deutsche oder auf die von Robin Fairbairns gepflegte englische FAQ zurückgreifen (und verlinken). Die Überarbeitung der FAQ fällt zusammen mit einer generellen inhaltlichen und technischen Überarbeitung des DANTE-Webauftritts, die parallel hierzu in Angriff genommen worden ist. Der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Archiv zur DTK fällt doch recht deutlich zugunsten der überarbeiteten Fassung aus, die viel freundlicher daherkommt als das alte Layout.
Zur Monatswende wurde die DTK 1/2009 an die Mitglieder von DANTE versandt. Joachim Lammarsch würdigt darin den im Januar 2009 verstorbenen LaTeX-Pionier Helmut Kopka und blickt auf die Entwicklung von dessen bekannter Buchreihe „LaTeX“ zurück. Schwerpunkte dieser Ausgabe sind Beiträge über Fonts (deutsche Einheitskurzschrift, True-Type-Fonts für pdfTeX, Linux Libertine) und über größere Projekte: Uwe Zigenhagen beschreibt das „Konferenzmanagement mit LaTeX“ (Briefe, Rechnungen, Namensschilder), während Dominik Wagenführ seine Lösung zum Setzen des „Freien Magazins“ mit LaTeX vorstellt. Adelheid Grob beschreibt das Paket todonotes, und Gerd Neugebauer beschäftigt sich mit verschiedenen Lösungen für die Darstellung des TeX-Logos in HTML.
Währenddessen gab die UK-TUG bekannt, daß sie ihre Zeitschrift „Baskerville“ nach einer längeren Pause wieder herausgeben wolle. Das Archiv der Zeitschrift auf CTAN endet im Jahre 1998.
Markus Kohm veröffentlicht bekanntlich Updates seines Bundles KOMA-Script nur noch auf BerliOS. Die CTAN-Maintainer übertragen die Dateien regelmäßig von dort in das TeX-Repository CTAN. Beim Updaten seiner anderen Pakete splitindex und marginnote wies Markus Kohm nun darauf hin, daß er auch diese Pakete nicht mehr selbst auf CTAN stellen werde. Das Paket splitindex wird auf Sarovar gehostet, während marginnote auf KOMA-Script.de bereitsteht. Wer mit diesen Paketen arbeitet, sollte also dort auf Updates achten. Die auf CTAN verfügbare Version wird voraussichtlich immer ein bißchen hinterherhinken.
In den „Notices of the American Mathematical Society“ ist ein weiterer Aufsatz zum derzeitigen Stand der Entwicklung von (La)TeX erschienen. Jim Hefferon und Karl Berry beschreiben dort in der Ausgabe von März 2009 „The TeX Family in 2009“. Der Beitrag, der von einer schönen Zeichnung von Duane Bibby auf dem Titelblatt der „Notices“ begleitet wird, steht unter dem Motto „TeX at 30: Going strong“ und stellt die Neuerungen der letzten Jahre im Überblick dar (vor allem bei pdfTeX, XeTeX und LuaTeX und bei den Schriften Latin Modern, TeX Gyre und STIX). Eine Linksammlung zu dem Artikel findet man auf der Website der TeX Users Group.
Das neue Buch von Herbert Voß „Mathematiksatz mit LaTeX“ ist mittlerweile bei Lob.media erschienen.
Joseph Wright weist in seinem Blog auf das Paket silence von Paul Isambert hin, mit dem man steuern kann, welche Fehlermeldungen LaTeX beim Kompilieren ins Logfile schreibt. Das LaTeX3-Team diskutiere, welche Fehlermeldungen von LaTeX3 ausgegeben werden sollten. Jeder Anwender weiß, daß die Angaben im Logfile im Regelfall viel zu ausführlich ist. Anfängern fällt es sehr schwer, die vielen Warnungen, Status- und Fehlermeldungen auseinanderzuhalten und zu verstehen. Das meiste hiervon ist in der Regel vernachlässigbar.
Bernd Raichle erinnert an die „TeX Pearls“ der polnischen Anwendervereinigung GUST, die wieder zur bevorstehenden BachoTeX-Tagung gesucht werden. Wer also solche „Perlen“ entweder selbst geschrieben oder aber irgendwo gefunden haben sollte, möge sie bei der GUST einsenden.
Mehrere Programme, die ich bereits in diesem Blog vorgestellt habe, wurden upgedatet:
SimpleTeX4ht, das Frontend zu TeX4ht für Mac OS X, ist in Version 2.6 veröffentlicht worden. Die Konvertierung wird damit nun standardmäßig im Nonstop-Mode ausgeführt, damit werden die meisten Fehlermeldungen ignoriert.
Von dem OpenOffice.org-Konverter Writer2LaTeX wurde die Entwicklerversion 0.9.4 vorgestellt. Außerdem ist das Projekt nun offiziell auf Sourceforge umgezogen. Dadurch ändert sich auch die URL für den Auszug aus dem „Praxisbuch“ von Elke und Michael Niedermair mit der Anleitung zu w2l.
Auch der Editor TeXShop für Apple Macintosh wurde weiter entwickelt. Es gibt ihn nun in Version 2.25. Leider sind die Menüs auch in dieser Version noch nicht durchgehend eingedeutscht. Die Lokalisierung kann mit der sehr zügigen Entwicklung des Programms nicht Schritt halten. Bemerkenswert sind übrigens die umfangreichen Einführungen in LaTeX von George Grätzer und Richard Koch, die zusammen mit TeXShop verteilt werden, unter anderem Auszüge aus Grätzers Buch „More Math into LaTeX“. Sie sind über das Hilfe-Menü zugänglich.
Von dem Firefox-Plugin Zotero ist nun die Version 1.5 beta verfügbar. Ein Video demonstriert auf der neu gestalteten Homepage des Projekts die neuen Features.
LuaTeX beta 0.35.0 wurde Ende Februar 2009 freigegeben. Die Version 0.40.0 soll in TeX Live 2009 enthalten sein.
Und – last, but not least: Christian Schenk hat die MiKTeX Tools 2.8 beta 2 für GNU/Linux veröffentlicht. MiKTeX-pdfTeX wurde portiert.
LaTeX3, BibDesk 1.3.20, Literaturverwaltungen und OpenOffice.org, Aquamacs Emacs 1.7preview-1, Google Summer of Code, TUG 2009, TUG-Logo, Interviews
Das LaTeX3-Team hat am 11. Februar 2009 die erste Ausgabe der „LaTeX3 News“ veröffentlicht. In der letzten Zeit ist offenbar Bewegung in das Projekt gekommen, was ja sehr zu begrüßen wäre, gerade angesichts des 15. Geburtstags von LaTeX2e im Sommer diesen Jahres. LaTeX3 besteht derzeit im wesentlichen aus dem Paket expl3, das auf LaTeX2e aufsetzt. Dieses Paket soll nun überarbeitet werden. Hierum werde später der LaTeX3-Kernel aufgebaut. Langfristig müsse LaTeX3 aber von Grund auf neu geschrieben werden, heißt es in dem Newsletter.
Die Literaturverwaltung BibDesk wurde in der Version 1.3.20 veröffentlicht (vgl. die Release Notes).
Im Apple-Forum bei Xing wurde unlängst die Frage nach einer Literaturverwaltung für den Mac gestellt. Mehrheitlich wurden BibDesk und JabRef, aber auch Zotero empfohlen. Die Fragestellerin wollte allerdings nicht mit LaTeX, sondern mit einer Textverarbeitung schreiben. Wie steht es also um die Zusammenarbeit von Literaturverwaltungen mit Textverarbeitungen? Michael McCracken schrieb vor kurzem, eine BibDesk-Integration für OpenOffice.org (OOo) sei bis auf weiteres nicht vorgesehen. Die Überarbeitung der Literaturdatenbank in OpenOffice.org stehe schon lange auf der Tagesordnung, sei aber nie ernsthaft in Angriff genommen worden. Da er aber nun bei Sun ständig mit StarOffice arbeite, wolle er die Frage im Auge behalten. Um BibDesk zusammen mit OpenOffice.org zu verwenden, empfiehlt er, bis auf weiteres seine Daten in ein Format zu exportieren, mit dem OpenOffice.org weiterarbeiten kann. BibDesk bietet zwar nicht das native Datenbankformat von OpenOffice.org an, OOo kann aber externe Literaturdatenbanken einbinden. Leichter ist die Zusammenarbeit von JabRef mit OOo, denn JabRef enthält Exportfilter für die Tabellenkalkulation OpenOffice.org Calc. Das genaue Vorgahen wird auf der Projekt-Homepage beschrieben. Ein neues OOo-Plugin für JabRef befindet sich noch im Alpha-Stadium. Zotero wiederum bietet zwar Plugins für Microsoft Word und OpenOffice.org, letzteres funktioniert aber wegen eines Fehlers im Python-Support in OOo 3.0 auf dem Mac derzeit nur über einen Workaround. Der Patch steht für Leopard zum Download bereit. Unter Tiger muß er händisch installiert werden.
Aquamacs Emacs 1.7preview-1 ist veröffentlicht worden. Es handelt sich derzeit um einen „nightly build“ für mutige Tester.
Die TeX Users Group wird, wie im Vorjahr, auch wieder am diesjährigen Google Summer of Code teilnehmen. Die derzeit vorgeschlagenen Projekte werden auf der TUG-Website vorgestellt.
Im Anschluß an die bereits angekündigten Tagungen wäre noch auf TUG 2009 hinzuweisen, die in diesem Jahr zum 30. Mal stattfinden wird. Veranstaltungsort ist die University of Notre Dame in Indiana, USA, vom 28.–31. Juli 2009. Frühbucherrabatt wird bis zum 27. April 2009 gewährt. Und selbstverständlich hat auch Duane Bibby wieder die TeX-Maskottchen zeichnerisch in gewohnt liebevoller Manier in Szene gesetzt.
Übrigens wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, um ein neues Logo für TUG zu entwickeln. Einsendungen werden bis spätestens 30. April 2009 erbeten. Wahrscheinlich soll das Logo bei der TUG 2009 im Sommer vorgestellt werden.
Abschließend der Hinweis auf zwei neue Interviews: In der TUG Interview Corner wird David MacKay vorgestellt, während Stian Rødven Eide mit dem FSFE-Fellow Colin Turner unter anderem über die Bedeutung von Freier Software für die Mathematik spricht:
– … Has the growing availability of Free Software helped furthering the field of mathematics?
– Not as much as it should have. By far and away the most popular packages in the field are proprietary, things like Mathematica, Mathcad, and so on. There are free alternatives, but these are often perceived to be weaker (and this is generally, unfortunately, true), and the free alternatives like Axiom and Maxima seem to be less well rounded. It’s harder to get students to learn them. On the other hand, things like LaTeX are a huge part of the maths education world, and excellent Free Software that is hard to beat. We keep trying to show the virtues of using Free Software in both teaching and research.
– Can using Free Software help people become better mathematicians?
– I’m not sure it particularly has that effect, it’s just that there are practical consequences to using free software that are generally helpful. For example, your research project doesn’t go belly up just because a proprietary firm stops making a product. It could be argued that the nature of software like LaTeX and R promotes better understanding however.
Internetforen zum Textsatz mit LaTeX
In den vergangenen Jahren sind eine ganze Reihe von neuen Internetforen zum Textsatz mit LaTeX entstanden, die einen näheren Blick wert sind. Das Web 2.0 entwickelt sich trotz Tendenzen zur Konsolidierung weiterhin recht lebhaft, und der Trend geht zumindest für jüngere und technisch weniger versierte Anwender ganz klar hin zum Webforum.
Die älteren Foren in Newsgroups und Mailinglisten bestehen daneben natürlich fort, und zumindest die TeX-Newsgroups de.comp.text.tex, comp.text.tex und fr.comp.text.tex sind vom Nutzerschwund im Usenet weniger stark betroffen als andere Gruppen (während die spanische Gruppe es.comp.lenguajes.tex leider seit längerem schon chronisch zugespammt wird). Die hier schreibenden Regulars engagieren sich meist schon länger in den TeX-Anwendervereinigungen und verfügen daher über ein dementsprechend gutes Know-How. Daneben boomt aber zunehmend das Webforum. Das LaTeX-Forum von mrunix.de gibt es schon länger, goLaTeX ging etwas später an den Start. Außerdem gibt es noch ein LaTeX-Forum bei Matroids Matheplanet und auch eine Plattform für KOMA-Script-Anwender. Hier tauscht man sich auf Deutsch aus. LaTeX Community scheint das einzige öffentliche Webforum in englischer Sprache zu sein. Selbstverständlich kann man diese Dienste auch per RSS-Feed im Feedreader mitlesen. Über Google Groups funktioniert das auch bei Newsgroups, für das Posten über Google sollte man aber einige Hinweise. beachten. Die Verwendung von Google Groups ist mittlerweile so populär geworden, daß manche (eher jüngere) Anwender gar meinen, das ganze Usenet wäre eine Veranstaltung von Google, was in dieser Form natürlich abwegig ist.
Daneben entdeckt man noch ein paar weniger öffentliche Foren zu LaTeX in den sogenannten sozialen Netzwerken, so etwa die (La)TeX-Gruppen bei XING oder bei Facebook. Während nicht registrierte Anwender bei XING immerhin noch mitlesen können (die Suchfunktion steht allerdings erst nach der Anmeldung zur Verfügung), handelt es sich bei der LaTeX-Gruppe auf Facebook um eine gänzlich geschlossene Veranstaltung, deshalb ist es nicht sinnvoll, auf sie zu verlinken. Wer nicht bei Facebook registriert ist, muß leider draußen bleiben. Vielleicht liegt es hieran, daß sich auf der (mit der Gruppe nicht zu verwechselnden) DANTE-Seite dort bisher weniger als eine Handvoll „Fans“ zusammengefunden haben, während sich bei XING derzeit rund 750 Nutzer als TeX-Anwender geoutet haben. Die Beteiligung ist in diesen Foren deutlich geringer als bei den offen zugänglichen Portalen. Andererseits ist auffällig, daß Themen mitunter Monate später wieder aufgegriffen werden oder daß manche Threads über Jahre laufen, was in Newsgroups oder auf Mailinglisten ausgeschlossen ist, weil deren Inhalte bekanntlich „flüchtig“ sind. Echte Hilfestellung oder wirklich Neues ist mir dort aber noch nicht begegnet.
Der Facebook-Gruppe „\TeX, \LaTeX, and such \ldots“ gehören derzeit fast 5000 Mitglieder aus der ganzen vernetzten Welt an, während „goLaTeX“ knapp über 200 und die „LaTeX Community“ rund 3000 registrierte User nennen. Angaben für „mrunix.de“ erscheinen nicht sinnvoll, weil das Forum nicht nur LaTeX-Anwender vereint, sondern auch andere Themen bedient. Und auch in den englischen und deutschen LaTeX-Kanälen auf dem IRC-Server-Netzwerk Freenode trifft man zusammengenommen meist eine knapp dreistellige Zahl von Benutzern an.
Auffällig ist, daß all diese Communities weitgehend berührungslos und austauscharm nebeneinander existieren. Einerseits bleibt die Web-1.0-Welt der (eher älteren) Regulars in Newsgroups und Mailinglisten doch weitgehend unter sich – aus gut nachvollziehbaren Gründen, die auch ich übrigens teile. Andererseits gilt das auch in umgekehrter Richtung. Immerhin ergibt die Addition der Teilnehmer auch angesichts eines angemessenen Abschlags für Mehrfachregistrierungen und „schlafende“ Accounts eine doch recht beachtliche Zahl an aktiven LaTeX-Interessierten, zumal die Zahl der still Mitlesenden nicht bekannt ist (sozusagen eine Art von „Dunkelziffer“).
Natürlich wird auch über LaTeX getwittert. Eine Twitter-Suche kann interessant sein, weil hier manchmal Neuigkeiten zu finden sind, die man früher so schnell nur auf Mailinglisten erfuhr, nicht nur zu diesem Blog – übrigens inhaltsgleich mit einer Gruppe auf Identi.ca. Im Unterschied zu dem proprietären Twitter-Dienst, stehen alle Inhalte, die über Indenti.ca verbreitet werden, unter einer Creative-Commons-Lizenz (Creative Commons Attribution 3.0), und auch sonst ist Identi.ca gegenüber Twitter als der modernere und freiere Dienst unterstützenswert (mehr dazu im FLOSS Weekly Podcast, in dem Randal Schwartz und Leo Laporte den OpenMicroBlogging-Standard vorstellen).
Wiki2Print, ODF und LaTeX, LaTeXiT 1.16.1, PDFreaders.org, LaTeX3, Tagungen
Die deutschsprachige Wikipedia hat Ende Januar 2009 den PDF- und ODT-Export eingeführt. Mit
einem Klick auf „Buch erstellen | Seite hinzufügen“ in der seitlichen Navigationsleiste jeder Wikipedia-Seite kann der gerade betrachtete Artikel markiert werden. Wiederholt man dies, so ergibt sich ein „Buch“ aus mehreren Wikipedia-Seiten; das „Buch“ kann aber auch aus einem einzigen Artikel bestehen. Der Export kann dann mit „Buch zeigen | Herunterladen“ angestoßen werden. Im Hintergrund arbeitet eine OpenSource-Lösung, die von derm Mainzer Verlag PediaPress auf der letzten Frankfurter Buchmesse vorgestellt worden war. PediaPress setzt mit LaTeX aus Wikipedia-Inhalten Bücher, die man selbst zusammenstellen und dort auch recht günstig on demand drucken lassen kann. (Nachtrag 6.2.2009: Zehn Prozent des Verkaufspreises gehen an die Wikimedia Foundation). Das Feature war vorher in Wikibooks implementiert und erfolgreich getestet worden.
So kann man über OpenOffice.org Texte aus Wikipedia nach LaTeX konvertieren, denn ODT ist das native Format von OpenOffice.org Writer. Zum Umsetzen nach LaTeX kann man die Datei entweder in OOo öffnen und nach LaTeX exportieren, oder man führt die Konvertierung mit der Standalone-Version von Writer2LaTeX auf der Kommandozeile durch (mehr hierzu findet man im OOo-Wiki und in einem früheren Beitrag von mir).
Das OpenDocument-Format wird zunehmend wichtiger als Austauschformat für formatierten Text, der weiter bearbeitet werden soll. So kann zum Beispiel auch Wordpad in der Vorabversion von Windows 7 keine doc-Dateien mehr verarbeiten, dafür aber die Formate RTF, docx und ODT (c’t Nr. 4/2009, S. 90). Das ist eine gute Entwicklung für LaTeX-Anwender, denn Writer2LaTeX eignet sich vorzüglich als Konverter von ODT nach LaTeX, und umgekehrt beherrscht TeX4ht die Konvertierung von LaTeX nach ODT mithilfe der Option oolatex (auf die Besonderheiten bei der Verwendung mit TeX Live/MacTeX 2008 hatte ich schon hingewiesen). Dies erleichtert den Datenaustausch mit Anwendern, die Textverarbeitungen verwenden, ganz erheblich.
Pierre Chatelier hat am 31. Januar 2009 in aller Stille Version 1.16.1 von LaTeXiT veröffentlicht. LaTeXiT ist eines von vielen nützlichen Tools, die das TeXen auf dem Apple Macintosh einfacher machen. Es wird zusammen mit MacTeX verteilt und ermöglicht es, mathematische Ausdrücke mithilfe von LaTeX in Grafiken zu setzen, um sie in Textverarbeitungen oder in Präsentationsprogramme zu übernehmen. Dazu stehen mehrere Grafikformate zur Verfügung. Es handelt sich um einen Bugfix-Release. Eine bestehende Installation sollte deshalb auf den neuesten Stand gebracht werden.
Die Fellowship der Free Software Foundation Europe hat eine Kampagne gestartet, um freie PDF-Reader bekannter zu machen. PDFreaders.org stellt freie Alternativen zu Adobe Reader vor, die auch für Microsoft Windows und Mac OS X verfügbar sind. Georg Greve von der FSFE hebt die Herstellerunabhängigkeit und die Eigenschaft als offenem Dateiformat als Vorteile von PDF hervor. Das ist grundsätzlich richtig. Spätestens aber, wenn eine Vorlage in den Druck geht, kommt es darauf an, daß sie mit dem original Adobe Acrobat ordentlich wiederzugeben ist. Zumindest für die Druckvorstufe wird man also ohne das Original bis auf weiteres nicht auskommen.
Joseph Wright ist in das LaTeX3-Team aufgenommen worden.
Abschließend ein Blick auf die Konferenzen der TeX-Anwendervereinigungen, die demnächst stattfinden werden: Die Frühjahrstagung von DANTE wird vom 25. bis 27. Februar 2009 in Wien stattfinden. Für die diesjährige BachoTeX-Tagung, die vom 29. April bis zum 3. Mai 2009 im polnischen Bachotek abgehalten wird, wurde nun ein Call for Papers veröffentlicht. Folgen wird die EuroTeX 2009, die diesmal in den Niederlanden in Den Haag vom 31. August bis zum 4. September 2009 zusammen mit dem dritten ConTeXt-Meeting durchgeführt wird.
LaTeX3, TeXShop 2.20, MacTeX, Eutypon 21, Effizienz, Linuxtag
Joseph Wright hat in seinem Blog einige Ziele für die Entwicklung von LaTeX3 zusammengefaßt, die den aktuellen Stand des Projekts aufzeigen. Vor allem soll der neue LaTeX-Kernel viele Features beinhalten, die bis heute nur in einer Vielzahl von ergänzenden Paketen bereitgestellt werden – ähnlich wie bei ConTeXt. Das wäre sehr zu begrüßen. Die leichte Erweiterbarkeit ist sicherlich eine der Stärken von LaTeX. Andererseits macht sie dem Anfänger den Einstieg unnötig schwer, weil die große Zahl an Paketen auf CTAN auch mithilfe des TeX Catalogue kaum noch überschaubar ist. Hinzu kommen viele Inkompatibilitäten zwischen den Paketen, die der Anwender beachten muß. Das Programmieren in LaTeX müsse insgesamt konsistenter werden, schreibt Wright weiterhin. Die Ausgabe von LaTeX werde vollständig überarbeitet, um registerhaltigen Satz zu ermöglichen. Auch der Umgang mit Gleitobjekten, ein bekanntes Sorgenkind bei komlexen Beispielen, sollte nachhaltig verbessert werden.
In der darauffolgenden Diskussion wurde kritisch angemerkt, die von Wright angeführten Punkte seien zwar zutreffend, sie allein griffen aber zu kurz, weitere Features müßten implementiert werden. Als Beispiele nannte Martin Schröder die Integration des Pakets hyperref, diverse Dokumentenklassen wie KOMA-Script und die bessere Integration von UTF-8 und weiterer Fonts. Frank Mittelbach entwarf ein Modell aus mehreren Schichten, das er bereits auf der TUG 2008-Konferenz in Cork vorgestellt hatte und das nun schrittweise umgesetzt werden solle: Grundlegend sei das Paket expl3, das demnächst fertiggestellt werde. Diese Arbeit stelle das low level interface von LaTeX3 dar, das unmittelbar auf TeX aufsetze (und es teilweise berichtigen müsse). Hierauf setze eine weitere Schicht auf, in der beispielsweise die oben angesprochenen Features integriert werden könnten. Die dritte, oberste Schicht, der class design level, setze wiederum hierauf auf und könne somit auf alle darunterliegenden Features direkt zurückgreifen.
Ein Wermutstropfen zeichnet sich allerdings schon jetzt ab: LaTeX3 wird nicht mehr alle LaTeX2e-Dokumente und -Pakete verarbeiten können. Will Robertson meint deshalb, LaTeX2e werde nicht durch LaTeX3 ersetzt werden. Wer auf Rückwärtskompatibilität zu LaTeX2e angewiesen sei, müsse den alten LaTeX2e-Kernel verwenden. Es sei aber auch denkbar, daß LaTeX3 alten LaTeX-Quelltext eigenständig erkenne und dann automatisch auf den alten Kernel zurückgreife.
Dick Koch hat Version 2.20 des beliebten Editors und Previewers TeXShop für Mac OS X veröffentlicht. In seiner Ankündigung weist er darauf hin, TeXShop sei nun auch in der Lage, selbständig zu überprüfen, ob es Updates für das Programm gebe. Besonders begrüßt wurde, daß TeXShop – neben einigen weiteren Neuerungen – nun auch Zeilennummern anzeigen kann. Einige Änderungen sind so kurzfristig erfolgt, daß der dazugehörige Eintrag im Menü bzw. im Einstellungs-Dialog noch nicht ins Deutsche übertragen werden konnte, was sicherlich bald nachgeholt wird. TeXShop ist tatsächlich schrittweise verbessert worden und bietet heute eigentlich alles, was der durchschnittliche Anwender benötigen dürfte. Er ermöglicht es, insbesondere im Zusammenspiel mit BibDesk, weitgehend „mac-like“ zu arbeiten und bietet vieles unter einer intuitiv zu bedienenden Oberfläche, was man in anderen Editoren erst lange suchen muß. Freilich reicht TeXShop damit noch nicht an die Funktionalität eines Editors wie Emacs mit AUCTeX und RefTeX heran. Er ist aber ganz sicherlich der richtige Editor für alle, denen „weniger“ letztlich „mehr“ bedeutet.
Übrigens wurde MacTeX erneut upgedatet. Die neue Version vom 8. Januar 2009 beinhaltet jetzt auch die bereits erwähnte TeX Live Utility mactlmgr von Adam R. Maxwell, ein graphisches Frontend zu dem TeX Live Manager für die Pflege des TeX-Systems (Danke für diesen Hinweis an Daniel Becker).
Eutypon Nr. 21 vom Oktober 2008, die Zeitschrift der Greek TeX Friends, ist nun online veröffentlicht worden. Darin finden sich auch zwei Beiträge in englischer Sprache: Ein Interview mit Claudio Beccari, dem Entwickler der CB Greek Fonts und einen Beitrag Beccaris zu den Fonts, an denen er zusammen mit Apostolos Syropoulos gearbeitet hat. Der Artikel ist eine leicht erweiterte Fassung der Paketdokumentation.
Auf der MacOSX-TeX Mailingliste wurde Mitte Januar 2009 lebhaft über den Bericht eines Lesers von Macintouch diskutiert. Demnach (der ursprünglich zitierte Link funktioniert derzeit nicht mehr) habe sich bei der NASA Microsoft Word in Verbindung mit MathType im praktischen Einsatz als effizienter erwiesen als LaTeX:
Just a comment on the MathType vs. LaTeXIt discussion. A few years ago, I was the supervisor of the contractor staff at a NASA facility in the Technical Publications branch. The bulk of our work were “Technical Memorandums” (book like projects reporting intermediate or final results of various research efforts). 95%+ of these were produced using MS-Word with MathType. 5% or less were produced using TeX in various flavors. The split reflected the form of the manuscript as received. Our role was to edit and format the documents in the NASA style — then proceed with printing and distribution.
The TeX documents looked better — but they were far more difficult to produce and we rarely ever met our contract-required timeline to complete our production cycle. The main problem was that the TeX macros (usually devised by the researcher) would often fail to work as expected. In contract, the MS-Word/MathType documents could be run through the process and out the door well within the required schedule.
TeX was created precisely to handle typesetting of complex equations and it does it very well. Most people have difficulty using it effectively. MathType is much easier to use, but does not do as nice a job with the typesetting. But for most purposes it’s entirely acceptable.
Über die Ursachen hierfür kann man trefflich streiten und mutmaßen. Jedenfalls aber zeigt das Beispiel, daß auch LaTeX nicht in jedem Fall der Weisheit letzter Schluß ist und sein Einsatz – gerade in einem größeren Umfeld – gute Vorbereitung und Schulung aller Beteiligten voraussetzt. Das ist aber beim Einsatz einer Textverarbeitung nicht anders.
Zum Abschluß deshalb etwas Positives: Der Linuxtag 2009 in Berlin steht bevor, und DANTE hat auch in diesem Jahr wieder eine Teilnahme ins Auge gefaßt. Helfer sind willkommen.
Helmut Kopka, Mathematiksatz, BibTeX
Der Autor Helmut Kopka ist am 7. Januar 2009 im Alter von 76 Jahren verstorben. Seine Einführung in das Textsatzsystem LaTeX erschien seit 1988 im Verlag Addison-Wesley und gehörte damit zu den ersten gedruckten Werken zu LaTeX in deutscher Sprache, wie man der Bibliographie von Nelson Beebe entnehmen kann. Seitdem ist „der Kopka“ bekanntlich auf drei Bände erweitert worden – ein Standardwerk, das praktisch in jeder wissenschaftlichen Bibliothek und auch bei vielen Anwendern greifbar ist. Die Übersicht bei der Reihe Pearson Studium zeigt, daß Band 2 derzeit nur noch im Rahmen der E-Book-Ausgabe lieferbar ist, die vergangenes Jahr erschienen war (vgl. meine Besprechung in DTK 4/2008, S. 70 ff.). Kopka war beim Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt. 1997 ging er in den Ruhestand. Danach erschien der dritte Band seiner Einführung, der bis heute unverändert vorliegt. Band 1 hatte Kopka zusammen mit Patrick Daly, dem Autor des BibTeX-Pakets natbib, seit 1993 in englischer Sprache unter dem Titel „Guide to LaTeX“ herausgebracht. Diese Einführung ist mittlerweile in vierter Auflage lieferbar.
Herbert Voß hat seine Einführung in den Mathematiksatz mit LaTeX „Math mode“ auf den neuesten Stand gebracht. Überarbeitet wurde vor allem die Bibliographie. Das 135 Seiten umfassende Paper ist eine aktualisierte Kurzfassung seines Buches, das im März unter dem Titel „Mathematiksatz mit LaTeX“ in der Reihe „Edition DANTE“ bei Lehmanns erscheinen soll.
Eine gute Ergänzung hierzu ist die Übersicht von Moritz Nadler „ISO-31-konformer Formelsatz in LaTeX“ (Quelltext), die den Mathematiksatz nach ISO darstellt, der in vielen Punkten von den deutschen Empfehlungen nach DIN abweicht, einschließlich dem Umgang mit Einheiten und Konstanten.
Abschließend noch einige Hinweise zur Arbeit mit BibTeX-Datenbanken:
Citeline, ein Dienst des MIT, hilft bei der Veröffentlichung eigener Bibliographien im Web, indem er BibTeX-Datenbanken nach HTML umsetzt. Diese können bebliebig weiterverwendet werden. Wer seine Bibliographie mithilfe des Firefox-Add-ons Zotero verwaltet, kann den Import der Daten nach Citeline nun wesentlich vereinfachen. Ein weiteres Firefox-Plug-in namens Zotz kann ganze Sammlungen aus Zotero über das BibTeX-Format nach Citeline exportieren. Ein Video demonstriert die Vorgehensweise im einzelnen.
CiteInPages von Jim Harrison ist eine Sammlung von vier AppleScripts, mit deren Hilfe die Literaturverwaltung BibDesk mit der Textverarbeitung Pages aus dem Office-Paket iWork von Apple zusammenarbeiten kann. CiteInPages soll mit Pages ’08 und ‘09 funktionieren. Damit sei es möglich, sowohl einzelne Zitate als auch komplette Bibliographien in ein Dokument einzufügen. Wegen der eingeschränkten AppleScript-Unterstützung von iWork funktioniert CiteInPages allerdings nicht in Fußnoten, in Tabellen und in Textrahmen. Wenn also Fundstellen in Fußnoten in den Text eingefügt werden müssen, wird man sich leider nach einer anderen Lösung umsehen müssen. Wer auf dem Mac lieber mit Microsoft Word schreibt, der möge BibDesk To Word von Conan C. Albrecht testen. Das Python-Skript sucht alle Zitate in einem Word-Dokument und stellt aus den bibliographischen Daten, die in BibDesk vorliegen, eine Literaturliste zusammen. Diese Lösung baut auf den AppleScripts BibFuse von Colin A. Smith auf.
Zu ergänzen wäre, daß es auch vom Zotero-Team eine Extension für OpenOffice.org (leider auf dem Mac nur mit einem Patch in OOo 3.0 zu verwenden) und Plug-ins für Microsoft Word gibt (leider nicht für Word 2008).
LaTeX-Community, Aquamacs 1.6, Zotero und Bibsonomy, Spanisch, Calc2LaTeX, Vorlagen, TeX-Entwicklung, LaTeX-Mythen, Twitter
LaTeX Community ist das englischsprachige LaTeX-Portal von Sven Wiegand, dem Entwickler des Editors TeXnicCenter für Microsoft Windows. Auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Start ist dieser Anlaufpunkt für alle Fragen rund um (La)TeX neu gestaltet und dabei deutlich erweitert worden. Dem unverändert vorhandenen Webforum wurden Abteilungen zu Neuigkeiten (mit RSS-Feed) und eine Sammlung von Anleitungen („Know-how“) zur Seite gestellt. Dieser Teil ist derzeit noch leer. Hier können angemeldete Anwender ihre LaTeX-Kenntnisse mit anderen aus der „Community“ teilen.
Eine Woche nach der Freigabe des neuen Carbon Emacs hat David Reitter nachgezogen und Aquamacs 1.6 veröffentlicht. Die Unterschiede zwischen den beiden Emacs-Portierungen für Mac OS X hatte ich schon einmal beschrieben. Auf der Website findet man eine umfangreiche Übersicht über die Unterschiede zwischen Aquamacs, dem „normalen“ Emacs 22, BBEdit 8.0 (aktuell ist v9.0.2) und Smultron. Reitter weist dort auf den „sehr guten“ LaTeX-Support in Aquamacs hin, was ich aus früheren Versionen bestätigen kann. Die Entwicklungsumgebung AUCTeX ist ebenso vorinstalliert wie viele andere nützliche Lisp-Pakete. David Reitter bittet um Spenden zur Finanzierung seines rührigen Projekts. Auf Wünsche von Anwendern auf der MacOSXEmacs-Liste geht es gerne und zügig ein. Wie bereits erwähnt, gefallen mir die vielen Features, mit denen das Interface auf die Aqua-Oberfläche von Mac OS X hin gestaltet wird, nicht. Als ich Aquamacs zuletzt installiert hatte, registrierte der Installer ohne Nachfrage eine ganze Reihe von Dateitypen. Im Gegensatz dazu ist Cabon Emacs viel zurückhaltender, ein klassischer Emacs, der sich ebenfalls dank AUCTeX ganz vorzüglich zum TeXen eignet.
Leider immer öfter anzutreffen sind die falschen Schreibweisen „LaTex“ und „BibTex“ anstelle von „LaTeX“/„BibTeX“ (das mußte mal gesagt werden…).
Patrick Danowski, ein offenbar begeisterter Wikipedianer, bloggt und twittert schon seit einiger Zeit recht gehaltvoll zum Thema Bibliothek 2.0 (früher auch bei WordPress). In einem neuen Beitrag erklärt er nun, wie man Zotero dazu überreden kann, Einträge im BibTeX-Format per Drag und Drop nach Bibsonomy zu exportieren (und zu importieren). Bibsonomy ist ein öffentlicher Bookmarking-Dienst, der von der Universität Kassel betrieben wird. Man kann dort seine WWW-Bookmarks und auch ganze Literaturlisten ablegen und übers Netz pflegen.
Die LaTeX-Unterstützung für Texte in Spanisch von Javier Bezos und Julio Sanchez ist auf CTAN neu untergliedert worden. Dort findet man seitdem die jeweils aktuelle Version des Spanish-Styles für babel einschließlich der spanischsprachigen Dokumentation.
Auch Calc2LaTeX, ein Makro zum Konvertieren von OpenOffice.org Calc-Tabellen nach LaTeX von Shohei Abe, gibt es jetzt als Extension für OpenOffice.org 3. Hanjo Iwanowitsch berichtet aber über Probleme unter Apple Macintosh. Schon früher war das Parallelprojekt Writer2LaTeX in der Entwicklerversion als OOo-Extension veröffentlicht worden.
Auch aus der Vorlagen-Sammlung der UK TUG gibt es neues zu vermelden: Hinzugekommen ist eine Vorlage für Serienbriefe, die mit einer CSV-Datenbank arbeitet.
Jonathan Fine, der Vorsitzende von UK TUG, wird in der Interview Corner der TeX Users Group vorgestellt. Er beschreibt die Lage, in der sich die TeX-Entwicklung seiner Ansicht nach befinde, pessimistisch und vielleicht auch etwas resignativ:
„I was at the 2008 TUG Conference, and wished that the level of technical communication and debate was higher. I felt, for example, that LaTeX3 and LuaTeX/ConTeXt were ignoring each other. Both projects share problems and a platform, but I’m not aware of significant ongoing discussion or sharing of code involving both these projects. Similarly, XeTeX use an extended DVI format (called xdv), while so far as I know LuaTeX ignores it, and has nothing similar.
It’s easy years on to look back on the past as a golden age, but I feel that 25 or so years ago there was an excitement and confidence and energy in the TeX community, similar for example to the more recent emergence of GNU/Linux as a free operating system. I don’t see enough of this energy present today, and I think this lack is one of our major challenges.“
Auf der TYPO-L-Mailingliste erkundigte sich ein Anwender, welche (DTP-) Software Ergebnisse erziele, die mit denjenigen von LaTeX vergleichbar seien. Die Diskussion wurde sowohl von Christina Thiele als auch von Peter Flynn zum Anlaß genommen, mit einem der größten Mythen um LaTeX aufzuräumen: Mit der Behauptung nämlich, daß sich LaTeX vor allem für den Mathematiksatz eigne. Beide bekannten, sie hätten LaTeX bisher noch nie bzw. nur sehr selten für diesen Bereich eingesetzt. Flynn:
„I have done precisely one math/physics book in 20 years. All the rest were in other (non-math) fields.“
Und er wies weiterhin darauf hin, daß die typographische Qualität eines Buches weniger von der verwendeten Software als von dem Anwender abhänge, der sie einsetzt:
„…in trained hands – almost any system can produce work of a specified quality.“
In der Newsgroup de.comp.text.tex wurde darauf hingewiesen, daß Texte, die mit TeXShop auf Apple Macintosh in der Kodierung UTF-8 geschrieben wurden, in Kile unter Linux nicht fehlerfrei geöffnet werden können (jeweils Intel-64). Die Ursache hierfür konnte nicht geklärt werden.
Zum Schluß wieder ein Hinweis in eigener Sache: Für kleine Anmerkungen habe ich diese Woche eine Seite bei Twitter eingerichtet. Dort möchte ich vorwiegend, aber nicht nur zu TeX & Friends schreiben, wobei ich den Dienst eher als ein kleines Blog verstehe. Auf jeden Fall will ich versuchen, mich trotz der Beschränkung auf 140 Zeichen für einen Beitrag im ganzen Satz verständlich zu machen. Wer mir dorthin nicht folgen will, kann den Dienst auch per RSS-Feed abonnieren, wie dieses Blog ja auch.
Carbon Emacs, SimpleTeX4ht, philosophy und brain_damage, LuaTeX, Blogs
Seiji Zenitani, der Entwickler des Carbon Emacs für Apple Macintosh, schreibt, er gehe davon aus, daß die aktuelle Version 22.3 der letzte Stand von GNU Emacs 22 sein werde. Nachdem der Carbon Emacs bisher etwa vierteljährlich neu veröffentlicht worden war, werde es daher in Zukunft seltener Updates geben. Für 2009 habe er nur einen Release vorgesehen, der seit heute als 2009 edition auf der Projekt-Homepage zum Download bereitsteht (Universal Binary für Mac OS X 10.5.x). Den nächsten Release habe er erst für 2010 in Aussicht genommen, wobei noch nicht feststehe, ob es wieder eine Carbon- oder eine Cocoa-Version geben werde. Es könne aber auch sein, daß der diesjährige Release der letzte ist, den Seiji Zenitani bereitstellen werde.
Wie bereits erwähnt, arbeite ich seit meinem Umstieg auf den Mac mit Zenitanis Carbon Emacs und bin sehr zufrieden damit. Es wäre zu bedauern, wenn er die Entwicklung seiner Emacs-Portierung einstellen würde.
SimpleTeX4ht von Yves Gesnel ist eine graphische Oberfläche für Mac OS X, die als Frontend zu dem mächtigen Konverter TeX4ht dient. Die Anwendung steht in mehreren Übersetzungen zur Verfügung; die deutsche Lokalisierung stammt von Peter Dyballa. TeX4ht ist seit langem der mächtigste und am besten ausgereifte Konverter von LaTeX nach diversen XML-basierten Formaten.
TeX Live 2008 – und somit auch MacTeX 2008 – enthalten leider nur eine abgespeckte Version von TeX4ht, in der u. a. die Skripte oolatex zur Erzeugung des Formats ODT (das native Format von OpenOffice.org Writer) und mtlatex für MathML nicht enthalten sind. Das bedeutet nun aber nicht, daß man diese Formate mit der Distribution nicht erzeugen könnte. Darauf weist Clea F. Rees auf ihrer Userseite im TeX on Mac OS X-Wiki hin. Wer diese Funktionen in TeX4ht nutzen möchte, muß nur die dementsprechenden Parameter beim Aufruf von htlatex im Terminal direkt eingeben. Ein Blick ins Manual zeigt aber, daß die Syntax nicht gerade eingängig ist. Eine Möglichkeit, dem auszuweichen, besteht darin, das Programm stattdessen mittels mk4ht oolatex dateiname aufzurufen.
Hier kommt SimpleTeX4ht ins Spiel, dessen Bedienung tatsächlich denkbar einfach ist: Man zieht die zu konvertierende tex-Datei mit der Maus aus dem Finder in das Programmfenster, wählt das Dateiformat aus, in das sie umgesetzt weden soll und startet die Konvertierung per Mausklick. Ein Fortschrittsbalken erscheint, und schließlich liegt die konvertierte Version im gewünschten Format im Arbeitsverzeichnis vor, in dem auch die tex-Datei abgelegt ist. Im Expertenmodus können auf Wunsch sowohl TeX4ht als auch dem LaTeX-Compiler ergänzende Parameter mitgegeben werden, durch die die Konvertierung im einzelnen gesteuert wird. SimpleTeX4ht arbeitete im Test zuverlässig unter Mac OS X 10.4.11 und 10.5.6. Es steht unter GPL 3.
Mithilfe von TeX4ht und OpenOffice 3 ist es insbesondere möglich, LaTeX-Dokumente ins doc-Format zu wandeln – ein Feature, das oft gewünscht wird. Bei der Wandlung von LaTeX nach ODT fällt leider auf, daß in der von TeX4ht erzeugten ODT-Datei der rechte Seitenrand auf null gesetzt wird, was wenig sinnvoll, aber in den Einstellungen für die Seitenvorlage im Writer leicht zu berichtigen ist. Das Inhaltsverzeichnis enthielt leider keine Hyperlinks, die Abschnitte des Texts konnten aber im Navigator ausgewählt werden.
Ebenfalls auf ihrer Benutzerseite weist Clea F. Rees übrigens auf Alternativen zu meinem wordlike.sty hin, mit dem ich einst versucht hatte, das typische Layout einer Textverarbeitung mit LaTeX zu simulieren: Gregory Wheelers philosophy.sty (vgl. seine Homepage) und Allin Cottrells brain_damage.sty sind ähnliche Versuche in dieser Richtung, typographische Gesichtspunkte bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten hintan zu stellen.
Tako Hoekwater hat auf die neue LuaTeX-Mailingliste der TeX Users Group hingewiesen, die man ab sofort abonnieren kann. Diese neue Liste für Anwender ergänzt die Entwickler-Liste der niederländischen TeX-Anwendervereinigung NTG, die auch auf Gmane verfügbar ist. Dort findet sich auch ein öffentliches Archiv der Liste.
Außerdem soll LuaTeX demnächst in TeX Live im Verzeichnis /texmf/luatex/lua/ installiert werden. Skripte gehören weiterhin nach /texmf/scripts/lua. Dabei handelt es sich um eine Ergänzung der TeX Directory Structure.
Zum Schluß diesmal eine kleine Blogschau: Joseph Wright gibt Tips, die man beachten sollte, wenn man vorhat, seine LaTeX-Dokumente in UTF-8 zu schreiben. Und Kjell Magne Fauske hat eine Seite über das Grafikpaket pgf/TikZ von Till Tantau mit einer Gallery eingerichtet. Er führt auch ein interessantes Blog, auf dem man unter anderem auch einen Überblick über einige englischsprachige TeX-Blogs findet, die man auch als als RSS-Feed abonnieren kann. So kann man derzeit 15 englischsprachige LaTeX-Blogs verfolgen.
XeTeX, D.E.Knuth, Vorlagen, gridset, Bücher, TeX Catalogue, ConTeXt
Die Entwicklung der Farsi-Pakete für XeLaTeX findet in letzter Zeit öfter Erwähnung in den Mailinglisten. Vafa Khalighi entwickelt xepersian und hat nun auch xecolour veröffentlicht, mit dem es möglich ist, Text bidirektional farbig zu setzen. Außerdem hatte er D.E.Knuth um dessen Meinung zur Entwicklung des bidirektionalen Textsatzes mit Omega und TeX-e-Parsi gebeten. Er möchte sowohl das TeXBook als auch „TeX: The Program“ ins Persische übersetzen. Knuth hat ihm zu Beginn des Monats geantwortet.
(Nebenbei bemerkt: Die Liste von acht infrequently asked questions, die Knuth auf seiner Homepage führt, ist lesens- und bedenkenswert).
Die Vorlagensammlung bei der englischen TeX-Anwendervereinigung UK-TUG hatte ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt. Sie ist nun um einige Links zu Vorlagen für Dissertationen bei englischen Universitäten ergänzt worden. Außerdem ist eine Vorlage zur Erstellung einer einfachen Einnahmen-Überschuß-Rechnung hinzugekommen. Leider besteht wohl keine Bereitschaft, die Sammlung zu den anderen Vorlagen auf CTAN zu stellen.
Es ist kaum möglich, mit LaTeX registerhaltigen Satz zu erzeugen. Solange reiner Fließtext zu verarbeiten ist, fällt dies nicht weiter auf, weil die Zeilen dann grundsätzlich deckungsgleich auf gleicher Höhe plaziert werden. Jedes Element aber, das den Fluß des Texts unterbricht, also jede – gar mehrzeilige… – Überschrift, jede mathematische Formel, jede Tabelle oder Abbildung und jede Fußnote, stört notwendigerweise die Registerhaltigkeit des Satzes. Markus Kohm wies nun auf der TeX-D-L-Mailingliste auf ein experimentelles Paket zum registerhaltigen Satz in LaTeX hin, das er vor einiger Zeit auf der KOMA-Script-Projektseite veröffentlicht hatte. Das Paket gridset ist eine „unsupported alpha version“. Sie kann auch unabhängig von KOMA-Script verwendet werden und steht zum Testen bereit.
ConTeXt beherrscht den registerhaltigen Satz übrigens schon seit einiger Zeit. Dort wird er mit einem einfachen \setuplayout[grid=yes] aktiviert.
Zum Schluß wieder ein paar Hinweise in eigener Sache: Zwei Buchbesprechungen, die vergangenes Jahr in der DTK erschienen waren, habe ich auf CTAN gestellt, nämlich die Beiträge zur Neuauflage des „LaTeX Graphics Companion“ (auch „LGC2“ genannt; Addison-Wesley, 2007; siehe auch: c’t 23/2007, S. 206) und zu Anselm Lingnaus LaTeX Hacks (O’Reilly, 2007; siehe auch: c’t 18/2007, S. 194).
Außerdem habe ich mir über den Jahreswechsel aufgrund zweier freundlicher „Anstöße“ per E-Mail endlich die Zeit genommen, den „Topic Index“ zu Graham Williams’ TeX Catalogue zu überarbeiten. Der Abschnitt zu den Grafikpaketen wurde nach dem Vorbild des LGC2 neu gefaßt. Dabei wurde außerdem das neue Paket pgf/TikZ (Homepage) von Till Tantau aufgenommen, das immer mehr Anwender findet. Und auch der Abschnitt zu ConTeXt wurde wesentlich erweitert. Zum Release von TeX Live 2008 wurden viele Pakete, die nunmehr im offiziellen ConTeXt-Release enthalten sind, auf CTAN gestellt. Sie werden hier jetzt auch erwähnt.
LaTeX-Pakete schreiben und veröffentlichen, ctanify, Zotero
Das Schreiben eines LaTeX-Pakets zählt eher zu den Aufgaben für fortgeschrittene LaTeX-Anwender. Die meisten Autoren werden es damit bewenden lassen, ihren Quelltext aus der Präambel des Dokuments in eine sty-Datei auszulagern. Auch auf CTAN findet man viele solcher Beispiele. Das Standardformat zum Verteilen von LaTeX-Quelltext aber ist das doc-System. Es wird in zwei Einführungen grundlegend beschrieben: Zum einen in „LaTeX2e for class and package writers“, das jeder Distribution beiliegen sollte und das lokal mittels Terminal-Eingabe von texdoc clsguide geöffnet werden kann. Zum anderen – viel ausführlicher und, vor allem, auf Deutsch – im Kapitel 14 der zweiten Auflage des „LaTeX-Begleiters“ (Pearson Studium, 2005). Wer tiefer in die hohe Kunst des Paketeschreibens einsteigen möchte, der lese den klassischen Aufsatz von D.E.Knuth zum „Literate Programming“, wieder abgedruckt in dessen gleichnamigem Buch von 1992 (auf der Website, die dem Thema gewidmet ist, findet sich eine umfangreiche Dokumentation dieses mittlerweile etwas aus der Mode gekommenen Ansatzes; die diesbezügliche Newsgroup ist praktisch tot). Auch das Studium von Paketen anderer Autoren kann sehr hilfreich sein.
Daneben gibt es eine praktische Einführung von Scott Pakin namens „How to package your LaTeX package“, und auch sie sollte sich lokal mit texdoc dtxtut auftun. Wer sich etwas umsieht, wird bemerken, wie viele Autoren sich an die Vorlage gehalten haben, die Pakin seiner Einführung beigelegt hat.
Wer sein Paket auf CTAN veröffentlichen möchte, sollte sich die Vorgaben der CTAN-Maintainer hierfür näher anschauen. Für das Hochladen steht ein Webformular zur Verfügung, bei dem man eigentlich nichts falsch machen kann. Nach der Eingabe der persönlichen Daten des Autors und der Auswahl der Lizenz, unter der das Paket veröffentlicht werden soll, wählt man den Pfad zur lokal gespeicherten Datei und klickt sodann auf „submit contribution“. Fertig.
Die eigentliche Mühe besteht in dieser Phase für den Autor darin, sein Päckchen, das er auf CTAN hochladen will, fachmännisch zu schnüren. Besteht es aus mehreren Dateien, sollte es vorher als ZIP-Archiv gepackt werden. Hierzu legt man ein Verzeichnis an, das man zweckdienlicherweise genauso nennt wie das Paket, und kopiert alle Dateien hinein. Dieses Verzeichnis komprimiert man nun. Auf dem Mac geht dies leicht übers Kontextmenü „Archiv von … erstellen“ im Finder. Erstellt man gleich (oder zusätzlich) ein TDS.ZIP-Archiv, kann dieses leicht durch einfaches Entpacken in den lokalen texmf-Baum installiert werden. Auch eine Anleitung im PDF-Format und eine README-Datei (als reiner Text) sollten dem Paket beigegeben werden.
Diese Packarbeiten erleichtert nun ein neues Perl-Skript namens ctanify, das Scott Pakin gerade auf CTAN veröffentlicht hat. Das Skript erstellt aus den fertigen dtx-, ins-, sty- und pdf-Dateien ein TDS-konformes TDS.ZIP-Archiv, das neben den Quelltexten und der Anleitung noch einmal in ein tar.gz-Archiv verpackt wird.
Das Paket wurde unter Linux getestet und funktioniert auch unter Mac OS X Tiger. Es sollte auf jeder Plattform lauffähig sein, auf der Perl und die entsprechenden Packerprogramme für die Kommandozeile installiert sind. Wie jedes Skript, so muß auch ctanify zur Installation mittels chmod +x ctanify ausführbar gemacht und im Pfad abgelegt werden. Eine kleine Fehlermeldung beim Test auf dem Macintosh beeinträchtigt die Funktion nicht, wurde aber dem Paketautor bereits gemeldet. Allerdings erwartet das Skript ein sty-File zum Einpacken; wird ihm stattdessen eine LaTeX-Klasse mit der Endung cls angeboten, bricht es ab und verlang nach einem LaTeX-Stil. Auch diese Beschränkung sollte beseitigt werden, denn das Skript kann die Veröffentlichung von LaTeX-Paketen ganz wesentlich vereinfachen und sollte dem Autor deshalb keine diesbezüglichen Beschränkungen auferlegen.
Abschließend noch der Hinweis, daß ich meinen Artikel zu „Literaturverwaltung mit Firefox, Zotero und BibTeX“, DTK 4/2007, S. 20–26, online gestellt habe.
MacTeX 2008-Update, tlmgr, mactlmgr, TeX Showcase, Verlage
Dick Koch hat die MacTeX-Distribution für den Apple Macintosh (MacTeX-2008, MacTeX-Additions und BasicTeX) auf den neuesten Stand gebracht. Das neue Paket enthält vor allem die aktuelle Version des TeX-Live-Managers tlmgr und sämtliche Pakete auf dem Stand vom 29. Dezember 2008. Ein Fehler im neuen Update-Manager von TeX Live war der Hauptgrund für die schnelle Überarbeitung der Distribution. Darüberhinaus wird Ghostscript auf Version 8.63 upgedatet, und auch die neusten Fassungen von BibDesk, LaTeXiT und TeXShop sind enthalten. So können insbesondere weniger geübte Anwender MacTeX komplett auf aktuellem Stand installieren.
Wer bereits über eine bestehende Installation verfügt (beispielsweise aus der TeX Collection 2008), muß nicht die ganze Distribution erneut herunterladen, sondern kann alle Neuerungen problemlos über den Update-Manager einpflegen. Dieser sollte zuerst selbst aktualisiert werden. Zur Verwendung des TeX-Live-Managers gibt es eine kurze Anleitung von Herbert Schulz und eine recht instruktive Seite im „TeX on Mac OS X Wiki“. Die Dokumentation von tlmgr erhält man mit der Eingabe von texdoc tlmgr im Terminal.
Die Verwendung eines Paketmanagers kann eine erhebliche Erleichterung bei der Pflege einer TeX-Installation sein. Nicht umsonst war der Manager mpm schon seit längerer Zeit einer der wichtigsten Gründe, die für die Verwendung von MiKTeX unter Microsoft Windows sprachen. Manche Anwender setzen die Unix-Portierung von mpm auch unter Linux ein. Damit werden dann – natürlich – die MiKTeX-Pakete von CTAN installiert, nicht die TeX-Live-Pakete. Die beiden Paketmanager sind zueinander inkompatibel. Wer vom mpm zu tlmgr wechseln möchte, sollte vorher eine komplette Neuinstallation von MacTeX vornehmen.
Außerdem ist zu bedenken, daß weder der MiKTeX package manager noch der TeX Live manager standardmäßig Backups anlegen, bevor sie ein Paket aktualisieren. Beim Update wird grundsätzlich die alte Version gelöscht und vollständig durch die neue ersetzt. Falls es danach Probleme mit der neuen Version des Pakets geben sollte, ist der Weg zurück zur Vorversion nur möglich, wenn man selbst eine Kopie zurückbehalten hatte, entweder von einem alten CTAN-Abzug aus der TeX Collection auf DVD oder aus dem eigenen Backup. Man kann nicht darauf vertrauen, eine frühere Installation aus dem Netz rekonstruieren zu können. CTAN hält bekanntlich nur die jeweils aktuellen Fassungen der Pakete vor. Der tlmgr kennt deshalb eine Option, mit der man ein Backup der alten Pakete anlegen kann, was auch dem „TeX on Mac OS X“ Wiki zufolge dringend zu empfehlen ist: tlmgr backup --backupdir dir [--all] [pkg...] Hierbei steht dir für den vollständigen Pfad, in dem das Backup abgelegt werden soll.
Das Eintippen von Befehlen im Terminal dürfte den meisten Anwendern widerstreben, nicht nur auf dem Mac. Zwar gibt es bereits eine graphische Bedienoberfläche für den tlmgr, die unter X11 läuft. Man muß sie allerdings aus dem Terminal starten – der Befehl dazu lautet: tlmgr -gui. Unter Tiger ist X11 evtl. nachzuinstallieren. Außerdem muß das Modul Perl/Tk installiert sein, das nicht standardmäßig in der Perl-Installation von Mac OS X enthalten ist – man findet es deshalb nach der Installation von MacTeX im Verzeichnis /Applications/TeX/Utilities/TeX Live Manager/ zum Nachrüsten.
Natürlich ist die trist-graue und krude Oberfläche, die sich einem nun zeigt, für Mac-Anwender nur ein Notbehelf. Für sie entwickelt Adam R. Maxwell aus dem BibDesk-Team derzeit eine „TeX Live Utility“, die als Alpha-Version bei Google Code zum Testen bereitsteht. Das neue Programm mactlmgr läuft unter Mac OS X ab Version 10.5.5. Der Entwickler bittet um Bug Reports entweder direkt an das Projekt oder an die „TeX on Mac OS X“-Mailingliste, wo zur Jahreswende bereits eine rege Diskussion stattgefunden hat.
Das Blog von Joseph Wright, auf das ich meinem letzten Beitrag hingewiesen hatte, wurde zwischenzeitlich aus nachvollziehbaren Gründen auf ein eigenes Hosting verlegt.
Immer wieder taucht die Frage auf, welche Verlage eigentlich LaTeX zum Setzen ihrer Bücher verwenden. Der TeX Showcase zeigt Bücher außerhalb des mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichs, die mit LaTeX gesetzt wurden, darunter auch belletristische Titel.
Und zum Jahresabschluß ein Seitenhieb auf unsere Verlage: LaTeX-Fan und Blogger Jörg Kantel hat es ihnen ein für allemal ins Stammbuch geschrieben:
Merken! Wenn die Verlage weiterhin über meine LaTeX-Vorlagen meckern und mich zu Word und zur neuen deutschen Schlechtschreibung zwingen wollen, dann mache ich eben alles selber.
Ein veritabler „Brief an die Leser“ im Stil der „Titanic“. Aber es muß ja nicht gleich print on demand sein, es gibt ja auch Verlage, die Manuskripte im Format LaTeX annehmen oder die den LaTeX-Anwendern mehr oder weniger entgegenkommen.
DANTE-Tagung, Zeitschriftenartikel, XeTeX, emptypage, Buchbesprechungen, MiKTeX
Die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX (DANTE) e.V. lädt ein zur nächsten Frühjahrstagung, die vom 25. bis 27. Februar 2009 an der Technischen Universität Wien stattfinden wird. Die Website zur Tagung ist bereits online. Wer ein Tutorium oder einen Vortrag anbieten möchte, setze sich mit den Veranstaltern bis zum 10. Januar 2009 in Verbindung. Die Veranstaltung wird durchgeführt mit freundlicher Unterstützung des Instituts für Computersprachen der Technischen Universität Wien und der Kurt-Gödel-Gesellschaft, Wien. DANTE wurde übrigens 1989 gegründet; der Verein besteht im Jahre 2009 also seit 20 Jahren.
George Grätzer, der Autor von „More Math into LaTeX“ (Springer, 2007), hat in den „Notices of the American Mathematical Society“ einen zweiteiligen Beitrag „What Is New in LaTeX?“ geschrieben, in dem die wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre knapp zusammengefaßt werden. Der erste Teil ist in Nr. 1/2009 erschienen: Was also ist neu bei LaTeX?
In two words: Not much. … So why is it that any LaTeX expert you talk to is so excited about the changes that are taking place?
Es kommt dann anscheinend doch einiges zusammen. Teil 1 handelt vor allem von Xe(La)TeX. Der zweite Teil folgt in einer späteren Ausgabe der Zeitschrift.
Grätzer verweist in seinem Artikel auf eine Präsentation zu XeTeX, die Jonathan Kew bei der BachoTeX-Tagung gehalten hatte, welche rund um den 1. Mai 2008 im polnischen Bachotek stattfand. Die Vorträge der Tagung sind weiterhin online verfügbar, jeweils als Quicktime- und als Flash-Videos. Man kann sie auch als Podcast abonnieren, dann sieht man aber nur die Präsentation selbst und hört die Tonaufzeichnung der Vorführung, während im Stream zusätzlich noch der Referent beim Vortrag zu sehen ist. Eine Empfehlung für diejenigen, die jetzt zwischen den Jahren vielleicht die Zeit zum Betrachten der Videos haben.
Eine deutschsprachige Einführung zu XeTeX von Ulrike Fischer erschien in DTK 3/2008, S. 7–35 (dazu gab es einen kritischen Leserbrief von Lutz Ihlenburg in DTK 4/2008, S. 77 f.). Grundlegend ist Michel Goossens’ „XeTeX Companion“, derzeit weiterhin auf dem Stand vom 21. Januar 2008. Das Buch beruht auf Material, welches bei der Neubearbeitung des LaTeX Graphics Companion zusammengetragen worden war und umfaßt immerhin 92 Seiten. Es ist ein „work in progress“ und soll bei Gelegenheit an die Entwicklung von XeTeX angepaßt werden.
Die Online-Zeitschrift der TeX Users Group (TUG) PracTeX Journal Nr. 3/2008 (TPJ) beschäftigt sich mit dem Thema „LaTeX and TeX on the Web“. Tim Arnold beschreibt darin den noch relativ neuen LaTeX-zu-XHTML/XML-Konverter plasTeX, der vollständig in Python geschrieben wurde. Paul Blaga bespricht die vierte Auflage (2007) des eingangs bereits erwähnten Bandes „More Math into LaTeX“ von George Grätzer und „Tout ce que vous avez troujours voulu savoir sur LaTeX sans jamais oser le demander“, ein (einschließlich LaTeX-Quelltext) frei erhältliches E-Book von Vincent Lozano (Framabook, 2008), das Blaga und Sésamath gleichermaßen loben.
Die Zeitschrift der italienischen TeX-Anwendervereinigung GuIT, Ars TeXnica, erscheint nun schon seit zwei Jahren. Die Hefte sind mit einem Jahr Verzögerung nach dem Erscheinen online verfügbar. Weil einige der Beiträge auf Englisch erscheinen, sind sie sicherlich auch für diejenigen Leser von Interesse, die des Italienischen selbst nicht mächtig sind.
Zur Urlaubszeit um Weihnachten und Neujahr werden immer wieder einige neue oder überarbeitete Pakete auf CTAN gestellt. Das neue LaTeX-Paket emptypage von Karl Wette dient zum Entfernen von Seitenzahlen und Kopfzeilen auf ansonsten leeren Seiten eines Dokuments. Als ich einst meine Diss setzte und als PostScript-Datei ablieferte, wurde dieses Feintuning vom Verlag vor dem Druck besorgt. Nun kann man dies also von einem Paket erledigen lassen.
Christian Schenk, der Entwickler der TeX-Distribution MiKTeX, hatte bereits im Oktober 2008 darauf hingewiesen, daß die Unterstützung für MiKTeX 2.5 zum Ende des Jahres auslaufen werde. Die Nachricht ist vor allem für Anwender von Bedeutung, die weiterhin auf älteren Windows-Plattformen arbeiten. MiKTeX 2.6 dürfte die letzte Version von MiKTeX gewesen sein, die noch unter Windows 9x/ME/NT funktionierte. Windows 95 wird schon seit Februar 2006 nicht mehr unterstützt weil Visual Studio 2008, mit dem Christian Schenk arbeitet, für diese alten Plattformen nicht mehr gepflegt wird.
